Hundesprech - das hat es damit auf sich

Tiertrainer erklärt im Video: Was es mit dem Hundesprech auf sich hat

Typische Fehler: Das können Hundehalter besser machen

„Ja, wo isser denn? Oh, du bist aber ein Braver!“ – Wenn wir mit Hunden sprechen, wirkt es oft, als könnten wir nicht richtig reden. Wir driften ab in Hundesprech. Warum das so ist und wie Hundehalter richtig mit ihrem Tier sprechen.

Begrüßen wir einen Hund, dann treten wir meist von vorne auf ihn zu, lassen ihn kurz an der Hand schnuppern und schon geht es los: Unsere Stimme rutscht unwillkürlich in eine quietschend hohe Stimmlage und wir werden übertrieben emotional. Baby-Talk ist angesagt.

Was wir da tun, bleibt nicht ohne Wirkung. Denn die meisten Hunde reagieren darauf ebenso aufgeregt wie wir selbst. Eine mögliche Erklärung dafür liefert die Mönchengladbacher Hundetrainerin und Verhaltensberaterin Nicole Wagner: Wir können uns dem Einfluss des niedlichen Hundegesichts nicht entziehen. „Es spricht unser Kindchenschema an“, sagt sie. Genau das könnte automatisch in uns ein Schutz- und Pflegeverhalten auslösen.

Wissenschaftler der City University of New York führen die Benutzung der Babysprache hingegen weniger auf das durch Verhaltensforscher Konrad Lorenz beschriebene Kindchenschema zurück. Ihrer Überzeugung nach können wir tatsächlich nicht anders, als in merkwürdigen Sprachsingsang zu verfallen. Denn wir wollen uns mit dem vierbeinigen Gegenüber, das realistisch betrachtet kein einziges unserer Worte versteht, verständigen. Sie beobachteten, dass die besondere Intonation die Bindung zwischen Hund und Mensch positiv beeinflussen kann. So wie wir bei Babys mit dieser Form der Ansprache Aufmerksamkeit erzeugen, klappe dies ebenfalls besonders gut bei Hundewelpen, so das Ergebnis der Untersuchung.

„Je höher die Stimmlage, desto besser reagiert der Hund“, sagt auch Wagner. Der Grund: Welpen und auch Beutetiere haben eine hohe Stimmfrequenz. Hunde sind quasi genetisch darauf programmiert, auf eine hohe Stimmlage anzuspringen. Schon früh lernen die Hunde meist, dass das Heben der Stimme für den Menschen etwas Positives zu bedeuten hat. Das kann laut Wagner hilfreich sein, wenn man die Aufmerksamkeit des Tieres erhöhen möchte, damit es beispielsweise etwas apportiert. Der Lerneffekt ist in einer solchen Stimmung besonders hoch.

Das bestätigt auch Thomas Kleinen-Bassy, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter der Euregio Tierakademie in Aachen. „Wenn wir Hundesprech benutzen, merkt der Hund, dass hier etwas Spannendes passiert.“ Das wirke besonders dann einladend, wenn er zudem belohnt werde.

Wer jedoch ständig aufgeregt und in hoher Stimmlage auf seinen Hund einredet, erreicht laut Kleinen-Bassy das Gegenteil: Der Hund resigniert. Im äußersten Fall könne das sogar so weit führen, dass das Tier völlig abstumpfe und vielleicht den Kontakt zu seinem quietschenden Herrchen meide.

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Wenn Hunde leicht erregbar sind, sollte man laut Wagner darauf achten, ruhig mit ihnen zu reden, um das Tier nicht noch weiter in Aufregung zu versetzen. Besonders bei solchen Tieren sind darum Quietschspielzeuge vollkommen kontraproduktiv, sagen die Experten. „Ein ohnehin gereizter Hund ist ja schon auf 180. Er dreht dann aber noch weiter auf“, sagt Kleinen-Bassy. Manchmal kommt es dann zu sogenannten Übersprungshandlungen. Der Vierbeiner beginnt damit, sich zu kratzen, guckt verwirrt in der Luft herum oder läuft im Kreis. In vollkommener Verkennung der Situation sieht sich mancher Hundehalter bei solch lustigem Verhalten dazu animiert, wie wild auf dem Quietschspielzeug herumzudrücken und die Situation weiter zu überspitzen.

Darin zeigt sich einer der häufigsten Fehler in der Kommunikation mit Tieren: „Wir sehen zu viele Parallelen zwischen Mensch und Hund“, sagt Kleinen-Bassy. Hunde werden vermenschlicht. Das führe oft zu Missverständnissen. Wenn Menschen sich beispielsweise Hunden nähern, tun sie das meist von vorne. „Das entspricht überhaupt nicht dem Verhalten von Hunden untereinander“, sagt Hundetrainerin Wagner. Hunde nähern sich einander immer von der Seite an und identifizieren sich durch die Duftdrüsen am After.

Ebenfalls typisch für Menschen bei der Kontaktaufnahme: Wir sehen uns in die Augen und nehmen Körperkontakt auf. „Bei Hunden gehört direkter Augenkontakt jedoch zum Drohverhalten“, sagt Wagner. Falsch gedeutet werde oftmals auch das Schwanzwedeln. Während Herrchen meint, „der freut sich“, sei es in Wirklichkeit lediglich Ausdruck für eine erhöhte Erregungslage.

Ginge es nach dem Hund, käme man auch prima mit wenigen Worten miteinander aus. Wie auch Wölfe verständigen sie sich vorrangig über die Körpersprache. Dazu zählen neben der Beinstellung die Körperhaltung – ist sie hoch oder tief – sowie die Mimik. Verhaltensforscher identifizierten beim Wolf über 60 verschiedene Mienen, die über Emotionen und Intentionen Auskunft geben. Beim Schäferhund seien es immerhin noch etwa 46 Signale. Entsprechend sind die Vierbeiner Meister im Deuten der menschlichen Mimik und Gestik. Das können sie sogar besser als Schimpansen, fanden Verhaltensforscher der Harvard-University heraus.

Wer also mit seinem Hund kommunizieren möchte, sollte das über verschiedene Körpersignale tun. Sprachliche Signale sollten kurz und immer gleich sein und nicht in einem Redeschwall untergehen. Wichtig ist, dass sie klar differenzierbar sind.

„Der Hund erlernt diese eher als Assoziationsverhalten und kann die Worte zuordnen, wenn ich sie verstärke“, sagt Kleinen-Bassy. Darum wichtig: Immer das gleiche Wort für das gleiche Signal verwenden.

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