Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen: Der kleine Eisbär kuschelt gern

Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen : Der kleine Eisbär kuschelt gern

Weltweit gibt es in Zoos pro Jahr nur 18-mal Eisbärennachwuchs. Das und eine Überlebensquote der Jungtiere von 50 Prozent machen den acht Wochen alten Neuzugang in der Gelsenkirchener Zoom Erlebniswelt so besonders.

Es ist beinahe stockfinster in der Wurfbox, nur über eine Nachtsichtkamera in der Decke können die Mitarbeiter der Zoom Erlebniswelt Eisbärin Lara und ihr Junges beobachten. Die Ruhe der beiden zu stören, wäre für jeden Pfleger lebensgefährlich. Die etwa 300 Kilogramm schwere und 13 Jahre alte Bärenmutter "würde nicht viel von uns übrig lassen - da bin ich mir sicher", sagt Zootierärztin Pia Krawinkel. Eisbären ziehen sich in der freien Wildbahn für die Geburt in Eishöhlen zurück. Lara hat im Zoo eine Wurfbox: sechs Quadratmeter groß, mit Eichenrinde, Sand und Stroh ausgelegt und alles möglichst steril.

Die Mama lässt den Kleinen nicht weg

Die Eisbärin bewegt sich ganz vorsichtig und behutsam in dem kleinen Raum, immer darauf bedacht, ihren geschätzt 30 Zentimeter großen Sprössling nicht zu weit von sich entfernt zu wissen. "Auch wenn der Kleine noch nicht laufen kann, ist er schon sehr aktiv. Sobald er außer Reichweite seiner Mutter krabbelt, zieht sie den winzigen Körper mit ihren großen Tatzen ganz vorsichtig wieder zu sich zurück", sagt Krawinkel.

Doch nicht alle stehen der Nachzucht von Eisbären positiv gegenüber. Die Tierschutzorganisation Peta beispielsweise bemängelt schon seit Jahren Zucht- und Haltungsbedingungen insbesondere bei Tieren, die ohnehin nicht ausgewildert werden könnten. Statt in Zucht und Zoogehege zu investieren, solle das Geld für die Erhaltung der Tiere in ihrem natürlichen Habitat eingesetzt werden. "Es nützt keinem Tier, in Zoo-Gefangenschaft vor dem Aussterben bewahrt zu werden", sagt Peta.

Erfolgreiche Geburten in Zoos sind extrem selten

Da pro Jahr weltweit nur 18 Eisbären in Zoos geboren werden, ist jede Geburt eine Chance für Grundlagenforschung, entgegnet Krawinkel. "Im internationalen Zuchtbuch wird über jede Paarung und jede Geburt genauestens Buch geführt." Das sei nötig, um Inzucht zu vermeiden und die genetische Vielfalt zu erhalten. Die Wurfbox als Ersatz für die Eishöhle sei schon früh in Zoos eingesetzt worden. "Früher hatte man aber keine Ahnung, was im Innern vor sich geht. Wenn man, leises Quieken hörte, wusste man was Sache war." Beim Bau des Geheges im Jahr 2005 wurde die Nachtsichtkamera in die Decke integriert. So kann jeder Mitarbeiter jederzeit verfolgen, was bei Lara und ihrem Jungen los ist.

Eisbären sind bei der Geburt blind und völlig hilflos. Das Jungtier ist eines von dreien, die am 4. Dezember zur Welt gekommen sind. Seine Geschwister haben jedoch nicht überlebt, sie starben schon am zweiten und dritten Tag nach der Geburt. "Die zwei Körper wurden von Lara noch lange beleckt und immer wieder herangezogen", sagt Krawinkel. Schließlich erkannte die Mutter aber, dass ihre Jungen tot waren und fraß sie. Die Eisbärin stellt so sicher, dass die Höhle sauber und hygienisch für das überlebende Junge bleibt, erklärt die Tierärztin. "Die Jungtiersterblichkeit bei Eisbären liegt bei 50 Prozent, unabhängig davon, ob sie in der Wildnis oder in menschlicher Obhut geboren werden." In freier Wildbahn komme aber ein hohes Risiko hinzu, dass die Tiere im ersten Lebensjahr Opfer anderer Eisbären würden.

Dies ist auch der Grund, weshalb Lara schon im Sommer von Bill, dem Vater des Jungtiers, getrennt wurde. "Die zwei fingen recht schnell nach der Befruchtung an, sich zu kebbeln", erinnert sich Sabine Haas, Diplom-Biologin und Zoo-Sprecherin. Das sei ganz normal, die Mutter wollte in der Schwangerschaft - in der sie sich 100 bis 150 Kilogramm anfutterte - Ruhe haben.

Mama versteckt den Nachwuchs unter Stroh

Am 16. Dezember, nachts um 3.43 Uhr, hat Lara die Box sogar schon einmal zum Trinken verlassen, vom Jungtier war nichts zu sehen. "Gut, dass ich da nicht wach war, ich hätte sonst wohl einen Herzinfarkt bekommen", sagt Krawinkel schmunzelnd. Die Aufnahme sah sie erst am nächsten Tag. Lara hatte ihren Sprössling unter einem Berg Stroh eingepackt, bevor sie die Box verließ, und packte ihn nach ihrer Rückkehr ebenso sorgfältig wieder aus.

Sobald sie die Wurfhöhle verlassen, werden die beiden für sich bleiben. "Bis Eisbären ausgewachsen sind, dauert es zwei Jahre. Nach etwa zweieinhalb Jahren trennen sich die Jungtiere von der Mutter", sagt Krawinkel. Da Eisbären Einzelgänger sind, könnte man sie nicht in einer Gruppe im Gehege halten.

Ab Mitte Februar wollen die Tierpfleger langsam wieder mit der Fütterung beginnen. Los geht es mit Salat und Möhren. "In der Wildnis würde die Eisbärin auch nach Gräsern und Flechten suchen, bevor sie die Jagd wieder aufnimmt." Sobald Lara wieder an den Tagesrhythmus gewöhnt ist, wird der Durchgang zur Wurfbox geschlossen, eine ordentliche Untersuchung und erste Impfungen folgen. "Erst dann können wir sicher sein, dass alles in Ordnung ist", sagt Krawinkel. Und dann wird auch festgestellt, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

(cha)