Reingeschnüffelt: Von Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen...

Reingeschnüffelt: Von Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen...

Gabriele Winters ist Ernährungsberaterin für Haustiere. In ihrer Kolumne "Reingeschnüffelt" gibt sie tierische Ernährungstipps. Heute: die Zutatenliste.

<p>Gabriele Winters ist Ernährungsberaterin für Haustiere. In ihrer Kolumne "Reingeschnüffelt" gibt sie tierische Ernährungstipps. Heute: die Zutatenliste.

Foto: pets.de

Für mich ist in Sachen Tierfutter mit Abstand die spannendste Frage: Was steckt drin? Da die Verpackung uns in der Regel daran hindert, das Futter schon vor dem Kauf genau unter die Lupe zu nehmen, muss uns das Etikett aushelfen. Genauer gesagt der Teil des Etiketts mit der Zusammensetzung oder auch Zutatenliste. Lassen Sie uns hier doch einmal reinschnüffeln.

Jeder Hersteller muss auf seinem Etikett auflisten, welche Zutaten er für ein Futter verwendet. Und zwar in absteigender Reihenfolge des Gewichts. Damit das Studium der Futteretiketten für uns als Endverbraucher nicht langweilig wird, kann sich der Hersteller aber aussuchen, ob er die Zutaten einzeln nennt oder sie zu Zutatengruppen zusammenfasst. Das ist der feine und völlig legale Unterschied zwischen "Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen (mind. 4% Rind)" und "Rindfleisch". Hört sich im ersten Moment ganz ähnlich an. Qualitativ liegen dazwischen aber Welten.

Im zweiten Fall wissen Sie genau, welches Fleisch verwendet wird, nämlich Rindfleisch. Dagegen kann im ersten Fall neben Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen vom Rind jedes mögliche Fleisch oder tierische Nebenerzeugnis enthalten sein. Damit kann der Hersteller immer die Zutaten verarbeiten, die gerade günstig verfügbar sind, ohne die Deklaration ändern zu müssen. Sie wissen also bei Sammelbegriffen nie genau, was in dem Futter steckt. Und warum ihr Hund oder ihre Katze urplötzlich das Futter verweigert oder nicht mehr verträgt.

Wo wir gerade schon bei den tierischen Nebenerzeugnissen waren. Ich persönlich habe bis heute nicht verstanden, warum einige Tierbesitzer tierische Nebenerzeugnisse in der Fütterung kategorisch ablehnen. Mit Blick auf die natürlichen Ernährungsbedürfnisse unserer Hunde und Katzen gehören auch sie auf den Speiseplan. Es ist nur wichtig zu wissen, welche. Denn unter den Sammelbegriff "tierische Nebenerzeugnisse" fallen alle Teile des Schlachttieres, die nicht als Lebensmittel verwendet werden. Also Innereien, Hufe, Fell, Federn, usw. Während Innereien (z.B. Pansen, Lunge) definitiv einen ernährungsphysiologischen Wert haben, ist dies bei Hufen oder Federn eher nicht der Fall.

Wie Sie sehen, sollten Sie auch bei der Zutatenliste immer ganz genau hinschauen. Ein Futter, bei dem ich persönlich nicht genau erlesen kann, welche Zutaten verwendet werden, lasse ich im Regal stehen. Gleiches gilt, wenn ich in der Zutatenliste auf unverständliche Begriffe stoße oder auf trendige, exotische Zutaten, deren Mehrwert und ernährungsphysiologischer Nutzen sich mir nicht erschließt.

Tipps zur Zutatenliste

Wenn Sie das nächste Mal einen Blick auf die Zutatenliste bzw. Zusammensetzung Ihres Futters werfen, halten Sie doch folgende Punkte im Hinterkopf:

- Ein gutes Futter nennt jede verwendete Zutat einzeln und beim Namen. Es werden in der Zutatenliste keine Sammelbegriffe verwendet. So wissen Sie immer genau, was im Napf Ihres Lieblings landet.

- Achten Sie darauf, ob für das Futter Tiermehl oder Fleischmehl verwendet wird. Hühnermehl ist etwas ganz anderes als Hühnerfleischmehl!

- Es spricht überhaupt nichts gegen tierische Nebenerzeugnisse in einem ausgewogenen Futter. Voraussetzung ist allerdings, dass die tierischen Nebenerzeugnisse einen ernährungsphysiologischen Wert für unsere Vierbeiner haben (z.B. Pansen, Lunge).

- Bedenken Sie beim Kauf von Trockenfutter immer, dass sich der genannte Fleischanteil auf die Rohware bezieht. Auch wenn die rohen Futterzutaten zu 70% aus Fleisch bestehen mögen, heißt das noch lange nicht, dass die fertige Futterkrokette auch zu 70% aus Fleisch besteht. In Hundefutter ist gegen eine Ballaststoffquelle (z.B. Getreide, Reis, Kartoffeln) in kleiner Menge nichts einzuwenden. Es sollte jedoch nie mehr als eine Quelle sein. In Katzenfutter gehört sie jedoch nicht.

- Salz, Zucker, Hydrolysate, Hefeextrakte, usw. funktionieren wie Geschmacksverstärker. Sie gehören genauso wenig in Tierfutter wie Konservierungsstoffe, Antioxidantien, Füllstoffe, Farbstoffe, und so weiter. Egal ob künstlich oder natürlich.

Haben Sie Fragen zu meiner heutigen Kolumne? Oder zur Ernährung Ihres Tieres? Schreiben Sie mir an tiere@rp-digital.de, ich helfe Ihnen gerne weiter!

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