Street Food: Eine Reise um die Welt

Schnelles, aber hochwertige Essen : Eine Reise um die Welt mit Street Food

In San Francisco, New York, London oder Paris gehört Street Food längst zum kulinarischen Alltag. Jetzt startet das schnelle, aber hochwertige Essen für unterwegs auch in Köln und Düsseldorf durch.

Sie sehen aus wie ein Halbmond oder wie ein umgedrehtes Lächeln: Cornish Pastys - gesprochen Paastis - sind warme, deftig gefüllte Teigtaschen, die so nahrhaft sind, dass sie schon vor rund 200 Jahren den Arbeitern unter Tage in der südenglischen Grafschaft Cornwall als Mahlzeit für den ganzen Tag dienten. Damals wurden das Pastys von ihren Frauen gebacken, mit einem kräftigen Teigrand. Heute variieren die Füllungen zwischen traditionellen Mischungen aus Lamm und Minze oder Kartoffeln, Steckrüben, Zwiebeln und Rindfleisch sowie vegetarischen und veganen Sorten. Der Brite Daniel Geal importiert die 300 Gramm schweren Teigtaschen, die als Marke streng geschützt sind und nur in Cornwall gebacken werden dürfen, aus seiner Heimat. In Köln betreibt der 38-Jährige zusammen mit seinem Geschäftspartner Paul Embleton (49) "The Tasty Pasty Company".

Cornish Pastys gehören zu den ältesten Street-Food-Produkten aus Europa. Vor 200 Jahren hätte sie noch niemand so genannt, doch inzwischen gibt es sie längst nicht mehr nur in Cornwall unter Tage, sondern in Food Trucks und an Marktständen in vielen Metropolen der Welt. "Street Food sind Speisen, die man schnell und bequem unterwegs essen kann, die aber qualitativ hochwertig sind", sagt Daniel Geal - also weit mehr als Burger oder Hotdogs. Traditionell isst man die Snacks im Stehen oder Gehen, serviert werden sie auf die Hand in Pappschachteln oder Papiertüten.

Ursprünglich kommt der Trend aus Asien, wo Kochen im Freien eine lange Tradition hat. Thailand, Indien, China oder Vietnam sind berühmt für ihre Garküchen, aber auch die USA, die Staaten Südamerikas, Marokko, Tunesien. In San Francisco, New York, London oder Paris gehört Street Food längst zum kulinarischen Alltag. Die deutsche Street-Food-Hauptstadt ist Berlin. Die Markthalle Neun in Kreuzberg war der Beginn, inzwischen gibt es bundesweit Street-Food-Festivals oder den Street-Food-Donnerstag.

In Köln haben Vincent Schmidt (29), Mathes Robel (30) und Till Riekenbrauk (29) im vergangenen September das erste Street Food Festival organisiert, es folgten Düsseldorf und in diesem Frühjahr erstmals Duisburg. In jeder der drei Städte stellen 30 bis 40 Aussteller ihre Kreationen vor. Die Besucher haben die Wahl zwischen Tacos, Pierogi aus Osteuropa oder in Cidre eingelegtem Rindfleisch und vielem mehr aus Wok, Pfanne und Backofen. "Das Bewusstsein der Menschen für gute Qualität beim Essen ist gestiegen", sagt Schmidt. Street Food ist bis zu einem gewissen Grad Fast Food, aber nachhaltiges und abwechslungsreiches Essen, bei dem der Kunde zusehen kann, dass es aus frischen Zutaten zubereitet wird und das sich zudem mit dem Gedanken der Mobilität verbinden lässt. "Street Food ermöglicht eine kulinarische Weltreise", sagt Schmidt. Bei den Festivals wird geschlemmt, sie sind ein Flohmarkt ohne Klamottenstände, eine Reduktion auf Imbisswagen, Grills und Backstände. "Alles wird frisch vor den Augen zubereitet, vieles ist ungewöhnlich lecker, gesund, vielfältig, international", sagt die Hamburger Street-Food-Expertin und Kochbuchautorin Anne-Katrin Weber. Man kann bei vielen Anbietern auf den Festivals halbe Portionen bestellen, um Verschiedenes probieren zu können.

Längst ist Street Food nicht mehr nur herzhaft, sondern auch süß, wie etwa die frittierten Schokoriegel nach amerikanischer Art des Food Trucks "Der kleine Munchkin" zeigen. Schmidt ist überzeugt davon, dass es sich bei Street Food um einen langanhaltenden Trend handelt. "Es kommt ständig etwas Neues hinzu, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt."

Gutes und authentisches Straßenessen ist laut Weber nicht unbedingt das selbe. "Gutes Street Food kann auch fantasievoll oder innovativ sein, es muss nicht authentisch und nah an einem Original sein", sagt die Köchin, deren neues Buch "Street Food - Deftig Vegetarisch" (Becker Joest Volk Verlag, 29,95 Euro) im März auf den Markt kommt. Es bietet Street Food für Zuhause: Cottage-Cheese-Möhren-Wraps, gerösteter Blumenkohl mit Granatapfel, Walnuss-Baklava, Kürbis-Maronen-Tajine, Thai-Auberginen-Curry, Briouats, Grüne Pistazienfalafel, Zucchini-Kofta. "Man kann die verführerischen Gerüche, die Erinnerungen an Reisen mit Freunden teilen", sagt Weber. "Street-Food-Rezepte sind eben manchmal auch sowas wie emotionale Souvenirs, und die mag man eben auch Zuhause."

Auch bei Street Food sollen die Produkte möglichst "grün" sein im Sinne von gesund und fair gehandelt. Als Kontrast gibt es üppige Burger mit Fleisch oder Fisch. Aber auch hier stammt das Fleisch aus artgerechter Haltung, man kennt den Hof, die Soßen sind hausgemacht und die Brötchen kommen nicht aus der Tüte, sondern sind selbst gebacken. "Der Qualitätsanspruch ist hoch, die Leute wollen auch hier ein gutes Gefühl beim Essen haben", sagt Weber. Zudem sei Street Food etwas sehr Soziales: "Man trifft sich auf den Märkten, sitzt zusammen an Tischen, kommt ins Gespräch", erklärt Weber. "Das Essen ist im Verhältnis zum Restaurantbesuch günstig, also für jeden erschwinglich, es hat nichts Elitäres, schreckt niemanden ab und ist daher basisdemokratisch."

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