Die Frucht der Götter: Der Granatapfel ist lecker und gesund

Ernährung : Die Frucht der Götter

Der Granatapfel gilt als ein bisschen kompliziert – doch der Aufwand lohnt sich: Seine Kerne und sein Sirup verfeinern Salate, Saucen und Süßspeisen – besonders in der türkischen Küche.

Um den Granatapfel ranken sich viele Legenden, nicht umsonst gilt er auch als Frucht der Götter. Im Hohelied des Alten Testaments wird der Schönheit einer Braut etwa damit gehuldigt, dass ihre Schläfe wie eine Granatapfelscheibe schimmere, der trojanische Prinz Paris soll mit einem Granatapfel Aphrodite zur schönsten aller Göttinnen gekürt haben. Im Buddhismus gilt er als eine von drei gesegneten Früchten, im Koran empfiehlt der Prophet seinen Verzehr und im jüdischen Glauben werden jeder Frucht analog zu den Geboten der Thora 613 Samen zugeschrieben. In den Pharaonengräbern der Ägypter fand man Granatäpfel ebenso wie auf jahrtausendealten chinesischen Vasen abgebildet – und im europäischen Mittelalter soll einer als Vorbild für den Reichsapfel, das Herrschaftssymbol der Kaiser und Könige, gedient haben.

Doch die Frucht hat nicht nur eine lange Geschichte, sondern ist auch heute noch sehr beliebt – in der Naturkosmetik genauso wie in vielen Küchen weltweit. Doch Vorsicht: Das Fruchtfleisch schmeckt bitter, genießbar sind vor allem die rot-glasigen Kerne und der gepresste Saft. Besonders in der türkischen und arabischen Küche kommt beides zum Einsatz. „Die Kerne schmecken leicht und fruchtig und eignen sich zum Beispiel als Beigabe zu Salaten“, sagt Orkide Tançgil, Betreiberin des Blogs Kochdichtürkisch.

Viele trauen sich an die Frucht aber gar nicht heran, unter anderem, weil der Saft nachhaltig färbend wirkt. Doch wer vorsichtig vorgeht und die Frucht nach Abnahme der Blüte ähnlich einer Orange entlang des weißen Häutchens in kleine Schiffe teilt, kann Spritzer vermeiden, sagt Tançgil. Die 45-jährige Düsseldorferin hat den Blog vor elf Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Orhan gegründet, seitdem sind ein eigener kleiner Verlag für Kochbücher, ein Feinkostladen, eine Kochschule und ein Onlineshop dazu gekommen.

Der Granatapfel spielt dabei stets eine große Rolle, sagt sie, auch, weil er so gesund ist. Früher wurde er unter anderem zur Behandlung von Durchfall und Geschwüren eingesetzt, Studien zufolge enthält er drei Mal so viele Antioxidantien wie grüner Tee, dazu Kalium, Eisen und die Vitamine A, C und E – „perfekt, um gesund und fit zu bleiben“, so Tançgil.

Momentan ist Saison und die Früchte gibt es in vielen deutschen und jedem türkischen Supermarkt zu kaufen. Dabei sollte man darauf achten, dass die Frucht prall ist und nicht eingefallen, kleine braune Risse oder eine leichte gelb-bräunliche Verfärbung sind der Köchin zufolge aber kein Problem. Granatäpfel können mehrere Wochen bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden, im Kühlschrank halten sie sich sogar monatelang frisch.

Neben den Kernen ist vor allem der Sirup ein wichtiger Bestandteil der türkischen Küche. Entscheidend ist dabei, dass der „nar ekşisi“ frei von Zusatzstoffen ist – kein Zucker, keine Konservierungsstoffe, sondern nur der naturbelassene und zum Sirup heruntergeköchelte Granatapfelsaft. Süß-säuerlich, dickflüssig und mit leicht bitterer Note ähnelt er dem italienischen Balsamico – „hat aber eine schönere Fruchtigkeit“, sagt Tançgil.

Der Sirup ist ein Alleskönner: Cremesuppen aus Kürbis oder Kartoffeln lassen sich damit verfeinern, aber auch Tomate-Mozzarella, Salate oder Fleischgerichte wie Frikadellen oder Lammspieße. Und sogar für Desserts wie Milchreis oder Joghurt ist er mit seiner frischen Note geeignet. Einfach ein paar Tropfen darauf träufeln oder in eine Sauce einarbeiten – fertig. Zu Hause verwendet die Familie nahezu jeden Tag ein Granatapfel-Produkt, sagt Tançgil: „Die Kombination aus säuerlicher, fruchtiger Süße und supergesund ist einfach unschlagbar.“

Rezept: Türkischer Bulgursalat

Zutaten für 6 Personen 200 g feiner Bulgur, 125 ml Wasser, 2 El Salça (gewürztes Paprika-Tomatenmark), Saft von 1 Zitrone, 4-5 El Granatapfelsirup, 5 El Olivenöl, 1 kleine rote Zwiebel, 6-7 Frühlingszwiebeln, 2 Spitzpaprika, 10 kleine Tomaten, 2-3 kleine Gurken, 1 Bund glatte Petersilie, 1/2 Bund frische Minze, etwas Dill, Salz, Pfeffer, Chiliflocken, 2 Romana-Salatherzen

Den Bulgur mit kochendem Wasser übergießen, kurz umrühren und mit geschlossenem Deckel 20 Minuten quellen lassen. In der Zwischenzeit Frühlingszwiebeln, rote Zwiebel, Spitzpaprika, Tomaten und Gurken ganz klein würfeln, Petersilie, Dill und Minze fein hacken. Den Bulgur in eine größere Schale geben und sorgfältig mit Salça, Olivenöl, Zitronensaft und Granatapfelsirup vermengen. Die gewürfelten und gehackten Zutaten dazu, mischen und abschmecken. Den Salat auf Romana-Blättern servieren und bis dahin im Kühlschrank aufbewahren.