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Familie aus NRW soll über 500 Euro zahlen: Abkassiert bei "Sparvorwahl"

Familie aus NRW soll über 500 Euro zahlen : Abkassiert bei "Sparvorwahl"

Familie Boeckmann aus Willich soll für einige Ferngespräche mehr als 500 Euro zahlen. Der Vorgang zeigt, wie dreist manche Telefonfirmen Kunden bei bestimmten Sparvorwahlen ausnehmen. Wir geben Tipps für Kunden.

Als früherer Kriminalbeamter hat Hans Eckart Boeckmann, 72, ja schon so einiges erlebt. Doch als er vor wenigen Tagen seine aktuelle Telefonrechnung bekam, waren er und seine Frau Walburga, 66, dann doch geschockt: 509,45 Euro sollen sie für einige Ferngespräche im Juli noch nachträglich zahlen.

So viel rechnete die Hamburger Telefonfirma "010040 GmbH" über die Telekom für die Nutzung der Sparvorwahl "010040" ab — die gesamte Telefonrechnung liegt bei 542,68 Euro. "Das ist doch reine Abzocke", ärgert sich Hans Eckart Boeckmann, "die Ferngespräche zahle ich nicht." Boeckmann ist wie viele andere Kunden einer äußerst fragwürdigen Aktion zum Opfer gefallen.

Lange Zeit galt die Vorwahl "010040" tatsächlich als günstige Vorwahl, insbesondere für Ferngespräche. Weniger als zwei Cent die Minute kostete ein Gespräch nach München oder Köln, wenn man diese Vorwahl vor der eigentlichen Telefonnummer nutzte. Doch am Montag, dem 2. Juli, schoss der Preis plötzlich um mehr als das Hundertfache auf 1,99 Euro pro Minute hoch.

"Mit Gewohnheit der Verbraucher gespielt"

Der Betreiber der Rufnummer hatte vorher gewechselt. Und ohne Ankündigung kam dann die Preiserhöhung — offensichtlich kalkuliert die Firma extrem hoch, um möglichst schnell viel Geld einsammeln zu können. "Da wird mit der Gewohnheit der Verbraucher gespielt", warnt Sebastian Lange, Experte beim Portal Tariftipp.de, "die haben sich einmal eine gute Vorwahl eingeprägt und rechnen nicht mit schnellen Änderungen."

Es scheint Verbraucher bundesweit getroffen zu haben: Von "bösen Überraschungen" schrieb die "Stuttgarter Zeitung" am Donnerstag. Vor einer "astronomischen Erhöhung" warnt die Neue Württembergische Zeitung. Und bei der für Beschwerden zuständigen Bundesnetzagentur in Bonn heißt es: "Wir hören da im Moment einiges und werden uns die Vorgänge anschauen."

Dabei müssen die Verbraucher für die Zukunft genau aufpassen. Zwar gilt seit dem 1. August die gesetzliche Regel, dass Anbieter einer Sparvorwahl nach der Anwahl mitteilen müssen, wie teuer eine Gesprächsminute ist. Doch es gibt Anzeichen, dass Anbieter diesen Hinweis bewusst missverständlich überbringen — beispielsweise, indem die Berechnungseinheit Euro mit einem Tonfall ausgesprochen wird, als ob es sich um Cent handelt.

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Verbraucherschützer raten zu Einspruch

Verbraucherschützer wie Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale NRW raten darum dazu, bei Nutzung einer Sparvorwahl immer genau auf die Ansage zu hören. Wer sich durch eine solche missverständliche Auskunft hintergangen fühlt, soll außerdem Beschwerde bei der Netzagentur einlegen. "Die Ansagen müssen klar sein", heißt es da, "sonst schreiten wir ein."

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie man gegen sehr hohe Rechnungen vorgehen kann. Grundsätzlich raten Verbraucherschützer, bei der jeweiligen Vorwahl-Firma per Einschreiben Widerspruch gegen die Rechnung einzureichen — obwohl Anbieter ihre Preise an sich frei festlegen dürfen. Der Telekom muss man mitteilen, dass sie die Beträge der Vorwahl-Betreiber nicht abbuchen soll, sondern nur den ihr zustehenden Betrag — also insbesondere die Grundgebühr.

Ein pensionierter Jurist aus Düsseldorf mit viel Prozesserfahrung will es darauf ankommen lassen. Er hat die Telekom angewiesen, die 125 Euro für einige Ferngespräche nicht an den Betreiber der 010040 zu überweisen und zahlt selbst auch nicht. "Jetzt sollen die mich doch verklagen", sagt er, "über den Sachverhalt des Wuchers lässt sich vor Gericht ja dann streiten."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neue Regeln für Telefonkunden

(RP/das)