So isst die Generation Z Hauptsache lecker und fotogen

Die Generation Z legt Wert auf eine gesunde Lebensweise und kann sich ein Leben ohne Smartphone nicht vorstellt. Sie tickt in vielerlei Hinsicht besonders – und sie isst anders.

 Für die Gen Z müssen Restaurants Speisen und Getränke bieten, die instagram-fähig sind, sich also zur Inszenierung eignen.

Für die Gen Z müssen Restaurants Speisen und Getränke bieten, die instagram-fähig sind, sich also zur Inszenierung eignen.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Während die meisten von uns noch über Millennials sprechen, steht die nächste Generation längst in den Startlöchern. Die Generation Z, kurz Gen Z (auch Zoomer genannt) ist zwischen 1997 und 2012 auf die Welt gekommen. Der Generation Z, (oft auch als „Generation Merkel“ oder „Generation Greta“ bezeichnet) ist Zeit wichtiger als Geld. Sie ist die erste, die in eine digitale Welt hineingeboren wurde und von Anfang an mit Smartphones groß geworden ist. Technologie-affin und immer online, ungeduldig und fordernd, gesundheits- und umweltbewusst – mit diesen Eigenschaften wird die Generation Z gern umschrieben.

Was sind die Werte dieser jungen Menschen? Sie ticken anders und haben auch andere Essgewohnheiten als andere Generationen. Die Zoomer lieben Fast Food und scharfe Gerichte, essen gerne in großen Gruppen und lassen sich von Influencer Marketing auf Instagram und Tiktok anlocken. Keine Generation vorher kannte sich besser mit Ernährung aus und hatte ein größeres Bewusstsein dafür, was gutes und was schlechtes Essen ist.

Der Megatrend Gesundheit – so die Zukunftsforscherin und Ernährungsexpertin Hanni Rützeler in ihrem Food-Report 2024 – wird spätestens seit der Pandemie ganzheitlicher gedacht. Das spiegelt sich auch im Verständnis von gesunder Ernährung der Generation Z wider: „Gute Ernährung ist in ihren Augen nur dann gut, wenn sie umfassend gut ist: nicht nur mit Blick auf Nähr- und Inhaltsstoffe, Frische und Geschmack, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe, sondern auch mit Blick auf den ökologischen Fußabdruck sowie tierethisch und sozial verträgliche Produktionsbedingungen.“

Fleisch? Vegetarisch? Vegan? Omnivor? In dieser Ernährungsfrage sind nach neuesten Studien die 18- bis 29-Jährigen zwiegespalten. 14 Prozent der Befragten gaben an, sich ausschließlich vegetarisch zu ernähren, sieben Prozent seien vollständig vegan. In der gleichen Altersklasse geben jedoch 68 Prozent an, dass „Fleisch zu einer richtigen Mahlzeit dazugehöre“.

Wie ernähren sich also Teenager heute? Hauptsache ist: Es muss schmecken. Die Ernährung ist vom Lustprinzip geprägt. 62 Prozent der jungen Leute erklären bei einer von einem internationalen Lebensmittelkonzern in Auftrag gegebenen Befragung, dass sie immer das essen und trinken, was ihnen schmeckt. In der Gesamtbevölkerung stimmen diesem Punkt nur 39 Prozent zu. Darüber hinaus gönnen sich 54 Prozent der jungen Leute etwas zu essen, wenn der Heißhunger kommt.

Die Generation Z stellt die Gastro-Branche vor große Herausforderungen. Gefragt sind individuelle, frische Gerichte mit interessanten und vollmundigen Geschmäckern. Weil Vielfalt und Internationalität für diese Zielgruppe völlig normal sind, ist auch internationale Küche nichts Besonderes mehr. Also funktionieren in der Gastronomie Speisen aus aller Welt nicht mehr als Alleinstellungsmerkmale.

Ob Burger, Ramen-Suppen, Mezze-Teller oder Poké-Bowls – laut Hanni Rützler ist die sogenannte Snackification ein Zeichen unserer Zeit und einer Veränderung des Ess- und Konsumverhaltens: „Einfache Zutaten, die als gesund wahrgenommen werden, dominieren – wie marinierter Fisch, gekochter Reis, Bohnen mit vielen Kräutern und Saucen. Man sieht, was man isst, und die Größe hängt vom Hunger ab. Das sind Signale für einen durchaus positiven Wandel unserer Esskultur.“

Wie Hanni Rützler in den Food Trends 2020 bereits prognostiziert, geht der Trend vor allem bei der Generation Z in Richtung Snackification. Während die Generationen davor vor allem an den Beilagen gespart haben, essen die Zoomer lieber viele kleine Sachen zwischen den Mahlzeiten und kombinieren dafür Beilagen als Hauptgericht. Ganz ähnlich der mediterranen Esskultur oder den Mezze der Levante-Küche. Was tun? Kleinere Portionen anbieten und mit Smoothies, frischen Dips wie beispielsweise Hummus oder Guacamole, Gemüse oder Saté-Spießchen, kleineren Bowls oder anderen ganztägig verfügbaren Snack-Menüs arbeiten.

Die Generation Z wurde von Eltern erzogen, die vor allem natürliche Lebensmittel als Snacks für ihre Kinder bevorzugt haben. Darum reagieren diese besonders positiv auf Schlagwörter wie „frisch“, „bio“ oder „nachhaltig“. Gesunde Ernährung ist ihnen wichtig, pflanzlich basierte Nahrung gewinnt an Bedeutung.

Wer im Zeitalter von Klimawandel, knapper werdenden Ressourcen und wachsendem Umweltbewusstsein aufgewachsen ist, wählt seine Restaurants auch nach Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit aus. Mit recyclebaren Verpackungen, regionalen und saisonalen Speisen, aber auch einer individualisierbaren Vielfalt an pflanzlicher Kost, wird man für die Generation Z attraktiver.

Wie sieht denn das Konsumverhalten aus? Typische „Z-ler“ treffen keine Kaufentscheidung, ohne sich zuvor mit ihrem Netzwerk von Freunden zu beraten – online und offline. Außerdem wünschen sie die sofortige Befriedigung. Die Generation Z orientiert sich an Empfehlungen und Kommentaren, die sie bei Snapchat, Instagram und Twitter suchen und finden. Darum ist eine gute Präsenz auf diesen Kanälen und die Bereitschaft, dort mit Gästen in den Dialog zu treten, heutzutage entscheidend.

Natürlich erwarten sie auch, dass Restaurants und Speisen Instagram-fähig sind – also zur Selbstinszenierung geeignet und entsprechend fotogen. Je individueller und ungewöhnlicher pflanzenbasierte (plant based) Bowls, Burger und Mezze angerichtet sind, je nachhaltiger und bewusster das Image ist, desto eher werden Bistros, Cafés, Imbisse oder Restaurants weiterempfohlen. Ähnlich punkten lassen sich mit kuratierten Wohlfühlspeisen, dem Dialog auf Instagram und Co. sowie einem zeitgemäßen Interieur.

Die Gen Z trinkt auch anders. Ein neuer Trend zur Nüchternheit zeichnet sich demnach ab. Daten über das Rauschtrinken, also den Konsum von mindestens fünf Getränken bei einer Party, werden seit 2004 von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erhoben. Eine repräsentative Befragung aus dem Jahr 2022 unter den Zwölf- bis 25-Jährigen ergab, dass sie weitaus häufiger komplett auf Alkohol verzichten als junge Menschen in der Vergangenheit. Genauer gesagt: Die Zahl der 18- bis 25-Jährigen, die angaben, mindestens einmal pro Woche Alkohol zu trinken, ging von 44 Prozent im Jahr 2004 auf 32 Prozent im Jahr 2021 zurück – und die Tendenz sinkt weiter.

Eine internationale Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Yougov kommt ebenso zu einem eindeutigen Ergebnis. Demnach verzichten etwa 49 Prozent der Gen Z komplett auf Drinks. Das ist sogar mehr als der weltweite Durchschnitt in der Altersgruppe, der bei einer Enthaltsamkeitsquote von 46 Prozent liegt.

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