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Die Störenfriede (11): Herr Goertz bekommt am FKK-Strand immer Probleme mit dem Nacken

Die Störenfriede (11) : Herr Goertz bekommt am FKK-Strand immer Probleme mit dem Nacken

Herr Sieben löscht E-Mails ungelesen und wundert sich über Museum-Cafés in deutschen Ferienorten. Herr Goertz schwärmt von seinen Fuerteventura-Urlauben und macht ein Geständnis zur „Schweinebucht“. Die elfte Folge der Störenfriede.

Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Goertz Herr Kollege, wobei störe ich?

Sieben Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub. Ich frage mich, ob es jemand merkt, wenn man 1348 E-Mails einfach löscht. Höchstens vier davon sind wichtig.

Goertz Dabei stammen zwölf von mir. Das nimmt kein gutes Ende. Aber im Ernst: Das Löschen als hygienischer Akt hat etwas Befreiendes. Jeder löscht dauernd. Wer etwas mailt und keine Antwort bekommt, wird sowieso das Richtige tun: anrufen und fragen, ob die Mail nicht angekommen ist.

Sieben Ich bin ein großer Freund des Löschens. Andere hingegen scheinen einen Hang zu haben, alles aufzuheben. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass es in Urlaubsregionen eine hohe Dichte absurder Museen gibt? Auf Rügen wären da zum Beispiel das Kreide-, das Bernstein- und das Spielzeugpuppen-Museum.

Goertz Das ist fein beobachtet. Doch worin liegt das Absurde?

Sieben Das Wort „Museum“ scheint kein geschützter Begriff zu sein. In den meisten Fällen handelt es sich eher um Cafés und Restaurants mit angeschlossener Ausstellung von Dingen, die die Cafe- und Restaurant-Betreiber über die Jahre irgendwo gefunden haben. Ich vermute daher, es geht den Inhabern eher darum, dass die Gemeinde ihre Lokalität auf Verkehrsschilder schreibt. Oder bin ich etwa zu streng?

Goertz Das geht in Ordnung, die Ödnis der Strände wird gern durch etwas Schrulliges abgefedert. Magritte sieht man in Lüttich, Dürer in Berlin, Picasso in Köln, Malewitsch in Frankfurt. Da gibt es keine Küsten. In Strandnähe ist das Verspielte erforderlich. Oder das Gruselige. Hauptsache, der Kopf beginnt nicht zu grübeln.

Sieben Immerhin wurde das NVA-Museum in Prora geschlossen. Ich bin extra hingelaufen, weil ich ein Foto für Sie machen wollte. Auf einer ganzen Etage wurde dort einst alte Ausrüstung in Räumen verstaut. Nun wurde die ganze Anlage renoviert und Menschen aus dem Landkreis Oberspree machen dort ihren verdienten Urlaub. Wahrscheinlich hat mich dieses Museum zu kritisch werden lassen.

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Goertz Hätten Sie es abreißen lassen?

Sieben Es ist ein gruseliger Ort, ich hätte lieber etwas Schönes hingebaut. Aber die Anlage ist in Teilen nicht sprengbar, wie zu lesen ist. Darauf legte man beim Bau in dunkler Zeit wohl wert. Aber wir werden düster. Im Cafe des Puppenmuseums zum Beispiel gab es hervorragenden Kuchen.

Goertz Sie haben es richtig gemacht. Erst schwimmen, dann schlemmen. Ich trage von Badeurlauben an manchen Stränden stets orthopädische Probleme davon.

Sieben Verspannungen im Nackenbereich nach mehreren Stunden im Strandkorb? Da kann ich ein Lied von singen. Oder woran leiden Sie?

Goertz Ich fahre gern nach Fuerteventura, in den Südosten der Insel. Dort gibt es zwischen Costa Calma und Esquinzo eine FKK-Bucht, die wird allgemein „Schweinebucht“ genannt. Ich erspare uns die Details. Wenn ich eine lange Strandwanderung mache, geht mein Körper geradeaus, doch der Kopf schaut zum Meer, damit die Augen nicht allergisch reagieren. Wenn Sie das über mehrere hundert Meter machen, beginnen die Nackenwirbel zu jaulen.

Sieben Auf dem Rückweg sollten sich die Verspannungen lösen, Sie schauen ja dann in die andere Richtung. FKK ist in Mecklenburg-Vorpommern auch ein großes Thema. Ich wurde einmal von Nudisten zu einer Partie Beachvolleyball eingeladen, lehnte aber dankend ab. Da weiß man doch nie, wo man hingucken soll. „Free Willy“ bitte nur im Kino. Aber ich bin auch ein Spießer, müssen Sie wissen.

Goertz Darin sind wir einander ähnlich. Die schönste Sehenswürdigkeit auf Mallorca befindet sich übrigens ebenfalls im Innern der Insel, nämlich in Valldemossa. Dort steht jenes Kloster, in dem Chopin mal geraume Zeit gelebt hat. Wenn an einem Tag mal kein Tourist dort ist, spürt man den Genius des Meisters. Dort hat er ja das "Regentropfen-Prélude" komponiert. Wie war eigentlich Ihr Wetter?  

Sieben Das Wetter änderte sich stündlich, gelegentlich sogar zum Guten. Mehrmals war das Wasser wärmer als die Luft. Man ging dann zum Aufwärmen ins Meer. An sowas habe ich ja stets Freude. Ich will also nicht klagen.

Goertz Und bald kommt hier sowieso das Hoch „Willy“. Dann reißen wir alle die Leibchen vom Leib, und manche Leute bräuchten Feigenblätter von einer Größe, wie sie auf keiner tropischen Plantage wachsen.

Sieben Ich möchte nicht wissen, wie Sie das genau meinen. Ich lösche weiter Mails. Und mit Ihren fange an. Sicher ist sicher. Wir sprechen uns noch!

Goertz Spätestens, wenn das Hoch „Olaf“ kommt.