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Die Störenfriede (10): Herr Sieben findet nie den Salzwasser-Whirlpool

Die Störenfriede (10) : Herr Sieben findet nie den Salzwasser-Whirlpool

Herr Goertz repariert seinen Duschschlauch, benutzt dabei aber kein Flachsband. Herr Sieben beklagt die komplizierte Architektur von Thermalbädern und verrät die magische Formel aller Ostsee-Urlauber. Die zehnte Folge der Störenfriede.

Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Sieben Herr Goertz, wobei störe ich?

Goertz Ich repariere die Dusche. Das Kabel ist direkt vor dem Duschkopf undicht geworden. Jetzt tausche ich den Schlauch aus. In Sanitärdingen komme ich gut zurecht, vor Elektro habe ich Respekt. Die meisten Lampen meines Lebens habe ich trotzdem zum Leuchten gebracht.

Sieben Sie sind zu beneiden. Von Reparaturen im Bad höre ich nur Horrorgeschichten. Von Schnüffelstücken und Schnüffelventilen. Wobei das Wort „Reparatur“ für das Austauschen eines Schlauchs ein großes Wort ist. Haben Sie Flachsband benutzt? Profis arbeiten mit Flachsband.

Goertz Wozu brauch ich denn da Flachsband? Ich schraube den alten Schlauch an beiden Enden ab und mache den neuen dran.

Sieben Wenn Sie Flachsband zwischen Schlauch und Gewinde friemeln, wird der Schlauch nie mehr tropfen. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Aber ich bin ahnungslos. Wenn zum Beispiel meine unter Fliesen verbaute Klospülung kaputt geht, muss ich sofort ausziehen. Dem Problem wäre ich weder fachlich noch nervlich gewachsen.

Goertz Aber es gibt größere Leiden. Stellen Sie sich ein Schwimmbad vor, in dem Sie nach 15 Bahnen à 50 Meter erst duschen, sich dann vollständig einshampoonieren, um den Chlorgeruch loszuwerden – und dann, zum zweiten Duschgang, fällt das Wasser aus. Das wäre ein Moment, dem ich nervlich nicht gewachsen wäre.

Sieben Ich bin schon froh, wenn ich in Schwimmbädern die Dusche überhaupt finde. Besonders schlimm ist es in Thermalbädern. Ich glaube inzwischen, dass man jungen Architekten an der Uni folgenden Leitsatz mit auf den Weg gibt: Wenn Ihr Thermalbäder plant, sorgt dafür, dass die Architektur maximal kompliziert und verwinkelt ist. Wissen Sie, was ich meine?

Goertz Nur zu gut. Früher ging man Schwimmen. Heute soll es um die Erlebnisintensität gehen. Schwimmbäder sollen Spaßbäder sein. Und dazu zählt offenbar die Verwirrung. Ich wurde im alten Kaiserbad und im Volksbad Mönchengladbach sozialisiert. Wer da die Kabinen nicht fand, läuft wohl auch in Mauretanien in 50 Metern Abstand an einer Oase vorbei, ohne einzukehren und sich zu laben. Weil er sie übersehen hat.

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Sieben Ich war neulich in der Niederrhein-Therme. Dort gibt es einen Salzwasser-Whirlpool. Ich finde ihn aber nur bei jedem dritten Besuch. Er ist zum Verzweifeln. Oder der Weg vom Solebecken zum Wellenbad. Man muss durch den Außenbereich, an der Damen-Sauna vorbei, eine Treppe hoch, dann durch das Restaurant eine Wendeltreppe herunter und dann scharf links. Und wegen Corona alles nur noch Einbahnstraßen. Ich habe die Kraft nicht mehr. Zum Glück ist bald Urlaub.

Goertz Kennen Sie die „Bergische Sonne" in Wuppertal? Dort ist es ähnlich. Und dauernd laufen einem Kinder zwischen den Beinen her, schreien vor Vergnügen oder machen direkt neben mir, wenn ich am Beckenrand nach der Jacuzzi-Abteilung fahnde, eine ordinäre Arschbombe. Wir nannten das damals „Päckcken".

Sieben In Wuppertal war ich noch nie zum Schwimmen. Wobei ich großer Thermalbad-Fan bin. Echte Thermen erkennt man übrigens daran, dass es wie die Pest nach Schwefel stinkt. Dagegen ist der normale Salzwassergeruch am Meer noch harmlos. Ich habe übrigens eine Kollegin aus Dormagen, die sagt immer schwümm statt schwimmen.

Goertz Gehen Sie an der Ostsee denn schwümm? Man hört da so einiges von Blaualgen.

Sieben Blaualgen, Quallen, schreiende Kinder: Das stört mich alles nicht. Sobald die hübsche Rettungsschwimmerin eine Zahl oberhalb der 18 an die Nivea-Tafel schreibt, bin ich nicht mehr zu halten. Unter 18 Grad geht es leider nicht.

Goertz Das ist großartig und sehr tapfer. Vermeiden Sie es jedoch, allzu offensichtlich mit den Zähnen zu klappern, wenn Sie wieder aus dem Wasser kommen und an ihr vorbeimüssen. Und was Rettungsschwimmerinnen als solche betrifft, so halten Sie sich bitte an das gemeinsame Lebensmotto von DLRG und Pamela Anderson: „Auch stille Wasser sind nass."

Sieben Wichtig ist vor allem, dass man mindestens einmal das Mantra aller Ostsee-Strandurlauber laut über den Strand ruft: "WENN MAN EINMAL DRIN IST, GEHT ES!".

Goertz Der Satz gilt auch beim Verfassen aller längeren Artikel, wenn man sich im ersten Absatz quält. Kommen Sie wohlbehalten zurück.

Sieben Ich tue mein Bestes. Wir sprechen uns noch!