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Die Störenfriede (22): Herr Sieben schickt Herrn Goertz seine Schuhe und eine Flasche Likör

Die Störenfriede (22) : Herr Sieben schickt Herrn Goertz seine Schuhe und eine Flasche Likör

Herr Sieben hat ein Schuhproblem, bei dem Herr Goertz nicht helfen kann – zumindest vorerst. Dafür gibt es gute Nachrichten von Maus Toni und mahnende Worte zur Zeckengefahr. Am Ende wird dann aber alles gut. Die 22. Folge der Störenfriede.

Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Goertz Herr Kollege, wobei störe ich Sie?

Sieben Ich stehe vor meinem Schuhschrank. Und habe eine Frage an Sie. Erschrecken Sie nicht. Ich kann alles erklären. Welche Schuhgröße haben Sie?

Goertz 42. Manchmal auch 43. Oder 42,5. Die Verkäuferin im Schuhgeschäft sagt ja oft: „Die fallen klein aus. Nehmen Sie eine Größe größer." Wobei hilft Ihnen diese Information?

Sieben Ich bringe mein Anliegen vor. Ich besitze sehr teure Trekking-Schuhe. Ein spontaner Kauf. Im Ausland sogar. Anfangs passten sie perfekt. Ich hätte zum Mond damit laufen können. Dann trug ich sie eine Weile nicht. Inzwischen drücken sie. Rechts an der Achillessehne. Das wird mit der Zeit schmerzhaft. Es ist wirklich schwerlich auszuhalten. Fakt ist: Sie müssten neu eingelaufen werden. Ich dachte einen Moment lang an Sie. Aber leider habe ich Größe 44.

Goertz Es gibt zwei Möglichkeiten. Sie besorgen sich ein Schuhdehnungs-Spray. Oder Sie laufen den 7,2 Kilometer langen Kieselgur-Rundweg bei Oberohe in der Lüneburger Heide. Weicher Sandboden. Den lieben auch Ihre Trekkingschuhe.

Sieben Das Problem ist wirklich, dass sie auf die Achillessehne drücken. Ich habe mal erlebt, wie am anderen Ende einer mittelgroßen Sporthalle eine dieser Sehnen riss. Im ersten Moment dachte ich, es werde geschossen. Ein riesiger Knall. Kennen Sie das? Das hat sich tief eingebrannt. Nun google ich Schuhdehnungs-Spray. Wenn es das wirklich gibt, sind Sie mein Held des Tages.

Goertz Tun Sie, wie ich Ihnen geheißen. Sie werden es nicht bereuen. Neulich bewies ich tatsächlich Heldenmut, weil ich die Hausmaus (ich sprach in Folge 21 davon) in einer Lebendfalle gefangen habe. Toni war sehr putzig. Wir brachten sie in die Nachbarstadt, nach Viersen, und setzten sie auf einem Acker aus. Bei dieser Gelegenheit: Wenn Sie den Rundweg bei Oberohe gehen, werden Sie ein Zeckenschild sehen. Fast so wichtig wie gute und dichte Schuhe sind auch die anderen Bekleidungsstücke. Mit Zecken ist nicht zu spaßen.

 Hier noch in der Lebendfalle. Jetzt aber wieder in Freiheit: Toni.
Hier noch in der Lebendfalle. Jetzt aber wieder in Freiheit: Toni. Foto: Wolfram Goertz
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Sieben Ich wollte schon fragen. Lebendfalle statt Käfig und Mietvertrag. Letzteres hätte mir noch besser gefallen. Aber Toni tat es wie Adenauer und wählte die Freiheit. Vor Zecken graut es mir. Ich weiß nicht mal genau, ob man sich da impfen, kreuzimpfen oder gar boostern kann. Im Wald trage ich jedenfalls immer eine lange Hose und Kappe. Selbst im Hochsommer.

Goertz Das ist vorbildlich. Zecken sind schlimmer als Mücken. Mücken hört man. Zecken bekommt man nicht mit, wenn sie sich ranwanzen, und sie machen fiese Sachen für die Gesundheit. Wollen Sie nicht wissen. Ich fürchte Zecken auch in Lappland. Man muss immer geschützt sein. Mich würde interessieren, was die Grünen zu Zecken sagen. Hören Sie etwas aus den „Verhandlungen“?

Sieben In diese Kreise habe ich leider keine Kontakte. Einer der Gründe, warum ich werktags regelmäßig so viel Zeit für Sie habe. Wie stapfen Sie durch die Lüneburger Heide? Tragen Sie Hut? Sind kurze Ärmel okay? Auf seine Arme guckt man ja öfter mal.

Goertz Ich habe grundsätzlich alles bedeckt, Hut trage ich jedoch nur bei Regenwetter. Es gibt lustige Regenhüte. Sehr farbenfroh. Sie stelle ich mir sehr pittoresk in einem Regenhut vor. Meiner ist aus 100 Prozent Polyester. Geht tief hinab über Hals und Nacken. Sie sehen aus wie ein Matrose bei der Durchfahrt durch die Magellanstraße.

Sieben Südwester? Die sollten sie wirklich nur bei Regen tragen. Sonst halten Sie die Einheimischen für komisch. Es gibt übrigens eine Zecken-Warn-App, sehe ich gerade. „Zecktag", die mobile Zeckenvorsorge für unterwegs. Am besten gefällt mir die Funktion „Stichtagebuch". Die Webseite verspricht „Detaillierte Dokumentation Ihres Zeckenstichs mit Erinnerungsfunktion". Bereitgestellt von Pfizer übrigens. Ich bin jetzt schon Fan. Leider lasse ich beim Wandern das Handy immer zuhause.

Goertz Vor Ihrem nächsten Urlaub können Sie mich daran erinnern, dass ich Ihnen alle drei Stunden eine Erinnerungs-SMS schicke, dass Sie sich vor dem Wandern an Ihr Handy erinnern. Ich würde das gern tun, weil mir Ihre Gesundheit und Wohlergehen am Herzen liegen.

Sieben Das ehrt Sie. Eine letzte Frage an Sie: Besitzen Sie ein Paar wirklich dicker Skisocken?

Goertz Mehrere Paare. Auch 42-43. Warum jetzt dieses?

Sieben Mit zwei Paaren übereinander sollte es gehen. Erwarten Sie bitte in den kommenden Tagen ein Paket von mir. Die im Paket befindliche Flasche Crème de Cassis trinken Sie bei Gelegenheit bitte aus. Die im Paket befindlichen Schuhe laufen Sie bitte bei Gelegenheit ein. Wir sprechen uns noch!