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Zigarren-Börek mit Zitronen-Avocado-Füllung und Joghurt-Semifreddo mit Lemon Curd

Kolumne „Kleiner Gruß aus der Küche“ : Zitronige Klammer fürs nächste Dinner

Eine Vor- und eine Nachspeise mit säuerlichem Kick rahmen die nächste Hauptspeise ein, die Sie ganz groß rausbringen wollen: Zigarren-Börek mit Zitronen-Avocado-Füllung und Joghurt-Semifreddo mit Lemon Curd.

Die Jahreszeiten haben einen irren Einfluss auf die Art, wie wir essen. Wenn es im Sommer heiß ist, kann es für die meisten Menschen gar nicht leicht genug werden – Salat, Gemüse, Fisch! Im Winter dagegen ist die Zeit für schwere Schmorgerichte, heiße Suppen, erdige Noten.

Aktuell befinden wir uns ja emotional und wettertechnisch in so einer Zwischenwelt: Es ist nicht mehr so richtig Winter (war es das je?), es kann aber durchaus noch mal kräftig schneien – Frühling ist es jedenfalls noch nicht. Oder? Mein Vorschlag wäre, die Knospen an den Bäumen einfach herbeizukochen: Tun Sie so, als sei es schon Ostern. Zum Beispiel mit den folgenden Speisen, die ich neulich vor und nach einer Portion Spaghetti mit Schokoladensoße, Feta-Croutons und gegrillten Kirschtomaten servierte – Sie erinnern sich vielleicht (hoffentlich nicht nur mit Schrecken).

Alles fing im November an. Ich hatte getan, was jemand wie ich niemals tun sollte: Ich war bei einem Besuch in Stuttgart der Versuchung erlegen, Feinkost Böhm aufzusuchen. Falls Sie noch nie da waren: Es ist ein bisschen wie Zurheide, nur kleiner, dafür erlesener (und teurer). Im Einkaufskorb landeten neben anderen Impulskäufen auch zwei Gläser: eins mit Ingwer-Zitronen-Confit der Marke Le Coq Noir (3,30 Euro pro 100 Gramm), eins mit Lemon Curd von Wilkin & Sons (1,60 Euro pro 100 Gramm).

Wohin nun mit so viel Zitronigkeit? Erst mal auf ein Stück Toast. Das ingwerige Confit war recht ausgewogen, die Zitronencreme für meinen Geschmack etwas zu süß.

Wieso ich fand, man müsse das Confit mit Avocado in Teig wickeln und frittieren, ist mir ehrlich gesagt jetzt nicht mehr so klar. Eigentlich mag ich Avocado vor allem mit süß-scharfen Soßen. Ich bin allerdings schon länger besessen von Sigara böregi, Zigarren-Böreks, so benannt wegen ihrer länglichen Form. Normalerweise wickelt man Schafskäse hinein, aber Schafskäse-Böreks wecken in mir üble Erinnerungen ans Schlangestehen vorm Schulkiosk, das aus irgendwelchen Gründen türkische Backwaren verkaufte.

Falls Sie das Ganze nachmachen wollen: Sie brauchen Avocados, die reif genug sind, um zu schmecken, aber hart genug, dass man sie in etwa fingerdicke Stücke schneiden kann. Und Sie brauchen Yufka-Teigblätter, die Sie im nächsten türkischen oder arabischen Laden kaufen können. Die Dinger sind der Teufel, wenn man sie aus der Packung fummelt: bröselig ohne Ende. Handhabbar werden sie erst, wenn man sie mit Wasser bestreicht und ein paar Minuten in Ruhe lässt. Streichen Sie mit einem Buttermesser nicht zu viel Zitronenconfit auf die Avocado und wickeln sie das Ganze zu einer Zigarrenform auf. Sie können die Böreks einfrieren, bis Sie sie in der Pfanne oder Friteuse goldbraun braten. Danach sollte man sie recht bald essen. Bei mir gab es dazu einen Pflaumenketchup mit viel braunem Zucker.

Zurück zum Lemon Curd: Im Grunde handelt es sich ja um eine Art Eierpudding. Ich habe aber mal eine vegane Variante gemacht, die im Prinzip nur eine Zitronensoße mit sehr viel Stärke war – und erstaunlicherweise echt gut schmeckte. Jedenfalls: Zu süßen Speisen kann man durch das Absenken der Temperatur beikommen. Ich tat das, indem ich das (seinerseits leicht erwärmte) Curd über ein Joghurt-Semifreddo goss. Das Rezept stammt aus dem Blog „Gourmande in the kitchen“: Eiweiß mit Zucker über heißem Wasserbad aufschlagen, dann steif schlagen, Joghurt unterziehen und einfrieren. Dieses Halbgefrorene wäre in seiner ganzen Joghurt-Säuerlichkeit ein schöner Kontrast zu jeglicher guter Marmelade oder einer Milchschokoladensoße.

Draußen kann es gerne noch mal schneien. Aber drinnen sollte Frühling sein – wenigstens auf Ihrem Teller.

Kulinarik-Kolumne Unsere Autorin schreibt jede Woche übers Einkaufen, Kochen und Genießen in Düsseldorf. Anregungen bitte an ­helene.pawlitzki@rheinische-post.de.