Grauer Star beim Hund: Nur Linsen-OP bringt Heilung

Grauer Star bei Hunden: Nur Linsen-OP bringt Heilung

Zuerst erkennt er sein Spielzeug nicht mehr, dann findet er sich nicht mehr zurecht: Hunde kann der Graue Star ebenso wie Menschen treffen.

<p>Zuerst erkennt er sein Spielzeug nicht mehr, dann findet er sich nicht mehr zurecht: Hunde kann der Graue Star ebenso wie Menschen treffen.

Als Jagdterrier Pablo beim Apportieren zunehmend unsicherer wurde und das Stöckchen irgendwann überhaupt nicht mehr fand, wusste sein Besitzer, dass etwas nicht stimmte. Schnell war klar, dass es etwas mit den Augen sein muss. Aber was? Beim genaueren Hinsehen entdeckte er, dass ein milchiger Schleier über Pablos Linsen lag. Besorgt brachte er ihn zum Tierarzt, der eine Augenkrankheit diagnostizierte, die bei Hund wie Mensch relativ häufig ist: Grauer Star.

Die Erkrankung, die fachsprachlich als Katarakt bezeichnet wird, tritt meist aufgrund einer genetischen Veranlagung auf - wobei einige Rassen wie Golden Retriever oder Afghanen häufiger betroffen sind als andere. Sie kann aber auch altersbedingt sein oder durch Faktoren wie eine Augenerkrankung oder -verletzung ausgelöst werden. "Grob gesagt handelt es sich um eine Eintrübung der Augenlinse. Sie lässt das glasklare Organ weiß oder grau aussehen und beeinträchtigt es in seiner Funktion", erklärt Ingrid Allgoewer, Mitglied des European College of Veterinary Ophthalmologists.

Aufgabe der Linse ist es, das einfallende Licht zu brechen, so dass ein scharfes Bild auf der Netzhaut entstehen kann. Ist das nicht möglich, weil die Linse wie beim Grauen Star weniger lichtdurchlässig wird, wirkt sich das negativ auf das Sehvermögen aus. "Ein Hund, der an grauem Star erkrankt, sieht schlechter und kann im schlimmsten Fall sogar erblinden", sagt Allgoewer.

Abhängig ist das vom individuellen Krankheitsbild: Katarakt kann sowohl ein- als auch beidseitig auftreten und entweder die ganze Linse oder nur einzelne Bereiche betreffen. Außerdem kann die Eintrübung unterschiedlich stark sein. "Man unterscheidet verschiedene Entwicklungsstadien: Das Anfangsstadium, in dem sich leichte partielle Eintrübungen zeigen, das fortgeschrittene, in dem die Trübung deutlicher wird und sich ausweitet und das reife, in dem die Linse komplett eingetrübt ist", erklärt Christine Gabel, Mitglied der Fortbildungsgemeinschaft Veterinärophthalmologie.

Grauer Star entwickelt sich meist schleichend

Es gibt Fälle, in denen sich Grauer Star innerhalb weniger Wochen voll ausprägt. In aller Regel entwickelt er sich aber eher schleichend über Monate oder Jahre hinweg. "Solange nur einzelne Linsenpunkte betroffen sind, kann der Hund das noch ausgleichen und sieht weitgehend normal. Mit dem Fortschreiten der Eintrübung wird die Sicht dann immer verschwommener und schemenhafter, bis das Tier irgendwann kaum noch sehfähig ist oder sogar erblindet", erläutert Allgoewer.

Da Hunde stark auf ihren Gesichtssinn angewiesen sind, um sich zu orientieren und mit ihren Artgenossen zu kommunizieren, trifft eine Sehbehinderung sie ähnlich empfindlich wie uns. "Sie lässt sie unsicher werden und schränkt ihre Lebensqualität ein, weil sie etwa nicht mehr wie zuvor mit anderen Vierbeinern umhertollen und spielen können", erklärt Gabel. Außerdem müssten sie in fremdem Terrain ständig an der Leine bleiben, da sie sich sonst verletzen könnten.
Wie sehr gerade aktive Hunde unter diesen Einbußen leiden, ist nicht zu unterschätzen, einige werden sogar depressiv.

Und der Graue Star setzt den Tieren nicht nur psychisch zu, sondern kann auch ernste Folgeerkrankungen nach sich ziehen: "Wenn er das Reifestadium erreicht hat, kann sich das Linsengewebe verflüssigen, wodurch es zu schweren Entzündungen, Augen-Überdruck und einer Loslösung der Linse kommen kann", erläutert Willy Neumann. Der Leiter der Augenklinik Hochmoor für Pferde und Kleintiere in Gescher-Hochmoor rät Hundehaltern dazu, bei Katarakt-Verdachtsfällen schnell zu handeln: "Sobald Linseneintrübungen sichtbar werden oder der Hund Anzeichen einer Sehbehinderung zeigt, sollte er von einem Fachtierarzt für Augenheilkunde untersucht werden."

Dieser kann die Tieraugen durch eine sogenannte Spaltlampenuntersuchung, bei der er die Linse in 10- bis 15-facher Vergrößerung betrachtet, auf Grauen Star überprüfen. Zeigt sich, dass das Tier tatsächlich an der Krankheit leidet, kennt die Medizin bis dato nur eine wirksame Behandlungsmöglichkeit: "Es gibt leider keine Medikamente, die die Linseneintrübung effektiv aufhellen oder auflösen können. Das Einzige, das nachweislich etwas bringt, ist eine Operation", erklärt Allgoewer.

OP gründlich abwägen

Der Eingriff, bei dem die trübe Linse per Ultraschall zertrümmert und aus ihrer Kapsel gesaugt und dann teils durch eine Tier-Kunstlinse ersetzt wird, kann die Sehkraft wiederherstellen. Wichtig ist, dass er von einem Fachmann vorgenommen wird, der eine sorgfältige Diagnose erstellt und genau prüft, ob Gegenanzeigen bestehen. "Es sollte zum Beispiel nicht operiert werden, wenn akut andere Augenerkrankungen bestehen. Und wenn die Untersuchung zeigt, dass die Netzhaut nicht mehr funktioniert, ist eine OP generell sinnlos, da sie das Sehvermögen nicht verbessert", erklärt Neumann.

Nach der OP muss konsequent Nachsorge betrieben werden, damit das operierte Auge gut ausheilt. Wichtig ist zum Beispiel, dass der Hund Augentropfen verabreicht bekommt, um Entzündungen vorzubeugen oder dass er in den ersten Wochen einen Halskragen trägt und an der Leine geführt wird, damit er sich nicht verletzen kann. Treten Komplikationen auf wie Trübung, Rötung oder Sekretfluss sollte der Halter sein Tier außerdem sofort zum Arzt bringen, rät Gabel.

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