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Die Störenfriede (15): Herr Sieben weiß guten Rat bei Bürobeinen in kurzen Hosen

Die Störenfriede (15) : Herr Sieben weiß guten Rat bei Bürobeinen in kurzen Hosen

Herr Goertz packt seinen Koffer für einen Urlaub und weiß nicht, ob er eine kurze Hose einpacken soll. Herr Sieben zitiert erst eine patente Kollegin und anschließend Sven Regener. Die 15. Folge der Störenfriede.

Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Sieben Herr Goertz, wobei störe ich?

Goertz Ich fahre bald in Urlaub und überlege zwei Dinge. 1) Soll ich kurze Hosen einpacken? 2) Soll ich anderen Menschen meine kurzen Hosen zumuten? Ich bin glaube ich kein Typ für unbedeckte Knie.

Sieben Die zweite Frage scheint mir ungenau formuliert. Es ist nicht entscheidend, ob Sie der Öffentlichkeit eine kurze Hose zumuten können. Die Frage ist, ob andere Menschen Ihre nackten Beine sehen sollten. Das ist ein Unterschied.

Goertz Das eine schließt das andere ein. Ich persönlich habe lieber nackte Unterarme als nackte Unterschenkel. Bei nackten Unterschenkeln drohen übrigens Verkühlungen, die sich an empfindlichen Organen auswirken.

Sieben Bleiben wir noch einen Moment bei der Optik. Wir sind schließlich kultivierte Menschen. Eine gemeinsame Kollegin hat mal den Begriff „Bürobeine“ geprägt. Dünn, untrainiert und kalkweiß. Ich finde den Begriff sehr passend. Man weiß sofort, was gemeint ist.

Goertz In unseren Zeiten sieht meine Beine im Büro kein Mensch, denn ich bin nicht im Büro. Aber die Bemerkung der Kollegin von Umfang, Trainingsstand und Farbgebung der Unterschenkel finde ich sehr passend.

Sieben Eine wirklich patente Person. Für mich gehören kurze Hosen und Urlaub einfach zusammen. Kühle Luft an den Beinen macht mir nichts. Hauptsache, die Füße sind warm. Und natürlich die Nieren. Das wusste schon die Oma. „Junge, sieh zu, dass die Nieren warm sind!“

Goertz Neulich sah ich lauter Herren mit kurzen Hosen in der Sendung "Die Bachelorette". Fast alle Beine waren durchtätowiert. Von nackter Haut keine Spur, von Kalkweiß erst recht nicht. Gibt es an Kunstakademien eigentlich Professuren für Tattoo-Kunst? Der Sache wird nachzugehen sein.

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Sieben Einen ähnlichen Trend beobachte ich bei jungen Damen. Stark im Trend liegt der traditionelle Haarschmuck von Zugehörigen der First Nations, also Indianer, wie Menschen Ihrer Generation noch gerne sagen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

Goertz Jetzt wechseln Sie aber die Körperregionen, Herr Kollege. Sollte eine kurze Hose das Herrenknie bedecken oder nicht?

Sieben Nein, nein. Der Federschmuck ziert die Damen der Beine. Ich wollte neulich im Fachgeschäft eine alte, aber hochwertige Hose auf Bermuda-Länge umarbeiten lassen. Vereinbart war knielang. Aber die Dame schnitt zu viel ab. Jetzt kann ich die Hose nur noch anziehen, wenn ich Karneval als Mitglied der Village People gehen will. Knielang ist ein Muss!

Goertz Da sind wir einer Meinung. Als Kind betrieb ich zwei Sportarten. Fußball und Judo. Sie ahnen, bei welcher ich mich optisch wohler fühlte.

Sieben Judo, allein des warmen Mantels wegen.

Goertz Ja, und wegen der farblich sehr imposanten Gürtel. Je dunkler, desto gefährlicher.

Sieben Ich rate Ihnen, die kurzen Hosen einfach mitzunehmen und zu tragen. Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken. Wie sang der große Lyriker Sven Regener einst so wahr: Erst wenn wirklich alles ganz egal ist, macht das Leben wieder Spaß!

Goertz Dann werde ich auch den 5-Liter-Vorratskanister Autan in den Wagen wuchten müssen.

Sieben Tragen Sie reichlich auf, Mückenstiche auf kalkweißen Beinen will auch im Urlaub niemand sehen. Wo geht die Reise hin?

Goertz In die Lüneburger Heide. Vor allem freue ich mich auf den Wahlabend. Ich muss bei „Ingo's Grill“ in unserem Urlaubsort anfragen, ob er dann das Fernsehen anmacht. Wenigstens zwischen 18.15 und 19.30 Uhr.

Sieben Ein schöner Zufall. Ich verbringe das Wahlwochenende in einem Biergarten in Passau. Zwei systemrelevante Journalisten am richtigen Ort. Wir sprechen uns noch!