Sichtschutz für den Garten Dieses Grün schützt vor Blicken und Lärm

Immergrüne, laubabwerfende, blühende, auch Früchtetragende in Form geschnittene Hecken sind Konstanten im Garten. Sie behalten ihr Aussehen über viele Jahre, sind zugleich Sichtschutz, ein echter Hingucker und lärmdämmend. Ein Überblick, was Sie beachten sollten.

 Naturnahe Hecken sollten nur gelegentlich beschnitten werden.

Naturnahe Hecken sollten nur gelegentlich beschnitten werden.

Foto: dpa-tmn/Karl-Josef Hildenbrand

Während der Lockdowns haben sich die Menschen den Wert des eigenen Gartens neu bewusst gemacht. Viele hätten auch gemerkt, welch wichtige Rolle die Privatsphäre der Sichtschutz zur Straße und den Nachbarn spielt, sagt Werner Küsters, Senior des gleichnamigen Garten- und Landschaftsbauunternehmens aus Neuss. Hat man das Gefühl, im eigenen Draußen-Wohnzimmer, ständig unter Beobachtung zu stehen, kann man sich nicht entspannen.

Mauern oder Zäune wollen die meisten Deutschen eher nicht mehr auf dem eigenen Grundstück aufstellen. Stattdessen bevorzugen sie Hecken. Bis die klassischen Gehölze jedoch hoch genug gewachsen sind, vergehen oft mehrere Jahre. Für alle Ungeduldigen gibt es die sogenannte „Hecke am laufenden Meter“. Sie hat bereits bei der Pflanzung die gewünschte Höhe, ist nach kurzer Vegetationszeit blickdicht.

Bestellen kann man die 1,20 Meter breiten und von ein bis zwei Meter hohen Module beispielsweise im Internet unter www.helix-pflanzen.de. Die Kletterpflanzen wurzeln bei der Lieferung in substratgefüllten Pflanzgefäßen, die sich leicht entfernen lassen, bevor die Hecke eingesetzt wird. Um den Modulen einen sicheren Stand zu geben, werden sie an speziellen Metall- oder Holzpfosten befestigt, die man zuvor fest im Boden verankern muss.

Die Module werden im Handel begrünt mit Purpur-Kletterspindelstrauch (Euonymus fortunei Coloratus) angeboten, dessen Laub sich im Herbst tiefpurpur färbt, oder mit der dekorativen und robusten Efeusorte „Hedera helix Wörneri“. Diese Sorte ist ausgesprochen winterhart, wirft im Herbst nicht ihre Blätter ab und kann im Winter eine rötliche Färbung bekommen. Es gibt sie zudem in Kombination mit sommerblühender Clematis. Es stehen Ranksorten in Rosa, Dunkelviolett, Hellblau und Weiß zur Auswahl.

Für Farbe plädiert auch Fachmann Werner Küsters: „Allein durch die Vielfalt an Sträuchern mit Blüten im Frühjahr und Beeren im Herbst können Gartenbesitzer auf kleinster Fläche die unterschiedlichsten Lebensräume für Vögel, Wildbienen, Wespen, Schmetterlinge, Käfer und Vögel schaffen und so zumindest im Kleinen etwas für die Arterhaltung tun. Die Gehölze bieten zahlreichen Singvogelarten nicht nur ein köstliches Buffet, sondern – je dichter sie sind – bieten sie ihnen auch Nistschutz für Beutejäger. Beliebte Pflanzen wie die Forsythie seien jedoch aus ökologischer Sicht „Null-Nummern“. Auch das robuste Zypressengewächs, die immergrüne Thuja oder Bambus und Kirschlorbeer bieten, so der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), als grüne Wüsten keinen Lebensraum und Nahrung für Vögel, Schmetterlinge oder Wildbienen.

Man unterscheidet zwischen laubabwerfenden und den immergrünen Pflanzen. Zu den beliebten laubabwerfenden Heckenpflanzen gehören die Rotbuche (Fargus) und die Hainbuche (Carpinus). Der Liguster behält meist einen Teil seiner Blätter im Winter und wird zu den immergrünen Heckenpflanzen gezählt. Weitere sind Buchsbäume, die Glanzmispel oder Spindelstraucharten. Wer nach einem überreich blühenden Strauch als Sichtschutz sucht, kommt an der Gattung der Spieren (Spiraea) kaum vorbei.

Wer das Mikroklima möglichst feucht und kühl halten will – auch ohne ständig mit dem Gartenschlauch seine Runden zu drehen, ist mit Hecken und Sträuchern gut beraten. Sie kühlen ihre Umgebung ab und sorgen dafür, dass Wind und Sonne den Boden nicht zu sehr austrocknen. Da inzwischen viele Baumhecken im Sommer selbst braun werden, sind trockenheitsresistente Pflanzen zu empfehlen. Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) ist sehr anpassungsfähig, ein Insektenmagnet und wird bis zu drei Meter hoch. Oder man probiert ein eher ungewöhnliches Rosengewächs wie die Scheinkerrie (Rhodotypos scandens).

Für Vögel sind die Beeren des Ligusters interessant, während die stark duftenden Blüten von Juni bis Juli entstehen und allerlei Insekten anlocken. Die Schneebeere hat sich bewährt, deren rosa bis weiße Blüten Sechsbeiner besuchen. Der Feuerdorn begeistert mit leuchtenden Farben, er schmückt mit Blüte sowie Frucht. Die Blätter sind immergrün und fallen vor allem im Herbst/Winter durch ihre leuchtenden Beeren auf. Sie sind gut schnittverträglich, ideal für die Begrünung von Wänden oder als bunte Hecke. Das Pfaffenhütchen ist allgemein bei Vögeln beliebt, gilt jedoch vor allem als Lieblingsfutter von Rotkehlchen – dem Vogel des Jahres 2021. Der Spindelstrauch wird bis zu sechs Meter hoch. Am besten sind ein Platz an der Sonne sowie tiefgründiger, kalk- und nährstoffreicher Gartenboden.

Nach Angaben des BUND locken unter anderem weißblühende Schlehen oder der sommergrüne Faulbaum (er wächst mehrstämmig und verzweigt, wird bis vier Meter hoch) zahlreiche Falter, Hummeln und Wildbienen an, und sie dienen – wie der Faulbaum – einer Vielzahl von Schmetterlingsraupen als Futterpflanzen. Im wolligen Schneeball (Virburnum lantana) fühlen sich diverse Vogelarten und Insekten wohl.
Heckenpflanzen für Vögel und Insekten Der eingriffelige Weißdorn wird etwa fünf Meter hoch und zeigt seine weißen Blüten im Mai und Juni, die Früchte bilden sich ab September. Der Standort sollte möglichst sonnig und der Gartenboden tiefgründig sein. Der schwarze Holunder (Sambucus nigra) wird bis zu sieben Meter hoch und benötigt einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Der Boden sollte eher nährstoffreich und mäßig feucht sein. Die Blüten öffnen sich zwischen Mai und Juli, die Beeren reifen etwa ab August. Der bis zu acht Meter hoch wachsende Hartriegel, Kornelkirsche, blüht oft schon vor Mai und April und ist daher eine wichtige Bienennährpflanze. Die dunkelroten Früchte schmecken ab Spätsommer nicht nur Vögeln. Sie lassen sich gut zu Marmelade oder Likör verarbeiten. Die bis zu drei Meter hoch wachsende Berberitze duftet stark und blüht von Mai bis Juni. Ab August trägt der Sauerdorn rote längliche lange Beeren. Der Standort sollte möglichst sonnig und der Boden eher durchlässig sein.

Das Fraunhofer Institut hat in einer Studie herausgefunden, dass Hecken und Sträucher Lärm zwar nicht komplett abschirmen, dafür allerdings höhere Schallfrequenzen herausfiltern. Diese Geräuschkulisse wird dann als nicht mehr ganz so störend wahrgenommen. Wichtig ist außerdem der Boden: Rasen oder Bodendecker dämpfen den Lärm besser als freier Boden oder ein Plattenbelag ebenso wie Hecken und Sträucher mit immergrünen, großen Blätter und dichtem Wuchs. Die Blätter sollten zudem möglichst senkrecht zur Schalleinwirkung stehen. Geeignet sind demnach – nur um einige zu nennen - Flieder, Perückenstrauch oder Rhododendron.

Tipp: Damit die Pflanzen sich gut entwickeln können, sollten in einer Reihe die Abstände mindestens einen Meter betragen. Wer eine breitere Hecke haben möchte, pflanzt die Sträucher in zwei Reihen im Zick-Zack und hält etwa 70 Zentimeter Abstand. Höher wachsende Arten kommen in die hintere Reihe. Naturnahe Hecken sollten nur gelegentlich beschnitten werden.

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