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Herr Goertz träumt von einem Balkonpool

Die Störenfriede (5) : Herr Goertz träumt von einem Balkonpool

Herr Sieben äußert Theorien zu Wetter-Apps und Dürre. Herr Goertz zeigt wenig Interresse – er leidet unter der Wärme im Heim-Büro und schmiedet einen Plan. Dann dichtet er zudem. Die fünfte Folge von „Die Störenfriede“.

Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Sieben Herr Goertz, wobei störe ich?

Goertz Mir ist so warm. Homeoffice. Lüften hilft nicht, draußen ist noch schlimmer.

Sieben Mich überrascht immer die Überraschtheit bei Wetterlagen. Meine Apps warnen mich seit Wochen vor, ich bin moralisch bestens vorbereitet. Haben Sie kein Smartphone?

Goertz Doch, aber wenn es draußen stürmt und regnet, kann ich mir einen Hitzekoller nicht vorstellen. Ich denke dann: Wenn es warm ist, dann ist es schön.

Sieben Bei Temperatur-Prognosen sind meine Apps perfekt, nur bei Regen liegen sie in acht von zehn Fällen daneben. Eine App sagt zum Beispiel für morgen leichte Abkühlung und eine Gewitter-Regen-Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent an. Ich sage Ihnen: Das wird nie so kommen. Alles unter 80 Prozent ist eine Lüge!

Goertz Wie schon gesagt: Mich lassen Hitzeprognosen kalt. Ich habe hier einen kleinen Ventilator, einen Propeller für Arme. Der durchpflügt die Luft und wird per USB-Stick geladen. Meine beiden Apps behaupten übrigens immer das Gegenteil. Meine beste App ist mein Auge, das zum Himmel schaut.

Sieben Wetter-Apps sind meine digitale Schwäche. Ich habe drei. Und vergleiche ständig. The Weather Channel zum Beispiel zeigt bereits drei Regentropfen für den ganzen Tag an, während Wetter-Online einen müden Tropfen und eine Regenwahrscheinlichkeit von 40 Prozent anzeigt. Aber ich merke schon, ich kann Sie nicht dafür begeistern, Sie leiden!

Goertz Ja, aber es ist keine Verfluchung des Klimas, kein Gejammer. Ich beobachte nur, wie beispielsweise meine Finger dick werden. Das ist ein Zeichen, dass es sehr warm ist.

Sieben Das Internet ist voll von nützlichen Tipps. Mineralwasser soll man trinken und sich kühles Wasser über die Handgelenke laufen lassen. Aber ich fürchte: Das ist alles für die Katz! Der Kampf gegen die Hitze wird im Kopf entschieden.

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Goertz Ich beantrage beim Arbeitgeber einen Balkonpool. Würden Sie das unterstützen?

Sieben Ich unterstütze Sie gern. Meine Nachbarn haben ja einen Pool im Garten, aber haben ihn noch nicht aufgebaut. Und ich will sie nicht drängen. Das Verhältnis war schon mal besser. Wussten Sie, dass die Dinger die ersten drei Tage eiskalt sind? Gar nicht mal so ungefährlich in Ihrem Alter. In meinem auch nicht.

Goertz Ich verrate Ihnen etwas: Ich habe mal in Finnland gelebt. Ich weiß, was wirklich kaltes Wasser ist, in das man steigt. Und ich habe es überlebt. Ist allerdings schon dreißig Jahre her.

Sieben Eigentlich wollte ich Ihnen von meiner neuen Lieblings-App berichten: dem Dürre-Monitor des Helmholtz-Instituts für Klimafolgenforschung. Aber damit hole ich Sie heute nicht mehr hinter dem Ofen vor. Haben Sie noch eine andere Strategie als diesen armseligen Ventilator?

Goertz Nein. Ich vertraue jetzt voll und ganz auf meinen Antrag beim Arbeitsgeber. Ich werde ihn mit einem Reim garnieren. Bei Hitze hilft kein Werkzeugtool. / Die einz'ge Rettung: Swimmingpool.

Sieben Ich drücke Ihnen die Daumen. Lyrik hilft immer. Nur für den Hinterkopf: Für das pflanzenverfügbare Wasser gibt es Hoffnung, der Gesamtboden ist dauerhaft an die Dürre verloren. Ich bereite mir nun ein salziges Mahl. Das habe ich mal von einer jungen Marokkanerin gelernt. Leider nur bei Youtube. Halten Sie durch!

Goertz Sie auch. Ich melde mich.