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Proteste von Tierschützern Türkei will nicht vermittelte Straßenhunde nach 30 Tagen einschläfern

Istanbul · In der Türkei gehören Straßenhunde vielerorts zum Stadtbild. Oft werden sie von Anwohnern gefüttert und erhalten Kosenamen, andere werden misshandelt oder sogar vergiftet. Die Regierung sorgt nun mit einem umstrittenen Vorhaben für Wirbel.

Ein Hund im Beykoz-Wald in der Türkei (Archivbild).

Ein Hund im Beykoz-Wald in der Türkei (Archivbild).

Foto: dpa/Christine-Felice Röhrs

Die Türkei will Medienberichten zufolge künftig Straßenhunde einschläfern, sollten diese nicht vermittelbar sein. Tierschützer und andere Nichtregierungsorganisationen schlugen am Donnerstag Alarm gegen das Vorhaben und riefen die islamisch-konservative Regierung dazu auf, den Entwurf zurückzunehmen. Die Population der Straßenhunde werde weder mit Töten noch Einsammeln reduziert, das habe die Vergangenheit gezeigt, sagte der Vorsitzende der Tierschutzorganisation Haytap, Ahmet Kemal Şenpolat, der Deutschen Presse-Agentur. Um das Problem zu lösen, müssten beispielsweise der Handel mit Hunden verboten und Tiere konsequent sterilisiert werden. Auch das Tierschutzzentrum der Istanbuler Anwaltskammer erklärte, die Tiere bezahlten mit dem Leben dafür, dass nicht ausreichend sterilisiert werde und die Behörden das Aussetzen von Tieren nicht bestraften. Man werde das nicht zulassen.

Dem Sender NTV zufolge sollen Tierheime die Hunde künftig einschläfern, wenn sie nach 30 Tagen nicht vermittelt werden können. Anschließend sollen demnach weitere Straßenhunde eingesammelt und ebenso für 30 Tage im Tierheim untergebracht werden. Der Sender berief sich auf Quellen innerhalb der Regierungspartei AKP. Demnach soll die Einschläferung „schmerzfrei“ mit einer Spritze erfolgen. Warum das Gesetz ausgerechnet jetzt auf den Weg gebracht werden soll, war zunächst unklar.

Der Haytap-Vorsitzende Şenpolat sagte, es sei nicht realistisch, tausende Tiere einzuschläfern. Wegen der hohen Kosten fürchte er, dass Hunde etwa erschossen oder begraben werden. „Um sich die Kosten zu ersparen, werden die Tiere lebend begraben, das findet ohnehin schon statt“, sagte er. Es komme schon jetzt vor, dass man Massengräber mit Knochen von Tieren finde.

In der Türkei gibt es Schätzungen von Haytap zufolge zwischen fünf und sieben Millionen Straßenhunde. Die Kapazität in Tierheimen schätzt die Organisation als „absolut unzureichend“ ein. Gerade in Urlaubsregionen werden Hunde in der Ferienzeit oft ausgesetzt.

Tierschützern zufolge lässt sich die Straßentierproblematik nachhaltig nur durch gezielte Kastrierung oder Sterilisation, Impfung und wieder Aussetzung in das Herkunftsgebiet lösen. Dennoch werden etwa in Rumänien auch gesunde Hunde eingeschläfert. Das Verfassungsgericht hatte dort 2013 ein Gesetz genehmigt, dass die Kommunen eingefangene Hunde lediglich 14 Tage lang in Tierheimen versorgen müssen und sie anschließend einschläfern dürfen.

(felt/dpa)
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