Eine Ranch im Wasserglas: Sensible Seepferdchen haben hohe Ansprüche

Eine Ranch im Wasserglas: Sensible Seepferdchen haben hohe Ansprüche

Starke Strömungen mögen die zarten Tiere genauso wenig wie raumgreifende Pflanzen. Wer Seepferdchen halten möchte, muss einiges beachten.

<p>Starke Strömungen mögen die zarten Tiere genauso wenig wie raumgreifende Pflanzen. Wer Seepferdchen halten möchte, muss einiges beachten.

Sie sind farbenfroh und mit ihrem kleinen, pferdeähnlichen Kopf ein Hingucker: Etwa hundert verschiedene Arten Seepferdchen gibt es. Weil die zu den Fischen gehörenden Tiere besonders hohe Ansprüche an die Wasserqualität stellen und ihre ganz eigenen Fressgewohnheiten haben, sollten sie aber nur von erfahrenen Aquarianern im Becken gehalten werden. Denn Seepferdchen zu halten sei oft sehr aufwendig, sagt Bernd Silbermann von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren.

„Zwergseepferdchen sollten in einem Becken gehalten werden, das mindestens 100 Liter fasst. Größere Arten brauchen dagegen Becken mit bis zu 250 Liter Volumen“, erläutert Silbermann. Nach oben gebe es keine Grenzen, ergänzt der Fachmann.

Auf die Ausstattung des Aquariums sollten die Halter besonders großen Wert legen, rät Silbermann. Am besten bestücken sie es abwechslungsreich mit Korallen und lebenden Steinen. Spezielle Algenarten bieten sich außerdem an, damit die Tiere etwas zum Festhalten haben. Stark wurzelnde Pflanzen gehören hingegen nicht in das Wasserbecken, weil sich die Seepferdchen daran verletzen könnten. Gleiches gilt für spitze Steine.

Für eine gute Wasserqualität seien hochwertige Filtergeräte nötig, erklärt Jan Wolter vom Bundesverband praktizierender Tierärzte. Seepferdchen seien sensible Tiere, die auf jede Veränderung empfindlich reagieren. Deshalb rät Wolter von zu kräftigen Pumpen ab, weil sie eine starke Wasserströmung produzieren. „Für Seepferdchen, die in der Natur in strömungsarmen Gewässern leben, wären das keine guten Lebensbedingungen.“

Die Pumpe muss so eingerichtet werden, dass sie möglichst wenig Strömung im Aquarium verursacht. Ein Eiweißabschäumer sorgt mit dafür, dass sich die Wasserqualität – zum Beispiel durch Futterreste und Ausscheidungen – nicht verschlechtert. Da die Seepferdchen fast nichts vom Boden fressen, werde das Aquarium besser mit Restevertilgern wie etwa Einsiedlerkrebsen, am Boden lebenden Grundeln und Schlangenseesternen bestückt, sagt Silbermann. Trotzdem müssten die Wasserwerte täglich kontrolliert werden, rät Wolter.

Seepferdchen sind anspruchsvolle Esser

Beim Futter seien Seepferdchen ebenfalls anspruchsvoll, sagt Martin Hansel, biologischer Leiter des Sealife Aquariums in Berlin. So ernähren sie sich zum Beispiel bevorzugt von lebenden Tieren wie kleinen Krebsen, Fischlarven und Garnelen. Auch Zooplankton macht sich gut auf ihrem Speiseplan. „Die Tiere sind im Wasser sehr langsam unterwegs. Deshalb glauben viele, dass ihnen andere Fische das Futter wegfressen“, sagt Silbermann. Das stimme allerdings nicht ganz. „Seepferdchen sind zwar sehr langsame Schwimmer, aber wenn es ums Futter geht, können sie schnell zuschnappen.“ Trotzdem sollten ihre Halter gerade bei kleineren Arten darauf achten, dass sie ausreichend Futter bekommen. „Wenn die Tiere bis zu anderthalb Stunden am Tag fressen können, sind sie satt – auch wenn sie mit anderen Fischen gemeinsam gehalten werden“, erläutert der Experte. Prinzipiell sollten Aquarianer, wenn sie die Seepferdchen gemeinsam mit anderen Tieren im Becken halten, deren jeweilige Fressgewohnheiten kennen und berücksichtigen, betont Hansel.

Damit sich Seepferdchen fortpflanzen können, muss man mindestens ein Männchen und ein Weibchen gemeinsam halten. Die Fortpflanzung selbst sei spannend zu beobachten, sagt Silbermann. „Die Weibchen legen die Eier in der Brusttasche am Bauch des Männchens ab. Dort werden sie vom Männchen besamt“, erklärt er den Ablauf. Danach beginnt das Ausbrüten der Eier. Je nach Art dauert es zwischen zehn und 14 Tagen. Zum Gebären zieht sich das Männchen zurück und entlässt den geschlüpften Nachwuchs aus der Brusttasche. Weil die Kleinen besonderes Futter brauchen, müssen Halter auf die Ankunft der Babyseepferdchen vorbereitet sein, sagt Hansel. Am liebsten fressen sie speziell dafür gezüchtetes Zooplankton.

Weil Seepferdchen unter Artenschutz stehen, ist es meldepflichtig, sie zu züchten und zu halten – das gilt für alle Arten. Aquarianer kommen deshalb nicht darum herum, ihren Bestand der zuständigen Naturschutzbehörde zu melden.

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