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Rezept für Pasta mit Schoko-Sauce, Rosmarin, Speck, Feta und Tomaten

Food-Kolumne „Kleiner Gruß aus der Küche“ : Spaghetti mit Schokoladensoße

Unsere Autorin hat ihre Gäste neulich mit einem etwas ungewöhnlichen Gericht – nun, sagen wir: verwöhnt. Sie hatte keine Wahl: Es war der einzige Weg, eine fixe Idee loszuwerden.

Manchmal kommt von irgendwoher eine kulinarische Idee geflogen und lässt mich nicht mehr los. Ich liege dann im Bett und kann nicht schlafen. Das ist sehr lästig, weil die Ideen – muss man leider sagen – nicht immer gut sind. Aber wie ein Ohrwurm, der erst vergeht, wenn man sich das Lied in Gänze noch einmal anhört, verlässt mich die Idee erst dann, wenn ich sie in der Küche in die Tat umgesetzt habe.

So war es neulich. Ich dachte plötzlich darüber nach, ob nicht eine dunkle Schokoladensoße gut zu Spaghetti schmecken würde. Warum? Keine Ahnung. Ich habe seither „Spaghetti mit Schokoladensoße“ gegoogelt; es gibt zahlreiche Rezepte für Schokoladen-Pasta, also kakaohaltige Pasta, und auch Dessert-Rezepte, in denen Nudeln und Schokolade eine Rolle spielen, aber das, was ich im Sinn hatte – eine Schokoladen-Sahnesoße zu Nudeln, und zwar als herzhaftes Hauptgericht – habe ich bislang nicht gefunden. Möglicherweise hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Idee, die nicht schon mal vorher jemand hatte. (Falls Sie ein Rezept für Nudeln mit Schokoladensoße finden, schicken Sie es mir bitte unbedingt!)

Meine Vision jedenfalls war eine Ganache: also hochwertige Bitterschokolade mit 70 Prozent Kakaoanteil, geschmolzen in Sahne. Aromatisieren wollte ich sie mit frischem Rosmarin – den Gedanken, schwarzen Knoblauch zu verwenden, verwarf ich dann doch als zu kühn. (Obwohl...)

Die Nudeln mit der Soße brauchten aber noch etwas, um das bittersüße, fette Aroma zu durchbrechen. Naheliegenderweise etwas Salziges, vielleicht mit Raucharoma, definitiv mit einer knusprigen Textur. Kleine, salzige, knusprige Nuggets zwischen bissfester Pasta in samtiger Soße... Rauchsalzmandeln erschienen vor meinem geistigen Auge, aber nachdem ich neulich die Liste der Zusatzstoffe auf einer handelsüblichen Packung Rauchsalzmandeln studiert habe, möchte ich die Dinger eigentlich nicht mehr in den Mund stecken. Speck wäre hochgradig naheliegend gewesen: winzige Würfelchen, vielleicht auch Pancetta (weil weniger rauchig, dafür feiner, kräuteriger), das Fett ausgelassen, auf Küchenpapier abgetropft. Speck und Schokolade sind fast schon eine klassische Kombination, in zahlreichen Rezepten für Brownies zum Beispiel. Ich als Fleur-de-Sel-Milchschokoladen-Junkie finde das einen absolut logischen nächsten Schritt.

Zu diesem Zeitpunkt stand allerdings schon fest, dass meine Versuchskaninchen – Verzeihung, meine Gäste – eher vegetarisch unterwegs waren. Also entschied ich mich für Feta, genauer gesagt: Hirtenkäse. Ein edler Feta aus Schafs- und Ziegenmilch bröselt und schmilzt unterm Grill; der billigste, schrecklichste Plastik-Hirtenkäse lässt sich dagegen in exakte Würfelchen schneiden und behält im Ofen seine Form, bis er knusprig braun wird. Käsecroutons praktisch! (Mit Halloumi wäre es auch gegangen.) Die letzte Idee war es, etwas oben auf die Nudel-Nester zu legen, etwas Gemüsiges oder Säuerliches: Baby-Artischocken waren mir zu arbeitsintensiv, für fermentierte Kumquats fehlte mir die Zeit, geröstete Blumenkohlröschen wären wunderbar saisonal, aber auch zu schweflig gewesen. Am Ende machten im Ofen konfierte Kirschtomaten am grünen Stil das Rennen.

Das Ergebnis? Selten schafft es ja die Realität, an unsere Träume heranzukommen. Wäre der Wein nicht so gut gewesen, ich hätte die Spaghetti sofort nach dem Mischen mit der sorgfältig im Wasserbad erhitzten Soße serviert. So standen sie fünf Minuten auf dem Herd, bis die Soße gerann. Geschmeckt hat es trotzdem, versicherte man mir. Ein Gast aß sogar zwei Schalen. Beim nächsten Mal erzähle ich Ihnen von der Vor- und Nachspeise. In denen – versprochen – keine Schokolade vorkamen.

Kulinarik-Kolumne Unsere Autorin schreibt jede Woche übers Einkaufen, Kochen und Genießen in Düsseldorf. Anregungen bitte an ­helene.pawlitzki@rheinische-post.de.