Der Hundeführerschein: Ein Zertifikat für Hundehalter

Hundeführerschein: Die Lizenz zum Gassi gehen

Noch ist der Hundeführerschein meist eine freiwillige Sache. Der Halter kann damit beweisen, dass er seinen Hund im Alltag unter Kontrolle hat – auch ohne Leine.

Wer Auto fährt, braucht einen Führerschein. Wer einen Hund hält, der kann einen sogenannten Hundeführerschein machen, angeboten von Hundeschulen oder Tierverbänden. Der Nachweis bringt Vorteile, aber es gibt auch Dinge zu beachten. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten für Hundehalter:

Was ist der Hundeführerschein eigentlich? Der Hundeführerschein ist ein Zertifikat für Hundehalter. Wer die Prüfung ablegt, muss einen theoretischen und einen praktischen Teil bestehen. Im Theorie-Teil geht es um Fragen des Umgangs mit dem Hund, seine artgerechte Haltung, aber auch gesetzliche Vorschriften. Im Praxis-Teil beobachten die Prüfer Hund und Halter in typischen Alltagssituationen – im Café, wenn der Hund unterm Tisch liegt und der Kellner kommt, oder beim Spaziergang ohne Leine im Park, wenn eine Person mit ungewöhnlichem Bewegungsmuster, etwa mit einem Rollator, vorbeikommt.

Wo kann man den Test machen? Der Hundeführerschein wird von Prüfern abgenommen, die Verbänden wie dem Internationalen Berufsverband der Hundetrainer und Hundeunternehmer (IBH), dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) und dem Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) angehören. Die Kosten variieren und liegen meist um die 100 Euro. „Unsere Hundeführerscheinprüfung kostet maximal insgesamt 105 Euro“, sagt Ausbildungsratsvorsitzende Ariane Ullrich vom BHV.

Ist der Nachweis Pflicht? In Nordrhein-Westfalen ist ein Sachkundenachweis nur bei großen Hunden verpflichtend, also bei Tieren mit einer Höhe von 40 Zentimetern oder einem Gewicht ab 20 Kilogramm. Dieser Nachweis wird oft Hundeführerschein genannt. Die zuständigen Behörden erkennen aber nicht die Hundeführerscheine aller Verbände an. Sachkundenachweis und der Hundeführerschein sind also nicht dasselbe, manchmal aber gleichwertig.

Wie ist es in anderen Bundesländern? Deutschlandweit gibt es Forderungen nach ähnlichen verbindlichen Nachweisen für alle Hundehalter. Für gelistete Hundearten, die als gefährlich angesehen werden, sind Nachweise oft schon Pflicht.

In Berlin gelten seit 2019 verschärfte Regeln für alle Hunde: Halter, die ihre Tiere auch abseits von Hundeauslaufgebieten freien Lauf bieten wollen, brauchen seit Beginn des Jahres einen Sachkundenachweis, wenn sie ihren Hund erst nach dem 22. Juli 2016 angeschafft haben.

Nur mit „Lappen“ dürfen sie ihre Hunde dann auf unbelebten Straßen und Plätzen sowie Brachflächen von der Leine lassen.

Bringt ein Hundeführerschein weitere Vorteile? Die Halter erfahren nicht nur, ob sie ihren Hund unter Kontrolle haben. Es gibt auch einen finanziellen Anreiz: Vielerorts, zum Beispiel in München, können Hundehalter nach Erlangen eines Hundeführerscheins eine Befreiung von der Hundesteuer beantragen. In vielen anderen Städten und Gemeinden wird sie zumindest gesenkt.

Was muss der Halter für die Prüfung können? Beim BHV sind 40 Fragen aus allen Themenbereichen zu beantworten. Um zu bestehen, muss der Halter mindestens 80 Prozent der Punkte erreichen. Die theoretische Sachkundeprüfung in Niedersachsen sieht einen Test mit 35 Fragen vor. Die Themenbereiche umfassen Erziehung, Ausbildung, Angst und Aggression, Haltung, Pflege, Gesundheit, Zucht, Fortpflanzung, Rasse, Kommunikation sowie einschlägiges Recht.

Und was muss der Halter praktisch können? „Er muss seinen Hund so unter Kontrolle haben, dass man ihn in der Öffentlichkeit auch ohne Leine laufen lassen kann“, sagt Katja Krauß, Hundetrainerin und anerkannte Sachverständige in Berlin. Bei der Prüfung gehe es um die Alltagstauglichkeit des Hundes. Viele Situationen werden durchgespielt. Der Halter soll den Hund so im Griff haben, dass er nicht auf zwei Beinen an Passanten hochspringt – auch wenn dies ein Zeichen der Freude sein könne.

(dpa)
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