1. Leben
  2. Kochen

Kerbelknolle auf dem Carlsplatz in Düsseldorf: Rezepte für das Gemüse

Entdeckung auf dem Carlsplatz : Wer jetzt keine Kerbelknolle isst, muss bis nächsten Winter warten

Sie ist klein, knubbelig und süßlich-nussig: Noch bis Ende März dauert die Zeit der Kerbelknolle. Schnell probieren, rät unsere Autorin.

So furchtbar oft trifft man ja heutzutage nicht mehr auf Zutaten, von denen man sein Lebtag noch nicht gehört hat. Wer aber gern und viel kocht (oder isst), für den gibt es kaum etwas Schöneres. Manchmal erschreckt mich das ein wenig: Es fühlt sich durchaus etwas zügellos an, sich vor Vorfreude auf ein neues Geschmackserlebnis nicht halten zu können. Wahrscheinlich kommt doch die Protestantin in mir heraus, der so viel Enthusiasmus nicht geheuer ist.

Ich war auch wirklich gar nicht auf der Suche nach etwas Neuem. Stattdessen war ich brav mit meinem Ehemann unterwegs, wir wollten ein schönes, solides Samstagsmahl kochen. Die knubbeligen Wurzelknollen, die bei Schier auf dem Carlsplatz in einer kleinen Plastikschale lagerten, sahen auch eher unscheinbar aus – kamen aber mit den freundlichsten Empfehlungen eines der Standbetreiber. „Kennen Sie die schon?“, fragte er. „Kerbelknolle! Schmeckt gut im Kartoffelstampf!“

Nun gibt es kaum etwas Bodenständigeres als Kartoffelstampf, weswegen ich ohne jedes schlechte Gewissen zugriff, auf dem Nachhauseweg aber öfters in die braune Papiertüte spinxte und dabei immer wildere Pläne schmiedete. Frittieren! Chips? Croutons! Schwärzen?

Aufs Schwärzen kam ich deshalb, weil, wie ich beim Probieren feststellte, die Kerbelknolle recht viel Zucker enthält. Dieses deshalb, weil sie nach der Ernte im Spätherbst gerne noch eingelagert wird. Während dieser Zeit wandelt sich die Stärke in Zucker um. Beim Schwärzen erhitzt man geeignete Lebensmittel über lange, lange Zeit sehr sanft, so dass eine unendlich verlangsamte Bräunungsreaktion stattfindet. Sie kennen das vom Trendlebensmittel schwarzer Knoblauch. Für Privathaushalte ist das Schwärzen aber nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Leider.

Viel unverfänglicher ist es tatsächlich, ein paar Knollen zu schälen und mit Kartoffeln zu dämpfen, sie aber dann nicht zu zerstampfen (oder, meine präferierte Methode, durch eine Presse zu drücken), sondern in kleinen Stücken unter das Püree zu heben. Sie geben ein wunderbar nussiges Aroma, etwa wie Maronen oder Topinambur. Auch roh schmeckt die Kerbelknolle gut, wobei man sich am Besten immer vor Augen führt, wie dieses Gemüse auch heißt: Knolliger Kälberkropf. Na, das geht doch runter wie Öl, oder?

Ein durchschlagender Erfolg war ebenfalls, kleine Kerbelknollen-Würfel in Olivenöl auszubacken und über ein gebratenes Fischfilet zu werfen. Das Schälen kann ein bisschen ärgerlich werden, weshalb man große, möglichst feste Knollen wählen sollte. Wahrscheinlich kann man sich sehr viel Nerven sparen, wenn man die Knolle im Ganzen backt und hinterher pellt. So las ich jedenfalls im Netz – und werde es bald probieren.

Das Einzige, was mir an der Kerbelknolle nicht so gut gefällt, ist ihr stolzer Preis. Vielleicht ist es aber auch gut, dass sie dadurch nicht zur Alltagsspeise werden kann – so bleibt sie, zumindest für mich, immer etwas Besonderes.

Kulinarik-Kolumne Unsere Autorin schreibt jede Woche übers Einkaufen, Kochen und Genießen in Düsseldorf. Anregungen bitte an ­helene.pawlitzki@rheinische-post.de.