1. Leben
  2. pets - Tiere
  3. Tiere von A bis Z

Wespen: Arten, Naturschutz, Wespen-Stich, Nest - das müssen Sie wissen

Nutztiere oder Schädlinge? : Faszinierende Wespen

Wenn man im Sommer Menschen beim Eisessen, Picknicken oder Grillen plötzlich in hektisch-fuchtelnde Bewegungen ausbrechen sieht, dann "kämpfen" sie in der Regel gerade mit Vertretern der Gemeinen oder der Deutschen Wespe.

Besonders in den vergangenen Jahren hat dabei die Zahl der Wespen in den heißen Sommern zugenommen - Tendenz auch hier mit dem Klimawandel steigend. Denn die Tiere können bereits früher in den bereits warmen Frühjahrsmonaten mit der Brut beginnen und profitieren von teils längeren Blütezeiten in der Natur. Damit kommt es auch immer öfter zu "Interessenkonflikten". Während die Menschen in Ruhe im Freien Eis essen wollen, suchen die Wespen nach Nahrung. Der Konflikt scheint vorprogrammiert, und die Insekten stehen in einem schlechten Ruf. Allerdings zu unrecht.

"Unnütz", "gefährlich", "lästig", "aufdringlich" - das sind Adjektive, mit denen die Tiere recht oft bezeichnet werden. Dabei stimmt das gar nicht. "Auch wenn Wespen und Hornissen für den ein oder anderen nur lästige Störenfriede sind, einen Aspekt sollte man nicht vergessen - sie sind außerordentlich nützlich", sagt Birgit Königs, Sprecherin des Naturschutzbundes NABU NRW. "Die Brummer sind ein wichtiger Bestandteil der Natur. Sie verfüttern eine Unmenge anderer Insekten wie Mücken, Fliegen oder Bremsen an ihre Brut und tragen so zum ökologischen Gleichgewicht bei. Hornissen zum Beispiel ernähren sich wiederum von kleineren Wespenarten und von zahlreichen Insekten, die bei Gärtnern, Landwirten und Förstern wenig beliebt sind. Zudem spielen Wespen auch als Bestäuber eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auf der Suche nach Nektar, den sie zu ihrer eigenen Ernährung benötigen, übertragen sie ebenso wie Bienen Pollen von Blüte zu Blüte", sagt die Naturschutzexpertin.

Von wegen unnütz also. Außerdem ist Wespe nicht gleich Wespe.

Welche Wespenarten gibt es eigentlich - und was unterscheidet sie?

349 Wespenarten zählt die Rote Liste, das Verzeichnis der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, allein für das Bundesland Nordrhein-Westfalen auf, erklärt NABU-Expertin Königs. Unterschieden werden (unter anderem) Grabwespen, Wegwespen, Feldwespen, Rollwespen, Faltenwespen (wissenschaftlich die Familie Vespidae) und noch einige mehr. Zu den letzteren gehört biologisch eingeteilt die Unterfamilie der "Echten Wespen" (wissenschaftlich Vespinae) , in denen es die typischen staatenbildende Arten gibt - also die, die Nester mit bis zu mehreren tausend Tieren bilden können. Von diesen sozialen Echten Wespenarten gibt es in ganz Deutschland nur acht. "Und von denen werden uns nur genau zwei häufig mal 'lästig' - nämlich die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)", sagt Königs.

Das liegt vor allem auch daran, dass diese beiden Arten in Mitteleuropa Nester mit bis zu 7000 Individuen bauen. Die anderen sechs staatenbildenden, sozialen Echten Wespen-Arten, die hier verbreitet sind, kommen jeweils nur auf einige hundert Tiere.

Dass gerade in den heißeren Sommern der vergangenen Jahre mehr der Tiere auftreten, liegt am sich verändernden Klima. Die Tiere können bereits in den häufiger sehr warmen Frühjahrsmonaten mit der Brut beginnen, sodass es in den Sommermonaten deutlich mehr Tiere gibt.

Die sechs anderen in Deutschland verbreiteten "kleineren" Echten Wespen-Arten sind die Mittlere Wespe (Dolichovespula media), die Waldwespe (Dolichovespula sylvestris), die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica), die Norwegische Wespe (Dolichovespula norwegica) und die Rote Wespe (Vespula rufa). "Als gefährdet gilt in Nordrhein-Westfalen von den acht Echten Wespenarten lediglich die Norwegische Wespe", erklärt Königs. Die Gattung Dolichovespula heißt auf Deutsch "Langkopfwespen", die Gattung Vespula "Kurzkopfwespen".

Neben diesen relativ häufig anzutreffenden Arten gibt es in der Unterfamilie Echte Wespen (wissenschaftlich "Vespinae") noch drei Arten von sogenannten Kuckuckswespen, die den Bau anderer Wespenarten "kapern" und deren Arbeiterinnen für sich schuften lassen. Außerdem gehören die Hornissen als Gattung mit dem wissenschaftlichen Namen "Vespa" ebenfalls zu den Echten Wespen. die Gewöhnliche Hornisse (Vespa crabro) ist dabei in Mitteleuropa verbreitet.

Staatenbildend sind auch einige Arten der Feldwespen, einer weiteren Unterfamilie der Faltenwespen mit dem wissenschaftlichen Namen Polistinae. Oft fasst man die sozialen Echten Wespen und die sozialen Feldwespen als "soziale Faltenwespen" zusammen. Oder auch als "Papierwespen" - aus diesem Material bauen sie ihr Nest.

Es gibt natürlich eine Reihe von Unterschieden zwischen den einzelnen Wespenarten. Sie sind unterschiedlich gefärbt, haben unterschiedlich geformte Flügel, verschiedenen Körperbau, anders geformte Mundwerkzeuge. Bestimmungsbücher oder Apps sowie Insektenkundler können dabei helfen sie genau zu bestimmen - oder auch Kammerjäger und Naturschutzbeauftragte, etwa der Feuerwehr. Für den Laien sind die Tiere alle mehr oder weniger schwarz-gelb gestreift (nur einige schwarz-rot). Und in der Regel hat man es mit der Deutschen Wespe (Vespula germanica) oder der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) zu tun, wenn die Tiere auf den Kuchen oder das Grillgut fliegen.

Allerdings kann man auch an der Form und Farbe der Nester sowie deren Bauort die Art unterscheiden, was wichtig sein kann, um einzuschätzen, welche mögliche Gefahr von einem Nest ausgehen könnte. Ratsam ist immer, einen Experten zu Rate zu ziehen und nicht selbst gegen die Insekten vorzugehen - unter Umständen macht man sich dabei auch strafbar (siehe Artenschutz).

Wenn man von verschiedenen Wespenarten spricht, ist das im Übrigen wissenschaftlich betrachtet nicht ganz richtig. Es gibt eine große Zahl von Arten, die den Namen "Wespe" im Namen trägt - und die auch alle mehr oder weniger ähnlich aussehen. Sie gehören jedoch zu zum Teil sehr unterschiedlichen Familien der Insekten - teilweise sogar zu unterschiedlichen Unterordnungen der großen Ordnung Hautflügler (Hymenoptera).

Bekannt sind jene staatenbildende, die in großer Zahl auftreten. Daneben gibt es auch viele Einzelgänger, sogenannte solitäre Wespen und auch solche, die keinen Giftstachel besitzen. Viele dieser Arten sind mittlerweile selten geworden und schützenswert - ein Grund mehr, nicht einfach nach jeder Wespe zu schlagen. Dazu kommt noch die völlig harmlose schwarz-gelb gestreifte Schwebfliege. Ihre Tarnung schützt sie zwar vor dem Gefressenwerden durch Vögel - macht sie aber zum Opfer ängstlicher Menschen.

Auch die nützlichen und wichtigen Bienen werden oft versehentlich erschlagen, was die Frage aufwirft:

Was unterscheidet Wespen und Bienen?

Um ganz genau zu sein: Es gibt ebenso mehrere zehntausend verschiedene Arten von Bienen weltweit, wie es etliche zehntausend der Wespen gibt. Gemeinhin meint man mit "Wespe" aber die häufig auftretenden Deutschen Wespen (Vespula germanica) oder Gemeinen Wespen (Vespula vulgaris) und mit "Biene" die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Wissenschaftlich gehören sie sogar zu völlig unterschiedlichen Familien von Insekten - aber auch für Nicht-Insektenkundler sind sie zumindest auf den zweiten Blick gut zu unterscheiden.

Während die beiden häufigen Wespen-Arten deutlich schwarz-gelb gestreift sind und einen glatten Panzer aufweisen, sind Bienen eigentlich eher braun-schwarz und deutlich behaart. Dazu sind Wespen deutlich schlanker als Bienen, die eher rundlich daher kommen. Außerdem haben Wespen die berühmte "Wespentaille" - der Ansatz zwischen der "Brust", dem Thorax und dem "Unterleib", dem Abdomen, ist bei den Wespen sehr schmal, bei Bienen deutlich breiter.

Außerdem unterscheiden sie sich natürlich in der Lebensweise. Bienen sammeln Nektar und Pollen während Wespen ein breiteres Spektrum an Nahrung haben. So ernähren sie sich zwar auch von Nektar, machen aber auch Jagd auf andere Insekten. Fleisch toter Tiere, Pflanzensäfte und Früchte ergänzen den Speiseplan - was die Vorliebe der Wespen sowohl für Gegrilltes als auch für süße Getränke oder etwa Früchtekuchen erklärt.

Wespen bauen einjährige Nester aus Papier während Bienen ihre mehrere Jahre bewohnten Waben aus Wachs bauen. Und auch nur Bienen produzieren Honig.

Ein weiterer wichtiger Unterschied betrifft den Giftstachel der Insekten. Zum einen stechen sowohl Wespen als auch Bienen nur in besonderen Stress-Situationen (wobei es Stress für sie darstellt, wenn nach ihnen geschlagen wird). Beide Stiche sind für nicht sensible Menschen zwar schmerzhaft, aber eher harmlos. Für Allergiker können Insektenstiche allerdings lebensbedrohlich werden. Bienen- und Wespengift unterscheiden sich aber - wer gegen Wespenstiche allergisch reagiert, kann, muss aber nicht zwangsläufig auch gegen Bienenstiche allergisch sein.

Bienen stechen eher noch seltener als Wespen. Stechen Bienen ein Säugetier wie den Menschen, reißen ihre Stacheln mitsamt der Giftblase aus dem Körper, da die Stacheln Widerhaken besitzen. Das Tier verendet, der Stachel bleibt in der Wunde. Wespen können dagegen mehrfach zustechen. Außerdem bleibt der Stechreflex ihres Stechapparates auch nach dem Tod oder bei zerteilten Tieren erhalten - auch offensichtlich tote Wespen können somit stechen.

Stehen Wespen unter Artenschutz?

Ganz grundsätzlich sollte kein Tier beziehungsweise Lebewesen ohne Not getötet werden. Das regelt auch das Bundesnaturschutzgesetz, in dem verboten wird, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Das gebietet im Übrigen auch das Tierschutzgesetz ganz allgemein. "Wespen sind laut Bundesnaturschutzgesetz - wie alle wild lebenden Tiere – geschützt, und es ist verboten, sie mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen zu verletzen oder zu töten. Die Hornisse, die größte unserer einheimischen Wespenarten, ist nach Bundesartenschutzverordnung zudem besonders geschützt", sagt Königs.

Ganz konkret unter Artenschutz stehen die häufig und zahlreich vorkommenden beiden Arten der Deutschen und der Gemeinen Wespe allerdings nicht. Arten wie die Norwegische Wespe und auch etliche der vielen solitär lebenden Wespen dagegen schon.

Ganz konkret sind alle Arten der Kreiselwespen (wissenschaftlicher Name der Gattung Bembix) alle Arten der Knopfhornwespen (Gattung Cimbex) und auch die Hornissen (Vespa Crabro) sowie alle Arten von Bienen und Hummeln durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt - wer Tiere dieser Arten tötet, wird mit zum Teil hohen Bußgeldern bestraft.

Die Nester aller Wespenarten stehen ebenfalls unter Schutz. Eigenmächtig darf kein Wespennest entfernt oder gar zerstört werden. Dazu sollte immer ein Experte befragt oder beauftragt werden.

Wie leben Wespen und wovon ernähren sie sich?

Wespen haben eine Vielzahl ökologischer Nischen besetzt und weltweit mit mehreren zehntausend Arten ganz unterschiedliche Lebensweisen entwickelt. Für Menschen interessant sind hauptsächlich die zwei Arten sozialer Faltenwespen, die in Deutschland heimisch sind und durch ihre Lebensweise öfter in Konflikt mit uns kommen - die Deutsche und die Gemeine Wespe, (Vespula germanica und Vespula vulgaris).

Bei beiden Arten gründet eine einzelne Königin nach ihrer Winterruhe im Frühjahr - etwa im März oder April, je nach Witterung - einen Sommerstaat. Sie baut die ersten Waben eines Nestes aus Papier. Dazu zerkauen Wespen Holz und speicheln es ein, die Masse trocknet genau wie das menschengemachte Material zu festem Papier.

In die Waben legt sie Eier ab und füttert die ersten schlüpfenden Larven mit tierischem Eiweiß. Das kann aus erbeuteten Insekten stammen, von Aas, also toten Tieren oder eben vom Picknick im Freien grillender Menschen. Aus den Larven entwickeln sich schließlich die bis zu 7000 Arbeiterinnen des immer nur einen Sommer lang existierenden Staates. Die Arbeiterinnen, die sich selbst nicht fortpflanzen, übernehmen dann alle Aufgaben wie Nestbau, Larvenversorgung, die Jagd beziehungsweise Futtersuche und die Verteidigung des Nestes. Die Königin bleibt im Nest und kümmert sich nur noch um die Eiablage. Befruchtet werden die Eier dabei mit Spermien, die sie nach ihrer Befruchtung durch ein Männchen Ende des vergangenen Sommers in speziellen Taschen gespeichert hat.

Gegen Ende des Sommers entwickeln sich aus speziellen Larven Männchen und Jungköniginnen, die nach dem Schlüpfen zum Begattungsflug aufbrechen. Die Männchen sterben danach, die begatteten Jungköniginnen überwintern an geschützten Orten.

Die Arbeiterinnen und die Königin ernähren sich von süßen zuckerhaltigen Säften. Das kann Nektar aus Blüten sein - wobei sie diese auch durch mitgenommene Pollen bestäuben - Pflanzensäfte, Früchte wie etwa Fallobst - oder alles Süße, was Menschen so im Freien präsentieren - von Saft und Limo über Obstkuchen bis zum Eis.

Für die Jagd auf Beutetiere können Wespen ihren Giftstachel einsetzen, tun dies aber nicht bevorzugt. Zur Verteidigung, wenn sie sich oder den Bau angegriffen fühlen, stechen sie - auch mehrmals.

Ihre Nester bauen sowohl die Deutsche als auch die Gemeine Wespe dabei an dunklen Orten - also etwa auf Dachböden, aber auch in Rollladenkästen oder unter Dachziegeln. Bauschäden müssen dabei nicht unbedingt auftreten - auch das kann ein Fachmann beurteilen. Andere Arten errichten dagegen ihre Nester oft etwa in Bäumen oder Büschen. Diese Arten sind in der Regel harmlos. Ihre Nester stehen auch recht schnell am Ende des Sommers wieder leer. Übrigens bauen Wespen in jedem Jahr ein neues Nest - allerdings werden Orte, an denen ein Nest aus dem Vorjahr noch existiert, bevorzugt. Dann wird "angebaut".

Im Herbst stirbt die Altkönigin und der Wespenstaat geht dann nach und nach zugrunde.

Drei Arten der heimischen Wespen sind Sozialparasiten. Die Königinnen dieser "Kuckuckswespen"-Arten dringen in den Bau einer anderen bestimmten Art ein und töten deren Königin. Dann legen sie Eier in diesen Bau und lassen sie von den Arbeiterinnen des übernommenen Staates pflegen und großziehen. Aus den Eiern entwickeln sich dann ausschließlich Männchen und Königinnen der Kuckuckswepsen.

Hornissen jagen anders als andere Wespen übrigens auch nachts und werden dann von Lichtquellen angelockt.

Wie kommen Mensch und Wespe gut miteinander aus?

"Kommen einem die Tiere zu nahe, bewahrt man am besten Ruhe. Auf keinen Fall sollte man wild um sich schlagen oder die Tiere anpusten - denn das Kohlendioxid in der Atemluft ist für die Insekten ein Alarmsignal und versetzt sie in Angriffshaltung. Sanftes Wegschieben ist die beste Wahl", sagt Königs. Süße Speisen oder Grillgut sollten im Freien abgedeckt werden.

Und im Experiment hat sich gezeigt, dass eine Ablenkfütterung mehrere Meter entfernt vom Kaffeetisch - am besten mit überreifen Weintrauben - die Tiere am wirkungsvollsten fernhält. Von Fallen raten Experten eher ab - zum einen sterben die Tiere darin meist qualvoll, zum anderen gehen nur alte Tiere in die Falle. Die aktiven Arbeiterinnen werden dadurch nicht dezimiert.

Was macht man, wenn man ein Wespennest entdeckt?