Wenn das Heimtier unter Stress leidet

Psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen treten bei Menschen immer häufiger auf. Doch auch Hunde und Katzen können von Stress und den körperlichen Folgen betroffen sein.

Leiden Katzen unter Anspannung, so verkriechen sie sich gerne.

Leiden Katzen unter Anspannung, so verkriechen sie sich gerne.

Foto: Getty Images/iStockphoto/Dmytro_Skorobogatov

Wenn die Arbeit überhand nimmt oder private Belastungen zu groß werden, leiden viele Menschen unter Stress. Auch Änderungen im Alltag können für Anspannung sorgen. Das geht nicht nur Herrchen und Frauchen so, auch Katzen sind „Gewohnheitstiere“ und reagieren häufig angespannt auf neue Situationen. Tierhalter sollten daher stets darauf achten, ob ihr Heimtier gestresst ist. Grundsätzlich sind Appetitlosigkeit, Durchfall oder eine vernachlässigte Fellpflege typische Anzeichen dafür, dass es einer Katze nicht gut geht. Je nach Ursache können noch weitere Merkmale hinzukommen. „Generell verkriechen sich Katzen gerne, wenn sie gestresst sind“, weiß Dr. Franziska Kuhne. Die Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz bietet Verhaltensberatungen für Halter und ihre Tiere sowie regelmäßig Fortbildungen für Tierärzte und -trainer an. „Statt auf der Fensterbank findet man sie dann eher in einer kleinen Wohnhöhle oder unter dem Sofa.“ Sind beispielsweise neue menschliche oder tierische Mitbewohner eingezogen, kann es sein, dass die Katze diese mit geweiteten Pupillen anfaucht. Ist sie hingegen nach einem Umzug mit der neuen Umgebung überfordert, dann kommt es auch vor, dass sie an einer ungewohnten Stelle in der Wohnung uriniert, um so ihren Geruch zu verbreiten.

 Sind Hunde freud- oder antriebslos, so kann Stress eine Ursache sein.

Sind Hunde freud- oder antriebslos, so kann Stress eine Ursache sein.

Foto: Getty Images/iStockphoto/WebSubstance

Zeigt sich eine Katze gestresst, sollten Tierhalter zunächst überlegen, was sich im Umfeld geändert hat. Neben einem Umzug oder neuen Bewohnern kann auch ungewohnter Lärm das Tier aus der Ruhe bringen. Weitere Möglichkeiten sind unangenehme Gerüche oder einfach nur ein neues Möbelstück. Ein Auslöser kann den Experten des Industrieverband Heimtierbedarf auch der falsche Umgang sein. Wird die Katze beispielsweise zu viel gestreichelt obwohl sie das nicht möchte, kann das für Missstimmung sorgen. Ist die Ursache gefunden, lässt sich der Stress oft mit einfachen Maßnahmen verringern. Liegt es an neuen Menschen in der Umgebung, kann dieser die Katze füttern, um Vertrauen aufzubauen. Bei einem neuen Tier hilft es dagegen oft, wenn die beiden getrennt gefüttert werden und sich in Ruhe an die Anwesenheit und den Geruch des Anderen gewöhnen können. Die wirksamste Methode, um Stress zu bekämpfen, ist aber, diesen gar nicht entstehen zu lassen. Entsprechend sollten Katzen möglichst immer mehrere Katzentoiletten, Futter- und Wassernäpfe sowie Schlaf- und Spielmöglichkeiten haben, um eigenständig entscheiden zu können. „Katzen klettern und erkunden gerne und lieben es, wenn sie von oben einen Überblick haben“, weiß Dr. Kuhne. „Da wir Menschen den Bereich unter der Zimmerdecke ohnehin selten nutzen, ist dieser also ideal, um ihnen entspannte Rückzugsmöglichkeiten zu bieten.“ Wenn sich der Stress aber nicht vom Halter allein auflösen lässt, sollte man möglichst bald eine Verhaltensberatung aufsuchen, um dort bei der Lösung beraten und unterstützt zu werden.

 Katzen lieben den Überblick von oben.

Katzen lieben den Überblick von oben.

Foto: Getty Images/Axel Bueckert

Wie beim Menschen äußern sich psychische Probleme auch beim Hund nicht durch ein einzelnes Merkmal. Mögliche Anzeichen sind Freudlosigkeit, fehlende Motivation, Antriebs- oder Appetitlosigkeit. „Wenn viele typische Symptome auf den Hund zutreffen, dann sollte man einen Tierarzt aufsuchen, der das Thema psychische Erkrankungen bei Tieren ernst nimmt“, rät Dr. Sandra Foltin. Die Biologin und Psychologin hat in ihrem Buch „Black Dog“ zentrale Studien zum Thema Psychische Erkrankungen bei Hunden aufgegriffen. „Zuerst wird dort festgestellt, ob eine körperliche Ursache vorliegt. Es gibt also eine körperliche Untersuchung und es wird ein großes Blutbild gemacht.“ Sind diese ohne Befund, wird nach weiteren Erklärungen gesucht. Laut Experten des Industrieverband Heimtierbedarf kann die Ursache beispielsweise ein kürzlicher Trauerfall sein. Hilfe können Verhaltenstherapeuten und entsprechend ausgebildete Veterinärmediziner leisten.

Hundehalter können einiges tun, um Stress beim Hund zu vermeiden. Der Alltag darf den Vierbeiner zwar fordern, aber nicht überfordern. Halter sollten zudem im Umgang mit dem Tier möglichst Ruhe bewahren, da sich Streit und Stress zu Hause auch auf das Tier auswirken. Es sei außerdem wichtig, die Kommunikation des Hundes richtig zu lesen. „Studien zeigen, dass über 80 Prozent der Halter nicht ausreichend gut darin sind, ihre Hunde zu verstehen“, betont Dr. Sandra Foltin. „Selbst wenn es deutliche Anzeichen gibt, werden Symptome häufig übersehen oder nicht ernst genommen.“ Neben der zahlreichen Literatur bietet es sich immer an, in einer fachkundigen Hundeschule, die auf positive Verstärkung setzt, mehr über die Besonderheiten der Hunde-Kommunikation zu erfahren. Gibt es Anzeichen dafür, dass sich das Verhalten des eigenen Tieres verändert, sollte man dies über einen gewissen Zeitraum beobachten und beim nächsten Tierarztbesuch ansprechen.

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