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Die Störenfriede (7): Herr Goertz schwärmt von seiner Mallorca-Vorspeise

Die Störenfriede (7) : Herr Goertz schwärmt von seiner Mallorca-Vorspeise

Herr Goertz will sein Frühstück reformieren, um seinen Bauchumfang zu kontrollieren. Herr Sieben schwärmt von Rührei-Ausschweifungen im Hotel und nimmt an der Lieblingsvorspeise seines Kollegen keinen moralischen Anstoß. Die siebte Folge der „Störenfriede“.

Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.


Sieben Herr Kollege, wobei störe ich?

Goertz Bei der Überlegung für eine Reform meines Frühstücks. Ich mag ja vieles gern, aber nicht alles auf einmal ist sinnvoll. Ich mag Aufschnitt, ich mag Käse, ich mag Quark mit Marmelade, und ich mag was Nussiges. Ich will aber auch Obst. Wenn ich mir das alles gönne, bin ich hinterher gleich satt und müde.

Sieben Warum wollen Sie das Frühstück reformieren? Gesundheitliche oder geschmackliche Gründe? Essen Sie noch Wurst?

Goertz Wurst immer, aber ich mag vielerlei Würste: Schinken, Lyoner, Salami, Leberwurst (grob und fein). Kurzum: Ich möchte strenger werden, weil man im Homeoffice bekanntlich nicht zu Gewichtsverlust neigt.

Sieben Ich bin ja ein Gewohnheitsmensch. Einmal wurde mir gar geistiges Beamtentum vorgeworfen. Ich frühstücke jeden Morgen gleich. Ein Brötchen, eine Seite Käse, eine Seite Wurst, dazu eine Handvoll Weintrauben. Beim Abnehmen könnten Ihnen hingegen diese veganen Pasten helfen, die nun überall im Regal stehen.

Goertz Haben Sie bei den veganen Pasten mal auf die Kalorien geguckt? Sie werden sich wundern. Weintrauben dagegen sind morgendliche Lebensqualität. Ich habe als Beilage immer eine lange, in zwei Teile halbierte Möhre.

Sieben Auf Kalorien achte ich im Supermarkt penibel. Als Student habe ich mir oft Nudeln mit dem Inhalt eines Glases Pesto bereitet. Dass ein Glas 1000 Kalorien hat, wusste ich nicht. Können Sie nicht einfach immer abwechseln? Ein Morgen deftig, der andere süß?

Goertz Ja, das habe ich tatsächlich überlegt. Doch in meinem Herzen bin ich ein Genussmensch. Und wenn ich etwas nicht auf dem Teller habe, werde ich es unendlich vermissen. Mir mangelt es da an Disziplin.

Sieben Machen Sie sich nicht verrückt. Was einem die Ratgeber bei der gesunden Ernährung nie verraten: Die gewonnene Lebenszeit durch harte Disziplin wird am Lebensende draufgerechnet. Wer weiß, wie es uns da geht. Im schlimmsten Fall sitzt man im Rollstuhl, und eine Pflegerin reicht Hagebuttentee. Soll ich Ihnen verraten, wie ich im Urlaub frühstücke?

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Goertz Ich bin gespannt. Wahrscheinlich schlemmen Sie.

Sieben Rührei mit Speck, falls möglich mit kleinen Bratwürsten und Ketchup. Diverse Brötchen, Fischsalate, Quarkspeisen. Das kommt auch von früher. Wenn man mit schmaler Kasse reist, spart man sich so das Mittagessen. Heute ist es nur noch pure Lust.

Goertz Ja, das ist unsere Halbpension-Mentalität. Ich gehe da konform. Bratwürstchen und Fischsalate finde ich allerdings eine eher schwierige Kombi.

Sieben Man verteilt es auf mehrere Gänge. Schwierig wird es nur, wenn man um 15 Uhr dennoch zu Mittag isst. Ich neige inzwischen zu Appetiten. Aber zurück zu Ihrem Problem: Könnte nicht Rührei und Quarkbrötchen ihre Probleme lösen. Das Beste aus beiden Welten. Ich habe einen Toaster, der Rührei machen kann. Den kann ich Ihnen empfehlen!

Goertz Sie scheinen da sehr gut ausgerüstet zu sein, wogegen ich immer noch in der Entscheidungsphase bin. Übrigens ist das neuropsychologisch super spannend: Was habe ich als Kind gegessen, und was kommt auch heute immer wieder auf mein kulinarisches Fahndungsplakat? Als Kind liebte ich Reibekuchen von meiner Mutter. Doch im ersten Mallorca-Urlaub lernte ich die Lieblingsvorspeise meines Lebens kennen. Darf ich mich Ihnen öffnen?

Sieben Ich bitte ausdrücklich darum!

Goertz In unserem Hotel gab es abends als Vorspeise immer grünen Salat mit Thunfischsalat oben drauf. Sagen Sie mir jetzt nichts über Japaner und entsetzliche Fangquoten. Ich liebe es noch heute. Wenn ich unleidlich bin, stellt man mir Thunfischsalat hin, dann ist alles wieder gut.

Sieben Von mir müssen Sie keine moralinsauren Reden fürchten. Meine Mutter arbeitete früher in einer Metzgerei. Für die Kinder gab es Fleischwurst auf dem Heimweg von der Schule. Noch heute esse ich fast täglich Fleischwurst. Glück in Scheiben. Dafür weiß ich leider sehr genau, wie Blutwurst gemacht wird. Übrigens: Wenn Ihnen das Frühstück so wichtig ist: Warum frühstücken Sie nicht wie im Hotel und lassen das Mittagessen ausfallen. Hotel Goertz garni!

Goertz Ich werde Ihre Worte wohl bedenken. Darf ich Ihnen unter uns einen Käsetipp geben? "Blu Fou" bei Lidl. Ein Blauschimmel mit französischer Herkunft, nämlich Auvergne. Wobei ich nicht weiß, ob die Käserei nicht doch in Lüdenscheid steht. Ich will es auch nicht wissen. Allerdings sehr kalorienhaltig. Egal. Das Leben ist derzeit eine Entbehrung, irgendwas muss göttlich sein. Göttlich wie in Frankreich.

Sieben So gefallen Sie mir! Sie sollen leben! Morgen zum Frühstück essen Sie "Blu Fou" auf einem Brötchen und machen sich einen schönen Quark. Die Möhre lassen Sie weg, die gibt es zu Mittag. Kann ich mich auf Sie verlassen?

Goertz Ich melde mich nach Vollzug.