Blütenwunder im Frühjahr: Hortensien können bis zum Herbst blühen

Vielfalt bei Hortensien : Blütenwunder mit großem Durst

Hortensien sind einfach ein Hingucker und mit Sicherheit ein Klassiker im Garten. Bei richtigem Schnitt und optimalem Standort ist die Blütenpracht bis in den Herbst hinein garantiert.

Sie ist ein beliebter Star unter den blühenden Pflanzen. Typisch für die Hortensie ist der gewölbte Blütenstand, der in der Mitte kleine fruchtbare Innenblüten trägt und am Rand von großen sogenannten unfruchtbaren Schaublüten umgeben ist. Hortensien wachsen buschig, sind eigentlich ein Strauch und betören durch ihre üppigen Blütendolden, -rispen oder -teller in Weiß, Rosa, Rot, Blau und Lila. Sie gehören zur Familie der Hydrangeaceae und sind die Allrounder unter den Blumen, denn sie passen überall hin, machen viel her, sind frosthart.

Ihre Wirkung ist elegant, wuchtig, pompös oder bäuerlich rustikal – je nach Sorte. Alle sind relativ leicht zu pflegen. „Man pflanzt sie einmal, dann müssen sie eigentlich nur noch gegossen, gedüngt und geschnitten werden“, sagt Vivian Pellens. Sie ist Autorin und hat unter anderem den Ratgeber „Faszination Hortensien“ geschrieben. Ihr Mann Andreas betreibt in Geldern den auf Hortensien spezialisierten Familien-Gartenbaubetrieb, der zu den drei größten in Deutschland zählt.

Schnitt Wann und wie man Hortensien zurückschneidet, hängt von der jeweiligen Sorte ab. Richtig geschnitten, belohnen sie mit reichem Blütenflor. Ganz grob werden Hortensien in zwei Schnittgruppen unterteilt. Beispielsweise die Bauernhortensien (Hydrangea macrophylla) und die Tellerhortensien (Hydrangea serrata) darf man jetzt schneiden. Das heißt, im Winter erfrorene Triebspitzen und die alten Blütenstände entfernen. Doch kein Radikalschnitt, denn diese Arten bilden bereits im Herbst die Knospen für das nächste Jahr aus. Zur zweiten Gruppe zählen die Schneeballhortensien (Hydrangea arborescens) und die Rispenhortensien (Hydrangea paniculata). Sie bilden ihre Blütenknospen erst im Jahr der Blüte neu und können im Frühjahr oder schon im Herbst kräftig geschnitten werden. Übrig bleiben sollte jeweils ein Augenpaar am Trieb.

Wer wegen des Schneidens unsicher ist, „geht auf Nummer sicher und wählt eine Sorte, die Blüten an alten und neuen Trieben bildet. Dazu gehören die Bauernhortensien aus den Serien ,Endless Summer’, ,Everbloom’ und ,Forever & Ever’“, sagt Vivian Pellens. Vor allem die „Endless Summer“ kann problemlos im Frühling beliebig zurückgeschnitten werden. Am besten jedoch nur die verblühten Blütenstände herausschneiden. Wenn dies regelmäßig geschieht, blüht sie den Sommer über öfters.

Ein Tipp: Die Pflanze bildet schneller wieder neue Knospen, wenn die welken Blüten nur mit der Hand herausgebrochen werden. Wer es richtig machen will, greift die Blütenstände am besten oberhalb des Blattansatzes mit den Fingern und bricht sie vorsichtig zur Seite ab.

Standort Bevor man sich für eine oder mehrere der bis zu 60 verschiedenen Arten entscheidet – keine Sorge, für die Gartenkultur wird nur eine Handvoll verwendet – ist die Frage des Standorts entscheidend: Schneeballhortensien wie die „Annabelle“ mögen es schattig, benso wie die klassische Bauernhortensie, dazu zählen auch die mit den Teller-Blüten.

Hortensien sind längst nicht nur etwas für große Gärten, sie passen auch in kleine Beete. „25 Jahre können sie alt werden, sofern sie Platz und, wie der lateinische Name Hydrangea (was so viel wie Wasserkrug bedeutet) schon andeutet, genug Wasser bekommen“, erklärt Vivian Pellens. Deshalb sollte man sie gerade bei Trockenheit reichlich gießen, denn sie macht schnell schlapp. An heißen Tagen kann das sogar zwei- bis dreimal sein. Damit die Erde nicht so schnell austrocknet, kann man den Wurzelbereich mit einen Unkrautvlies und Rindenmulch abdecken. Um die Pflege in einem großen Garten zu erleichtern, empfiehlt die Expertin ein fest installiertes Bewässerungssystem.

Boden Unbedingt auf Humose, nährstoffreiche und relativ saure Böden achten, die eine gewisse Feuchtigkeit halten können. Ideal ist ein pH-Wert von 4 bis 5 für blau/lila blühende und 5 bis 6 für rote und rosafarbene Exemplare. Weiße vertragen pH-Werte von 4 bis 6. Bestimmen lassen sich diese mit Teststäbchen aus dem Fachhandel und durch Zugabe von Hortensienerde (sauer) beziehungsweise Kalk (alkalisch) regulieren.

Draußen gepflanzt oder getopft werden können Hortensien zwischen April (nach dem Frost) und Oktober. Dann bilden sie am besten neue Wurzeln. Wichtig ist: Ein bisschen Platz muss sein. Darauf achten, dass der Abstand zu Mauern oder Zäunen zumindest ein Viertel ihrer maximalen Wuchsbreite beträgt, der Abstand zu anderen Pflanzen etwa die halbe Wuchsbreite.

Nicht nur im Beet machen sich Hortensien gut. Als Hecken, je nach Vorliebe bunt gemischt oder farbig sortiert gepflanzt, sind sie ab Juni den Sommer über eine Pracht. Unbedingt Abstand zu großen Sträuchern oder zum Wurzelgeflecht eines Baumes halten. „Sie mögen es nicht, sich um Wasser und Nährstoffe streiten zu müssen“, sagt Pellens. Das Pflanzloch oder ein neuer Kübel sollte vom Volumen her doppelt so groß sein wie der Wurzelballen. Hortensien gelten als kälteresistent – „auch ein Grund, warum sie so beliebt sind. Die größte Gefahr ist nicht der Frost an sich, sondern der daraus resultierende Wassermangel“, erklärt die Fachfrau.

Düngen Neu gekaufte Hortensien brauchen zum Auspflanzen erst einmal keinen Dünger. Gärtnermeister Andreas Pellens hat die Erfahrung gemacht, dass sich Blaukorn als Volldünger eignet. Ab dem Frühjahr zwei bis drei Mal die Körner einstreuen. Achtung: Blaukorn hat aber nichts mit der Blaufärbung von Hortensien zu tun. Der optimale Zeitpunkt zum Färben mit speziellem Blaudünger ist das Frühjahr, wenn die Pflanze mit dem Austrieb beginnt. Wer ein tiefes Blau haben möchte, sollte im September Hortensienblau für das nächste Jahr nachgießen. Auch rosafarbene Pflanzen können zu Blau wechseln, bei entsprechenden Bedingungen. Beeinflussen lässt sich dies mit saurer Rhododendron-Erde und Gaben von Aluminiumdünger im Frühjahr. Denn bei einem Säure- und pH-Wert von etwa 4,5 wird im Boden vorhandenes Aluminium in löslicher Form von den Wurzeln aufgenommen. Dies aktiviert die blaue Farbe der Hortensie. Allerdings: Bei weißen und roten Sorten wirken diese Maßnahmen nicht.

Bienenschutz Eine Futterquelle für Wildbienen ist die Tellerhortensie. Unter all den Hortensien-Arten und Sorten steht sie als hervorragende Bienenweide ganz klar auf dem ersten Platz. Je nach Sorte erreichen ihre flachen „Teller“ einen Durchmesser von sechs bis zehn Zentimeter. Bienen und Hummeln fühlen sich am stärksten zu diesen Blüten hingezogen, da können die Bauern-Hortensien nicht mithalten.

Eine besondere Hortensie ist die Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris). Sie will hoch hinaus und eignet sich zur Zaun- oder Fassadenbegrünung. Die Pflanze kann bis zu 15 Meter hoch wachsen und zeigt von Mai bis Juni weiße Blüten. Ohne Klettermöglichkeit bildet sie einen bis zu zwei Meter hohen halbkugeligen Busch. Sie bevorzugt einen möglichst hellen Halbschatten und feuchten Boden. In den ersten Jahren sollte sie gar nicht geschnitten werden – sie wächst auch nur sehr langsam. Die meisten Kletterhortensien verfärben ihr Laub im Herbst gelb und verlieren es dann. Einige neue Sorten behalten aber auch in den kalten Monaten ihre Blätter, zum Beispiel „Semiola“. Eine immergrüne Alternative ist auch die Sorte „Silver Lining“ mit weißen Rändern um die Blätter.

Info Die letzten beiden Folgen befassen sich mit Gräsern als Blickfang (Mittwoch) und Licht im Garten (Samstag). Alle Folgen unter www.rp-online.de/garten

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