Zollhunde können alles erschnüffeln

Sie stecken ihre Schnauze überall rein: Zollhunde finden selbst kleine Mengen an Drogen. Bis sie losschnüffeln dürfen, müssen sie mindestens ein Jahr trainieren.

Ihren Nasen entgeht nichts: Zollhunde können schon kleinste Mengen Rauschgift oder Sprengstoff aufspüren. Dass die Tiere im Dienst so zielstrebig und sicher Täter stellen können, ist aber nicht nur ihrem hervorragenden Geruchssinn zu verdanken. Ein ausgeprägter Spiel- und Beutetrieb ist für diese Aufgabe mindestens ebenso wichtig.

Die Hunde stammen von unterschiedlichen Anbietern. "Hin und wieder kommen die Tiere von Privatleuten, manchmal werden welche aus dem Tierheim geholt", sagt Manfred Dertmann. Als Zollhundelehrwart des Bezirks Münster wählt er unter anderem die Tiere aus und kauft sie. Meist werden die Hunde, die beim Zoll eingesetzt werden, jedoch im Alter von etwa einem Jahr bei erfahrenen Diensthundehändlern und gelegentlich bei Züchtern gekauft. "Die wissen schon, was für Hunde wir brauchen, und es besteht in der Regel auch kein Problem damit, dass wir sie erst einmal nur für eine vier- bis sechswöchige Probezeit nehmen."

In dieser Zeit werden die Tiere intensiv auf ihre Tauglichkeit getestet. Mit Beute- und Suchspielen prüfe man beispielsweise, ob die Tiere die richtige Veranlagung mitbringen. Beute- und Suchspieltrieb müssen stark ausgeprägt sein.

"Der Hund sollte einen hohen Besitzanspruch zeigen und die Beute unbedingt fordern und haben wollen", sagt Dertmann. Trainiert wird während dieser Zeit an unterschiedlichen Orten. Dabei zeigt sich, ob das Tier geräuschempfindlich ist, wie sozialverträglich es sich verhält und ob es Probleme etwa beim Überwinden von Hindernissen oder beim Laufen auf glatten Böden hat.

Für die Ausbildung der Hunde gibt es zwei Möglichkeiten. "Entweder werden sie nur als Spürhunde oder für einen dualen Einsatz als Schutz- und Spürhunde ausgebildet", erklärt Bernd Wallner, Sprecher des Bildungs- und Wissenschaftszentrums der Bundesfinanzverwaltung in Münster.

Zu dem Zentrum gehören auch die deutschen Zollhundeschulen. Insgesamt gibt es um die 420 Zollhunde in Deutschland - und die werden ganz unterschiedlich eingesetzt.

"Die Schutzhunde begleiten den Zöllner beispielsweise zum Schutz bei mobilen Kontrollen auf der Autobahn. Die reinen Spürhunde hingegen kommen unter anderem auf Flughäfen zum Einsatz." Je nach Konditionierung sollen die Hunde Bargeld, Rauschgift, Sprengstoff oder artengeschützte Tiere aufspüren.

Hunde sind aus unterschiedlichen Gründen so gut für den Zolldienst geeignet. "Anders als die meisten anderen Tiere, die nicht so kooperationsbereit sind, handelt es sich bei Hunden um soziale Wesen, die gern mit dem Menschen zusammenarbeiten und ihn als Sozialpartner anerkennen", erklärt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen in Dortmund. "Hunde sind meist sehr motiviert, lernen schnell und fühlen sich belohnt, wenn sich der Diensthundeführer über ihre Leistungen freut."

Von Bedeutung sind aber natürlich auch die körperlichen Fähigkeiten. Bei Schutzhunden mache man sich ihre Überlegenheit zunutze: "Die können mit ihrem Vierradantrieb schneller laufen und sorgen allein schon durch ihre physische Präsenz für Respekt", sagt Kopernik.

Für Spüreinsätze seien die Tiere zudem so etwas wie Sinnesleistungsverstärker. "Die Sinnesleistungen sind denen des Menschen stark überlegen, weshalb Hunde mit ihrem Geruchssinn selbst geringste Mengen Rauschgift oder Sprengstoff aufspüren können."

Hat der Hund die Probezeit bestanden, dauert es ein bis anderthalb Jahre, bis er ausgebildet ist. "Die Spürhunde werden unter anderem mit Spielzeugen wie kleinen Rollen oder Päckchen konditioniert, in denen Proben der zu suchenden Stoffe sind", sagt Wallner. "Schlägt der Hund später beim Einsatz an, denkt er, er hätte sein Spielzeug gefunden."

Das Training ist mit Abschluss der Ausbildung allerdings nicht vorbei - regelmäßig wird weitertrainiert, und es gibt jedes Jahr weitere Lehrgänge.

(RP)
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