Smart Gardening revolutioniert die Gartenarbeit

Mähroboter und Beregnungsanlagen : Mit diesen digitalen Helfern wird Ihr Garten smart

Zunehmend unterstützen technische Helfer bei der Gartenarbeit – gesteuert über eine App. Wir stellen den Markt und die Vor- und Nachteile vor.

Bei mehr als 30 Grad den Rasen mähen, frühmorgens um 4 Uhr aufstehen, um das Blumenbeet zu wässern – das ist nicht jedermanns Sache. Ein gepflegter Garten aber schon. Ein Trend hilft, eher lästige Arbeiten im Grünen an Automaten oder Roboter zu delegieren: das sogenannte Smart Gardening. Wie auch beim Smart Home bedeutet es, viele Funktionen mit einer zentralen Steuereinheit, etwa dem Smartphone, zu vernetzen, so dass sich jederzeit und von fast überall darauf zugreifen lässt. Es heißt aber auch, dass die Geräte in gewisser Weise selbstständig arbeiten können, also eine eingreifende menschliche Hand nicht mehr vonnöten sein muss. Eine smarte Beregnungsanlage bewässert die Pflanzen automatisch zum bestmöglichen Zeitpunkt. Und der Gartenbesitzer dreht sich im Bett noch einmal rum.

„Fast alle Hersteller von Gartengeräten haben heute digitale Lösungen im Sortiment“, sagt Michael Henze, Referent für Landschaftsgärtnerische Fachgebiete beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Der Markt wächst seit Jahren kontinuierlich, wobei ein Großteil der Angebote auf Mähroboter und Beregnungsanlagen entfällt. Die Produkte aus letzterem Segment erreichten 2018 ein Umsatzplus von 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sagt George Brown, technischer Referent beim Industrieverband Garten. „Bei Mährobotern kam es 2018 europaweit sogar zu einem Wachstum von 35 Prozent im Vergleich zu 2017“, so Brown weiter. „Tendenz: anhaltend.“

Aber selbstverständlich lassen sich auch Teichpumpen, elektrische Markisen oder Gartenlampen in ein System einbinden. Selbst app-gesteuerte Grills seien laut Brown bereits auf dem Markt zu finden. Auch einige Gartengeräte sind teilweise smart. So gibt es professionell genutzte Geräte, die Leistungsparameter oder Betriebszeiten aufzeichnen. Sie sind in der Lage, über eine Schnittstelle zum PC oder Handy Wartungsempfehlungen zu geben, vor der Überhitzung der Akkus oder bei falscher Lagerung vor Unterkühlung im Winter zu warnen. Der Clou beim Smart Gardening besteht da-rin, die automatisierten Arbeiten im Garten von einer App aus zu steuern. Theoretisch sei das zwar möglich, sagt Henze, aber nur, wenn die Komponenten von einem Hersteller kommen. „Eine App, die unterschiedliche Fabrikate kombiniert, gibt es noch nicht“, sagt Henze. Was aber wohl nur eine Frage der Zeit ist.

Gerade die automatische Gartenbewässerung habe sich durchgesetzt, erklärt der Experte. Das vergangene Dürrejahr würde den Absatz solcher Anlagen weiter in die Höhe treiben. Denn die meisten Gartenbesitzer hätten weder Zeit noch Lust, täglich mit dem Schlauch in ihren Rabatten zu stehen. Hochwertige Beregnungssysteme dagegen sind mit Sensoren ausgestattet, die Temperatur, Bodenfeuchte und Regen berücksichtigen und entsprechend reagieren. „Es bringt ja nichts, wenn im Regen bewässert wird“, sagt Henze. Aber solche Anlagen verlangen auch einen gewissen Aufwand. Es sei nicht damit getan, ein paar Schläuche in die Beete zu legen. Stattdessen müssen die Lage der Spritzdüsen und ihr Wirkungskreis genau berechnet werden, möglicherweise kommt auch eine unterirdische Lösung mit sogeannten Versenkregnern infrage. Das sehe deutlich schöner aus, sagt der Experte. Zudem können Daten wie Hanglage und Bodenbeschaffenheit eingepflegt werden.

Vor einer etwaigen Anschaffung zu bedenken sei auch die Gartengröße. Unter 500 Quadratmeter lohne sich der Einbau einer Beregnungsanlage eher nicht. Zudem müsse auch der Wasserverbrauch kalkuliert werden. Der liegt laut Henze etwa bei 20 Liter pro Quadratmeter und Woche. „Da kommt schon viel zusammen.“ Dafür lässt sich dann in Urlaub fahren, ohne die Nachbarn fürs Gießen in Anspruch zu nehmen. Oder die Pflanzen eben in der Zeit bewässern, in der die Verdunstungsrate am geringsten ist, nämlich in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden. „Ein Automat schert sich nicht um die Uhrzeit“, sagt Henze.

Das gilt selbstverständlich auch fürs Mähen. Rasenroboter seien in den vergangenen Jahren intelligenter geworden, sagt der Experte. So habe die Steigfähigkeit zugenommen und damit die Einsatzmöglichkeiten bei Hanggrundstücken, dazu hielten die Akkus länger durch. Wer will, kann seinen Mähroboter so programmieren, dass er strenge Bahnen zieht oder wild hin und her das Gras stutzt. Die Route lasse sich bei einigen vernetzten Geräten sogar auf einer App als Karte darstellen, wenn der Automat mit GPS ausgestattet ist. Eine Spielerei für technikaffine Menschen – aber gerade die greifen bei smarten Produkten eben gerne zu. „Zudem leitet die GPS-gestützte Navigation den Roboter auch durch Engstellen und durch verwinkelte Gärten“, sagt Brown.

Mähroboter bieten aber auch praktische Vorteile. So sei das Ergebnis in der Regel gleichmäßiger als mit einem Rasenmäher von Hand geschnitten. „Zudem unterdrückt das regelmäßige Mähen Unkräuter“, sagt Heinze. Das feine, liegengebliebene Schnittgut diene zum Düngen des Rasens, der dadurch auf Dauer dichter und widerstandsfähiger wird, ergänzt Brown. Allerdings müssen auch Mähroboter gewartet werden – manche melden sich allerdings selbstständig, wenn etwa die Messer ausgetauscht werden müssen.

Insgesamt macht Smart Gardening aus Henzes Sicht damit durchaus Sinn. Bei einzelnen Herstellern gebe es auch gute Ansätze, Fremdgeräte mit einzubinden. „In dem Bereich muss sicher noch mehr passieren, da brauchen wir mehr breit aufgestellte Apps“, sagt der Experte. Bei der Datensicherheit sieht Henze eher wenig Probleme. Generell können vernetzte Geräte im Haushalt natürlich Daten preisgeben. Viele Smart-Gardening-Systeme nutzen aber sogenannte Gateways, die über einen anderen Funkstandard kommunizieren, das W-Lan wird nur für die Programmierung benötigt. So sind die häuslichen Daten sicher. Beide Experten empfehlen aber bei der Einrichtung und Installation von Automaten die Hilfe von Fachleuten. Fast alle Hersteller würden sowohl „all-inclusive“- als auch „Do-it-yourself“-Lösungen anbieten. Die Preise reichen dabei von einigen hundert bis zu mehreren tausend Euro.

Und die Entwicklung der smarten Technologien sei noch lange nicht am Ende, so Brown. „Die Hersteller denken bereits über weitere Innovationen nach.“ In der Garten- und Landschaftspflege seien zukünftig neue Produkte zu erwarten, die verstärkt künstliche Intelligenz, Vernetzung und Automatisierung einsetzen, etwa beim Erfassen von wichtigen Parametern für die Pflanzen oder bei der Bewässerung. Henze empfiehlt aber, sich vor einer Entscheidung für ein Smart-Gardening-System die Frage zu stellen, ob die digitale Welt überall Einzug halten muss. Lieben doch viele Menschen die Arbeit im Garten gerade deshalb, weil sie dort selbst Hand anlegen und gestalten können – und nach Herzenslust im Dreck wühlen.

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