Gesundheit von Katzen Neue Corona-Variante tötet Katzen

Düsseldorf · Feline Coronaviren können für Katzen tödlich sein. In Zypern trat eine neue Variante auf, die stark ansteckend zu sein scheint. Mehrere tausend Tiere sind bereits an ihr gestorben. Für den Menschen stellen die Coronaviren bei Katzen bisher keine Gefahr dar.

 Die Coronavirus-Variante F-CoV-23 kann für Katzen gefährlich werden. Meist verläuft eine Infektion tödlich.

Die Coronavirus-Variante F-CoV-23 kann für Katzen gefährlich werden. Meist verläuft eine Infektion tödlich.

Foto: dpa/Patrick Pleul

In diesem Jahr kam es zu einem großen Ausbruch von Coronainfektionen bei Katzen in Zypern. Auf der Mittelmeerinsel starben mindestens 8000 Tiere an einer Erkrankung, die durch das Feline Coronavirus ausgelöst wurde. Tierschützer gehen sogar von mehr 300.000 Infektionen aus. Diese neue und ansteckende Corona-Variante, die Wissenschaftler mittlerweile F-CoV-23 nennen, ist nun auch erstmals bei einer Katze in Großbritannien nachgewiesen worden. Laut der Virologin Christine Tait-Burkard von der Universität Edinburgh soll die Variante eine Mischform eines Hunde- und eines Katzen-Coronavirus sein. Die Aufnahme von Teilen eines anderen Coronavirus ist nicht unüblich, hat aber in diesem Fall zu einer höheren Infektiosität geführt. „Coronaviren sind im Tierreich weit verbreitet“, weiß Dr. Thomas Steidl, Fachtierarzt für Kleintiere und Vorsitzender des Kleintierausschusses bei der Bundestierärztekammer. „Sie treten verstärkt bei Schweinen auf, auch Katzen tragen häufig bestimmte Formen von Coronaviren in sich.“ Für den Menschen stellen diese Coronaviren jedoch bislang keine Gefahr dar, das gilt nach aktuellem Kenntnisstand auch für die neue Variante F-CoV-23.

Experten zufolge infizieren sich bis zu 90 Prozent aller Katzen in ihrem Leben einmal mit dem sogenannten felinen Coronavirus. Der eigentlich harmlose Erreger setzt sich im Dünndarm fest und verursacht in der Regel zumeist mild verlaufende Verdauungsbeschwerden wie Erbrechen und Durchfall. Die Erkrankung verschwindet nach einigen Tagen wieder. Es kann jedoch vorkommen, dass das Virus nach der Infektion im Körper der Katze verbleibt und es zu Mutationen kommt. „Insbesondere wenn die Tiere großem Stress ausgesetzt sind oder ein geschwächtes Immunsystem haben, steigt die Gefahr, dass sich das Virus im Körper der Katze verändert“, erklärt der Fachtierarzt. „Diese Mutation kann eine feline infektiöse Peritonitis, kurz FIP, auslösen.“ Studien zufolge erkranken rund fünf bis zehn Prozent der Katzen, die das feline Coronavirus in sich tragen, an dieser gefährlichen Infektionskrankheit. Besonders häufig betroffen sind Katzen, die in Gruppenhaltung auf engem Raum gehalten werden und bei denen ein häufiger Wechsel stattfindet, wie beispielsweise im Tierheim oder in Katzenpensionen.

Die FIP-Erkrankung ist für Katzen äußerst gefährlich und verläuft tödlich. Sie betrifft den gesamten Organismus der Tiere und kann sowohl die inneren Organe als auch das Nervensystem angreifen. „Das Problem ist in diesem Fall, dass sich der Körper gegen das Virus wehrt und Antikörper bildet“, betont Dr. Thomas Steidl. „Die Krankheitserscheinungen bei FIP entstehen dadurch, dass sich die Antikörper mit den Antigenen, also den Viren, verbinden.“ Das ist bei Infektionskrankheiten eine normale Reaktion auf gefährliche Erreger. In dem Fall von FIP verursachen die Komplexe aus Antikörper und Antigen jedoch die Symptome. Die Krankheitserscheinungen sind abhängig davon, welche Organe hauptsächlich betroffen sind. Ziele der Infektion sind oftmals innere Organe wie Nieren, Leber oder Bauchspeicheldrüse, aber auch das zentrale Nervensystem oder die Augen. „Häufig tritt bei der felinen infektiösen Peritonitis eine Entzündung des Bauchfells auf, die medizinisch als Peritonitis bezeichnet wird und für den Namen der Krankheit verantwortlich ist“, erklärt der Fachtierarzt. „In vielen Fällen sammelt sich Wasser im Körper und das Tier bekommt einen dicken Bauch.“ Weitere mögliche Symptome sind Durchfall, Erbrechen, Atemnot oder neurologische Krankheitserscheinungen. Mit Antibiotika oder Kortison können Symptome behandelt und die Krankheit in seltenen Fällen kurzzeitig aufgehalten werden. Derzeit führt eine einmal ausgebrochene FIP-Erkrankung oftmals innerhalb weniger Tage zum Tod des Tieres.

Die Infektionskrankheit „Feline infektiöse Peritonitis“ selbst ist in der Regel nicht direkt von einem Tier auf das andere übertragbar. Bei den betroffenen Katzen erfolgt vielmehr eine Mutation des felinen Coronavirus. Dieses Virus wird von infizierten Tieren vorwiegend mit dem Kot ausgeschieden und kann von anderen Katzen aufgenommen werden. Wenn Tiere besonders häufig mit dem Virus in Kontakt kommen, steigt die Gefahr einer Mutation. Das ist ein Grund dafür, dass Katzen in Tierheimen, Katzenpensionen oder in Mehrkatzenhaushalten stärker gefährdet sind. Sie nehmen bei jeder Benutzung einer gemeinsamen Katzentoilette die Viren erneut auf, falls eine infizierte Katze in der Gruppe ist. Hilfreich ist es daher, die Katzenklos so sauber wie möglich zu halten und bestenfalls jedem Tier ein eigenes zur Verfügung zu stellen. So kann die ständige Virusaufnahme reduziert werden.

Eine Impfung gegen das feline Coronavirus gilt derzeit als umstritten. Sie ist nur bei ganz jungen Katzen möglich, die das feline Coronavirus noch nicht in sich tragen. „Da die Antikörper bei FIP jedoch das Problem darstellen und die Symptome auslösen, ist die Wirksamkeit fraglich“, betont Fachtierarzt Thomas Steidl. „Wichtig sei vielmehr, dem Tier ein stressfreies Leben zu bieten und so die Gefahr von Mutationen zu senken.“ Da Katzen von Natur aus eher Einzelgänger sind, sollte auf eine Mehrkatzenhaltung verzichtet werden. Ab welcher Anzahl bei Katzen Stress ausgelöst wird, hängt vom Einzelfall ab. Die Haltung von zwei Geschwistern, die sich von der Geburt an kennen, dürfte dem Experten zufolge vermutlich als angenehm empfunden werden. Probleme treten häufiger auf, wenn Katzen zu einem späteren Lebensalter vergesellschaftet werden. Auch dies muss im Einzelfall beurteilt werden.

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