Hundekostüme für Weihnachten: Das sagt ein Tierarzt dazu

Kleidung für Hunde in Modegeschäft: Warum Sie Ihrem Hund kein Kostüm anziehen sollten

Ein Hund im Strickpulli, Weihnachtskostüm oder Smoking? Bei H&M können Hundebesitzer ihre Tiere entsprechend ausstatten. Tierschützer warnen jedoch davor.

Braucht der Pudel einen Pulli? Beim Blick aus dem Fenster dürfte sich so mancher Hundebesitzer diese Frage stellen. Immerhin trägt der Mensch im Winter auch dicke Mäntel. Um so mehr könnte man das für eine gute Idee halten, da zumindest ein großes Modelabel mit Kleidung und sogar mit Kostümen für Hunde wirbt.

Auf Facebook dürfte dieser Tage so manchen Tierfreund eine solche Werbung in der Timeline erscheinen: Sie zeigt einen Mann im Winterpulli, auf seinem Schoss sitzt ein Mops - ebenfalls im weihnachtlichen Winterpulli, sogar mit Rollkragen. Daneben steht: „Lass den Alltagsstress mal kurz beiseite und denk über einen Partnerlook mit deinem Vierbeiner nach.“ Die Werbung ist von H&M. Wer anschließend auf die Webseite der großen Modekette geht, wird neben Winterpullis auch schnell Acrylkleidchen mit Bommeln, einen Smoking oder auch ein Bienenkostüm für Hunde finden. Der Preis liegt zwischen neun und rund 13 Euro.

Im Internet gibt es diverse Anbieter von Hundekostümen. Verwunderlich ist das nicht. Der Markt für Heimtierbedarf boomt, das zeigt der Jahresbericht des Industrieverbandes Heimtierbedarf. Lag der Umsatz für Bedarf und Zubehör in Deutschland 2010 noch bei 930 Millionen Euro, liegt er 2017 bei 987 Millionen Euro, Tendenz steigend. Nach Tierarten aufgeschlüsselt zeigt sich, dass das meiste Geld zwar für Katzen ausgegeben wird (198 Millionen Euro im Jahr 2017), der Hund kommt allerdings auf Platz zwei mit einem Jahresumsatz von 178 Millionen Euro für Bedarfsartikel (2017).

Eine Hundekleid aus Acryl mit Bommeln. Foto: Screenshot H&M

Darunter fällt auch Kleidung für Tiere. „Allerdings muss ich dringend von solcher Kleidung abraten, die nicht speziell für Hunde gemacht ist“, sagt Ralf Unna, Tierarzt und Präsident des Tierschutzbundes NRW. „Den Tieren wird schnell unwohl, weil es ihnen mit den Wollsachen in Wohnräumen und Kneipen zu heiß ist. Außerdem kann es sein, dass der Hund versucht, Bommel oder Glitzer abzureißen und zu fressen. Das kann richtig gefährlich werden.“

  • Gesunde Haustiere brauchen keinen Pulli

Geeignete Kleidung besteht aus besonders bissfestem Material. „Das sind zum Beispiel spezielle Bodys für frischoperierte Hunde. Sie sollen verhindern, dass die Tiere an der Narbe lecken oder knabbern“, sagt Unna. Außerdem gibt es Umhänge, die bei Rückenproblemen den Hund schonen und vor Nässe und Kälte schützen. „Die sind aber nur für den Kurzzeiteinsatz gedacht und unterscheiden sich stark in Preis und Wertigkeit. So ein Body kostet für einen mittelgroßen Hund rund 30 Euro“, sagt der Tierarzt.

H&M sieht allerdings keine Gefahr für die Tiere. „Unsere Kleidung für Hunde wird umfassend getestet. Darüber hinaus vertrauen wir unseren Kunden, dass sie verantwortungsbewusst mit ihren Hunden und unseren Accessoires für diese umgehen“, antwortet ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Um welche Tests es sich handelt, wird nicht erwähnt.

Richtig ist, dass kleinere, ältere und Hunde mit dünnem Fell (ohne Unterwolle) laut Experten tatsächlich einen Mantel im Winter brauchen. Allerdings sollte dieser nur beim Spaziergang im Freien getragen werden und nicht aus Wolle bestehen. Nässe lässt die Tiere besonders schnell frieren und wirkt sich negativ auf Alterserscheinungen wie Arthrose aus. Anstatt des modischen Wollpullis empfehlen Tierschützer auch hier den zweckorientierten, wasserdichten Hundemantel mit Klettverschlüssen aus dem Tierbedarfsgeschäft.

„Ganz abgesehen davon, dass man die Tiere mit dieser Kleidung lächerlich macht, haben wir in Deutschland auch die Pflicht zu ethischem Tierschutz“, sagt Unna. „Das bedeutet, man muss die Würde der Tiere schützen, um ihrer selbst willen.“

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