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Was bringen Mundspülunglösungen?

Sprechstunde : Spülungen für den Mund

Viele Menschen schwören auf spezielle Lösungen, um ihren Mund zu spülen. Zahnärzte halten sie meist für überflüssig. Es gibt aber Ausnahmen.

Holger F. aus Meerbusch fragt: „Meine Frau benutzt zweimal täglich eine Mundspüllösung, ich nicht. Wer von uns beiden macht es denn richtig?“

Jürgen Zitzen Eine Leitlinie von 2018 bestätigt, dass Mundspüllösungen einen positiven Effekt auf die Mundgesundheit haben können. Sinnvoll angewendet können sie die Zahnpflege ergänzen, jedoch nie ersetzen. Immer noch gilt: Gründliches Zähneputzen mit einer Zwischenraumpflege und einer fluoridierten Zahnpasta ist der wichtigste Teil der Zahnpflege. Denn zahnschädliche Bakterien organisieren sich im Mund und auf den Zähnen zu einem fest klebrigen Biofilm, den die Mundwässer vielleicht etwas anlösen, aber nicht komplett entfernen können.

Für diese Aufgabe haben die Hersteller unterschiedliche Rezept-Ideen, etwa Chlorhexidin-Beimischungen unterhalb der apothekenpflichtigen Dosierung von 0,1 Prozent, den chemischen Wirkstoff Cetylpyridiniumchlorid (CPC) und bestimmte ätherische Öle. Diese Öle gibt es in Amerika seit 140 Jahren und in Deutschland seit 25 Jahren, sie scheinen nach heutigem Erkenntnisstand die beste Wirkung zu haben. Eine andere Idee ist das Beimengen des Desinfektionsmittels Triclosan. Dies ist erfolgversprechend und wird in einigen Ländern auch schon in Mundspüllösungen zugefügt. In Deutschland kann man es nicht erwerben, weil es in Verdacht steht, bei langfristiger Anwendung Leberschäden zu verursachen. Deshalb rate ich von solchen Reisemitbringseln ab.

Viele Mundspüllösungen enthalten Alkohol, oft soviel, wie er in einem Likör enthalten ist. Zur Kariesvorsorge werden Fluoride oder Hydroxylapatit zugefügt, wobei die Wirkung der Fluoride wissenschaftlich als nachgewiesen gilt, die des Hydroxylapatits bisher nicht. Außerdem gibt es Mundwasser, die lediglich Mundgeruch überdecken möchten – mit zweifelhaftem Dauererfolg.

Neu sind sogenannte Probiotika. Dabei sollen schädliche Keime, die für Zahnfleischerkrankungen verantwortlich sind, durch „gute“ Keime im Mund verdrängt werden. Diese gibt es jedoch nicht als Mundspüllösung, sondern als Lutschtablette. Die Idee wird schon vielfach befürwortet, obwohl ein wissenschaftlicher Beweis noch aussteht.

Viele Mundspüllösungen haben Nebenwirkungen. Alkoholbeimengungen können versehentlich verschluckt werden – also Vorsicht bei Kindern oder Alkoholikern. Neben Verfärbungen und Geschmacksstörungen führen einige Produkte auch vermehrt zu Zahnsteinbildung oder Brennen im Mund. Vereinzelt werden sogar ernstzunehmende allergische Reaktionen beschrieben. Diese sind selten auf die Hauptinhaltsstoffe zurückzuführen, sondern meist auf die Beimengungen.

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Bei niedrigem Risiko für Karies und Zahnfleischprobleme sehe ich in Abwägung zu den Nebenwirkungen keinen Bedarf für Mundspüllösungen. Bei besonderen Risiken, etwa bei verringertem Speichelfluss, bei frei liegenden Zahnhälsen, bei Pflegebedürftigen, Patienten mit körperlichen und geistigen Einschränkungen, nach Chemotherapien und Bestrahlungen oder bei schwer zugänglichen Bereichen spricht einiges für die Anwendung.