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Umstrittener Trend: Schwarze Lebensmittel mit Kohle

Lebensmittel mit Aktivkohle : Essen für Schwarzseher

Schwarze Lebensmittel liegen im Trend – vor allem im sozialen Netzwerk Instagram. Aktivkohle soll gesund sein, kann aber negative Folgen haben, wie Experten warnen.

Die „Mafia“-Pizza ist so pechschwarz wie das Eis oder die Burgerbrötchen und Croissants, die so aussehen, als hätten sie zu lange im Ofen gelegen. Schwarz statt Grün sind neuerdings auch Obst- und Gemüsesäfte. Diese „Black Smoothies“ sollen den Körper entgiften und bei Kater sowie Jetlag erste Hilfe bieten. Black Detox – also ein Wundertrank? Eher nicht. Da sie meist mit Aktivkohle zubereitet werden, sei das bedenklich, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Wer zu viel davon zu sich nimmt, riskiere Mangelerscheinungen.

Geschmacklich gibt es zwar zwischen schwarzen und ungefärbten Varianten keinen Unterschied, doch die Kohle hat es in sich. Sie ist in der Europäischen Union (EU) als Lebensmittelfarbstoff beispielsweise in Lakritz, Marmeladen oder Fruchtsaftkonzentraten unter der Kennzeichnung E 153 zugelassen, doch verbreitet ist sie bisher eher in der Medizin. Die bekannteste Form ist die Kohletablette, die bei Magen-Darm-Erkrankungen helfen soll. Denn das aus natürlichen Rohstoffen wie Linden- oder Kiefernholz gewonnene Material (überwiegend poröser, feinkörniger Kohlenstoff) wirkt wie ein Schwamm, zieht jedoch nicht nur Gifte oder Bakterien magnetisch an.

„Die Kohle bindet sowohl Arzneimittel als auch sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe“, sagt Professor Matthias Melzig vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin. Dieses große Saugpotenzial kann sich für Patienten, die regelmäßig Medikamente schlucken und gleichzeitig schwarze Smoothies trinken, nachteilig auswirken. Auch die Wirkung von Medikamenten wie die Antibabypille kann beeinträchtigt werden, und in hoher Dosis kann es zu Verstopfung kommen“, heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung. Aktivkohle könne eben nicht unterscheiden, sagen Ernährungsexperten wie Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW.

Manche Hersteller verwenden zum Einfärben von Nudeln auch Sepia-Tintenfischtinte. Bei Allergien gegen Fisch ist Vorsicht geboten – denn die schwarzen Lebensmittel können zu Reaktionen führen. Am besten immer erst auf die Zutatenliste schauen.

Keine Frage: Ein Black Burger oder ein kohlrabenschwarzes Eis im Hörnchen sind ein Hingucker. Wer sie ab und an probiert, muss sich nicht sorgen. Alle, die schwarzes Essen nur aus optischen Gründen anrichten möchten, können ja auch aus natürlichen Produkten wählen: Ein schwarzer Smoothie gelingt ganz ohne Aktivkohle mit Obst und Gemüse, deren Farbe auf sekundäre Pflanzenstoffe (Anthocyane) zurückzuführen ist. Dafür sind schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, blaue Trauben, Blaukraut und Rote Beete gut geeignet. Das pürierte Obst und Gemüse wird mit Wasser verdünnt und etwas Öl, Ingwer, Muskat und einer Prise Salz abgeschmeckt. Oder man probiert schwarzen Reis, schwarze Bohnen, Bitterschokolade oder Kaviar. Es gibt sogar richtig gesunde wie:

Belugalinsen Sie verdanken ihren Namen dem gleichnamigen teuersten Kaviar. Sie liefern viel Eiweiß, Magnesium, Kalium, Eisen, Kohlenhydrate und B-Vitamine – letztere stärken Nerven und Gehirn. Mit nur 1,4 Gramm Fett pro 100 Gramm schwarzer Hülsenfrüchte muss man sich keine Sorgen um seine Linie machen. Wer an Bluthochdruck leidet und sich kochsalzarm ernähren muss, kann sie unbesorgt verwenden, sie enthalten nur wenig Natrium.

Schwarzer Knoblauch Eigentlich handelt es sich bei diesem so genannten Superfood um normalen Knoblauch, allerdings wurde der auf natürliche Weise fermentiert. Für die Färbung sorgen sogenannte Melanoidine, gelbbraune, stickstoffhaltige organische Verbindungen, die bei der Fermentierung durch die im Knoblauch enthaltenen Aminosäuren und Zucker erzeugt werden. Anders als seine Ursprungsvariante sorgt schwarzer Knofi nicht für Mundgeruch und schützt dennoch dank des Inhaltsstoffs Allicin auch gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Aroniabeeren Ein echter Geheimtipp unter den kleinen Früchten sind die Aroniabeeren (auch bekannt als Apfelbeeren). Sie warten mit wichtigen Mineralien – darunter Zink, Eisen, Kalzium Magnesium – auf und versorgen denn Körper zusätzlich mit den Vitaminen A, B, C, E und K. Die enthaltenen Polyphenole (also sekundäre Pflanzenstoffe) haben zudem eine antioxidative Wirkung, was Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes, Arthrose und Rheuma vorbeugen kann.

Schwarzer Sesam Beim schwarzen Sesam handelt es sich um die Urform des heutigen Sesams, der schon vor Christus als Heilmittel eingesetzt wurde. Er enthält viel Kalzium, was gut ist für kräftige Knochen und Gelenke sowie gesunde Zähne. Kraftsportler können mit dem Sesam ihren Muskelaufbau vorantreiben, er liefert reichlich Eiweiß. Außerdem unterstützt schwarzer Sesam das Immunsystem und die Verdauung und fördert die Konzentration.

Tapenade mit Oliven und Bohnen

Zutaten (für 6 Personen als Snack), 1 Dose (400g) schwarze Bohnen (abgespült und abgetropft), 120 g entsteinte schwarze Oliven, 4 eingelegte Sardellenfilets oder El gesalzene Kapern, 1 große Knoblauchzehe, 1 El Zitronensaft, 1 Tl getrockneter Thymian, Oregano oder Rosmarin, Meersalz und schwarzer Pfeffer

Zubereitung Alle Zutaten in den Mixer geben. Mit reichlich Pfeffer würzen und zu einer fast glatten Paste verarbeiten. Falls die Tapenade zu fest wird, ein paar Esslöffel Wasser einarbeiten. Mit ein wenig Salz abschmecken. In eine Schale füllen, mit Olivenöl beträufeln und mit Chiliflocken oder Pfeffer bestreuen und mit Fladenbrot servieren.

Das Rezept stammt aus „Eat Happy – meine schnellen Wohlfühl-Rezepte“, Melissa Hemsley, ZS-Verlag).