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Die Störenfriede (14): Herr Goertz vermisst rollende Pizzaöfen

Die Störenfriede (14) : Herr Goertz vermisst rollende Pizzaöfen

Langsam stoßen die Herren Goertz und Sieben zu den elementaren Fragen des Lebens vor. Ist Tartufo aus der Metro zumutbar? Warum ist Knoblauchbutter immer versalzen? Warum werden Pizzen in schwarzen Kisten labberig? Herr Goertz schlägt eine Lösung vor. Die 14. Folge der Störenfriede.

Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Goertz Wobei störe ich?

Sieben Bei den letzten Happen des Mittagessens. Einmal in der Woche wird beim Italiener bestellt. Wir sprachen bereits drüber, denke ich.

Goertz Ich erinnere mich, habe es aber verdrängt. Bei mir ist jetzt Mittagszeit, und da bestelle ich nie auswärts. Lieferdienste sind unpünktlich und erfordern eine abnorme Großzügigkeit bei der Planung der Mahlzeit. Meine Abendpizza kommt manchmal nach 19, manchmal nach 53 Minuten. Schon das finde ich immer grenzwertig.

Sieben Da haben Sie Recht. Im Single-Haushalt gerät schon die Bestellung zur Denkaufgabe. Mindestbestellwerte wollen erreicht werden. Wenn es nur eine kleine Pizza sein soll, müssen Getränke, Salate und etwaige Desserts klug kalkuliert werden. Ich esse ständig Tartufo zum Nachtisch, ohne es so recht zu wollen. Nur weil man dann einfacher rechnen kann. Wird bei Ihnen das Essen denn wenigstens warm geliefert?

Goertz Das ist ein weiteres Problem. Wird es oft nämlich nicht. Dann ist die Pizza lauwarm und labberig. Es gibt kein Wort, das den Zustand einer Pizza schöner beschreiben kann als dieses: labberig.

Sieben Nutzt Ihr Bote auch diese schwarzen, riesigen Styropor-Kisten? Ich habe ja einen Verdacht, warum die Pizza darin labberig wird. Aber was meinen Sie?

Goertz Schwarz speichert Hitze, habe ich gelernt. Aber ob das in Styropor gut funktioniert? Was glauben Sie?

Sieben Die Dinger sind einfach zu groß. Zu viel Luft, die die Wärme der Speisen aufnimmt. Sie dürften gerade so groß sein, dass sie zwei Pizzaschachteln aufnehmen können. Ganz eng wird es, wenn der Bote das Tartofu in der Kiste auf der Pizza transportiert. Das habe ich alles schon erlebt.

Goertz Ich finde, man müsste Picnic-Autos zu rollenden Pizzaöfen umbauen. Da käme die Pizza an der Haustür direkt aus der Glut.

Sieben Das Konzept gibt es bereits. Es nennt sich Foodtruck. Ein schwerer Steinofen könnte allerdings die Reichweite der Mobile arg einschränken. Aber das soll unsere Sorge nicht sein. Das muss doch möglich sein!

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Goertz Ich höre jeden Tag megabescheuerte Slogans über Kundenfreundlichkeit. Das aber bekommen sie einfach nicht hin: Auf der Straße vor dem Haus kochen. Street cooking. Das Eismännchen kam früher auch bis an die Tür.

Sieben Man muss immer wieder mit Enttäuschungen leben. Das Tartofu kommt in der Regel aus der Metro. Aber das werfe ich letztlich niemandem vor. Die Herstellung ist aufwändig. Aber ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Qualität der Knoblauchbutter rapide zurückgeht? Regelmäßig kommt eine vollkommen versalzene, unförmige Masse bei mir an. Oder sind wir etwa alle zu verwöhnt?

Goertz Knoblauchbutter ist eine Kostbarkeit, die sehr feine Zungen und noch feinere Zehen erfordert. Heutzutage wird sie nach überlanger Aufenthaltszeit aus der Kühlung geholt und mit Hochdruck in ein Döppchen gedrückt. Da vergeht alles, das Aroma und der Appetit. Könnten Sie sich vorstellen, Knoblauchbutter selbst herzustellen?

Sieben Ich habe es noch nie versucht. In meiner Naivität stelle ich mir vor, dass Butter und Knoblauch die wesentlichen Bestandteile sind. Haben Sie da praktische Erfahrung?

Goertz Nein, ich vertraue aber den Praktikern von www.gutekueche.at, dort wird alles immer auf das Einfachste beschrieben. Ich weiß halt nur nicht, was "1 Schuss Zitronensaft" ist.

Sieben Diese Anleitungen sind immer eine Katastrophe. "Ein Schluck klar Wasser". "Ein Messer Butter". "Ein Schuss Zitronensaft". "Reichlich Mehl". Da steige ich immer schon aus. Lassen Sie manchmal auch ein Stück der Pizza übrig, tun es über Nacht in den Kühlschrank und essen das Stück zum Frühstück?

Goertz Herr Kollege, genau das tue ich! Und freue mich wie ein Schneebesenkönig darauf. Das ist das Neapolitanische in mir: Pizza als Alltagskost, kalt, warm, heiß, labberig. Ich muss nur überlegen, wie ich diesen Lieblingskonsum meiner Personenwaage beibringe.

Sieben Vergessen Sie die Waage. Noch besser: Legen Sie das Teil dem Pizzaboten das nächste Mal als Geschenk in seine Box. Platz hat er genug. Wir sprechen uns noch!