Forscher widersprechen Wolfsgegnern: Wölfe und Hunde mischen sich nicht

Forscher widersprechen Wolfsgegnern : „Wölfe und Hunde mischen sich normalerweise nicht“

Immer wieder kommt das Gerücht auf, dass Wölfe und Hunde sich paaren und somit Hybridpopulationen aufkommen. Ein Experte erklärt, warum das nicht zutrifft und weshalb die Behauptung immer wieder aufkeimt.

Wölfe und Hunde in Deutschland paaren sich praktisch nicht. „Wir haben keine Hybridpopulation in Deutschland“, sagte der Leiter des Genetischen Referenzzentrums der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung, Carsten Nowak, am Dienstag in Frankfurt am Main. Die Behauptung von „Pseudowissenschaftlern“, in Deutschland gebe es viele Mischtiere, sei „hanebüchener Unsinn“.

Seit dem Jahr 2000, als erstmals seit 150 Jahren wieder wildlebende Wölfe in Deutschland geboren wurden, seien lediglich zwei Fälle nachgewiesen, bei denen eine Wölfin Welpen von einem Hund bekommen habe, erklärte Nowak. In diesen Fällen, 2003 in Sachsen und 2017 in Thüringen, habe eine Wölfin ein Territorium neu besiedelt und keinen Wolf gefunden. Ansonsten würden Hunde von Wölfen verjagt oder getötet. Derzeit lebe vermutlich nur noch ein einziges Mischtier in Thüringen. Seit 2000 seien insgesamt 278 Würfe von Wölfinnen in Deutschland nachgewiesen worden, ergänzte Nowak.

Wolfsgegner hätten ein Interesse an der Mär von Mischtieren, erklärte der Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft, Volker Mosbrugger. Während Wölfe unter Naturschutz stünden, könnten Hybride bejagt werden. Menschen drohten allerdings weit mehr Gefahren durch Hunde als durch Wölfe. In den vergangenen 40 Jahren seien durchschnittlich zwei bis sechs Menschen pro Jahr von Hunden totgebissen worden. 2017 habe es allein in Berlin fast 600 Angriffe durch Hunde gegeben.

Nach Auskunft der Senckenberg-Forscher des „Nationalen Referenzzentrums für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf“ gibt es derzeit 73 Wolfsfamilien (Rudel), 31 Paare und drei Einzeltiere in Deutschland. Sie leben vor allem im östlichen Sachsen, südlichen Brandenburg und östlichen Niedersachsen. Sie stammen vor allem von Wölfen im nordostpolnischen Masuren ab. Wölfe ernährten sich vor allem von Wild, erklärten die Forscher. Gerissene Nutztiere, zumeist Schafe, machten nur ein Prozent ihrer Beute aus.

(felt/epd)
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