Der Garten als Abenteuerspielplatz

Abenteuerspielplatz Garten : Geht mal raus, spielen!

Für Familien ist das Haus mit Garten ein Traum. Doch für Kinder ist ein gestylter Garten gar nicht spannend. Mit ein paar Tricks wird er zum Abenteuerspielplatz.

Das Grün ist akkurat geschnitten, zwischen Terrasse und Rasen liegt ein Blumenbeet, links und rechts säumen gerade Hecken das Grundstück. Das sieht repräsentativ und sicher stylish aus, aber Kinder, die in einem solchen Garten spielen sollen, langweilen sich schnell. Und so wird der Satz „Geh mal raus, spielen!“ eher zur Drohung als zum Grund zur Freude.

Dabei gehört für viele zum Familienglück auch das Haus mit Garten. Doch der wird oft wenig kindgerecht gestaltet – auch weil die Zeit und das Interesse fürs Grün fehlen. „Viele Gärten sind schon so fertig und fest strukturiert, dass es wenig Raum für Kreativität und fürs Selbermachen gibt“, sagt Rainer Lutter. Vorgefertigte Spielgeräte würden oft schnell langweilig, weil sich deren Spielwert schon nach einem halben Tag erschöpfe. Lutter ist Wildgarten-Experte und hat mit Irmela Erckenbrecht das Buch „Der Spielgarten“ (pala verlag, 18 Euro) geschrieben. Darin finden sich zwölf Ideen für einen kreativen Kinder-Garten.

Lutter hat bei Kindern vier Grundbedürfnisse im Grünen identifiziert: ausruhen, kreativ sein, Natur erleben und spielen. Sie wollen sich mal in Ruhe mit ihren Freunden zurückziehen, in Rollenspielen versinken, hüpfen, klettern, springen. Käfer beobachten und Grassuppe kochen. „Unsere Vorschläge sollen nicht zu viel Struktur vorgeben, sondern nur eine Grundlage bilden, auf der sich möglichst viele Spieloptionen entfalten können“, sagt Lutter. Die Kinder seien so phantasievoll, dass ihnen Stöcke, Steine und Blätter genügten, um sich eine neue eigene Welt auszudenken. „Dass Kinder die Natur entdecken und eine Wertschätzung dafür entwickeln können, ist neben der Bewegung das Wichtigste in der Kindheit.“ Bei der Planung sei nur zu berücksichtigen, dass die Eltern natürlich auch ihr Refugium bekommen.

Ruhe finden Kinder zum Beispiel in einem Strauchhaus, im Weidentipi, in der Hängematte, an einem Picknickplatz oder in einem Baumhaus. Bewegen können sie sich auf dem Wackelsteg, beim Baumstamm-Mikado, im Niedrigseilgarten oder auf einer Schaukel. Natur erleben sie auf einer Wildblumenwiese, am Insektenhotel oder im eigenen kleinen Gemüsebeet. Kreativ sein können sie an einer Wasserstelle oder einem Buddelhaufen. Es braucht nämlich keinen Sandkasten, in einem Haufen Sand oder Erde lässt sich viel besser spielen, graben und matschen, meint der Experte. Gegen Tiere und Verschmutzung sollte der Haufen mit einer Plane abgedeckt sein. „Natürlich wird der Sand oder die Erde weggespielt, aber das macht nichts“, sagt Lutter. In den meisten Regionen seien die Böden viel zu schwer, der verschleppte Sand nutze dem Rasen. Und der Schmutz kommt nicht ins Haus, wenn die Kinder Buddelhosen tragen und diese zum Beispiel in einem Schuppen oder in der Garage deponiert werden.

Einfacher als gedacht, sind der Wackelsteg oder ein kleiner Wasserspielplatz zu realisieren. Darauf können die Kleinen Mulden buddeln, Wasserstellen anlegen, Inseln schaffen, Dämme errichten, Brücken anlegen, Flöße und Bötchen fahren lassen, Kies baggern, mit Eimern und Gießkannen planschen. „Immer wieder verändert sich etwas“, sagt Lutter. Für den Spielplatz braucht es eine mindestens zehn Quadratmeter große Fläche, es wird eine ca. 30 Zentimeter tiefe Mulde ausgehoben. Sie wird mit Teichfolie ausgelegt, auf die bis fünf Zentimeter unterhalb der Oberkante Kies und Findlinge kommen. Kleinere Kinder können sich so selbst bewegen, sollten aber trotzdem beaufsichtigt werden. Mit einem Gartenschlauch wird der Teich dann befüllt, das Wasser wird weggespielt. Ist das nicht der Fall, kann man es auch mit Hilfe einer Tauchpumpe austauschen.

Der Wackelsteg, auch „Schwingbohlenpfad“ genannt, besteht aus drei Zentimeter starken Eichenbohlen, die an den Enden auf Stützen befestigt werden und dadurch etwa 40 Zentimeter über dem Boden „schweben“ und wippen, wenn Kinder darüber laufen. Laut Lutter erinnere es ein wenig an ein Trampolin.

Um alle Ideen des Buches umzusetzen, braucht es Platz – der typische Reihenhausgarten ist leider oft zu klein. Doch auch dort sei mehr möglich als das Klettergerüst aus dem Baumarkt und der Fertig-Sandkasten, sagt Lutter. Fehlt ein Baum, lässt sich zum Beispiel mit drei oder vier Stelen, die im Boden ein Fundament bekommen müssen, ein Niedrigseilgarten bauen. Mit Tauen entsteht so eine perfekte Klettermöglichkeit, die sich mit dem Alter der Kinder immer wieder verändern lässt. Daran könnte sich ein Spielhaus anschließen, und warum sollte man den Kindern nicht zutrauen, es selbst zu bauen, fragt Lutter. Vielleicht werde es krumm und schief, aber das sähen nur Erwachsene so. Überhaupt gehe es darum, den Kindern etwas zuzutrauen und Freiräume zu gestatten.

Solch ein nicht einsehbarer Freiraum und Rückzugsort ergibt sich auch, wenn man große Gräser wie Bambus locker pflanzt. Und vier, fünf unterschiedlich hohe Baumstümpfe eignen sich gut befestigt als Balancier-Aufgabe oder Picknick-Stühle.

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