Behandlung mit herkömmlichen Antibiotika? Neue Forschungsergebnisse geben Endometriose-Erkrankten Hoffnung

Düsseldorf · Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen – und häufig Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit. Kann diese Krankheit eines Tages mit einer herkömmlichen Therapie bekämpft werden? Aktuelle Forschungsergebnisse aus Japan machen Hoffnung.

Fünf Fragen zu Endometriose
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Foto: shutterstock/Little_Desire

Millionen Frauen leiden unter Endometriose. Bei ihnen wuchert eigentlich harmloses Gewebe aus der Gebärmutterhöhe unkontrolliert in umgebendes Gewebe aus. Es kann die Eierstöcke befallen, sich aber auch bis in Darm und Bauchfell hinein ausdehnen. Die Folgen sind ein gestörter Zyklus, der sehr häufig mit extremen Blutungen verbunden ist. Außerdem leiden viele Betroffene unter starken Bauchschmerzen und Krämpfen, teilweise auch unter Schmerzen im Rücken und beim Geschlechtsverkehr. Viele Frauen quälen sich oft Jahre, bis die Diagnose Endometriose überhaupt gestellt wird. Bisher beschränken sich die Therapieoptionen je nach Schweregrad der Erkrankung auf Schmerzmittel, hormonelle Behandlung oder dem operativen Entfernen des wuchernden Gewebes – im extremsten Fall der gesamten Gebärmutter und der Eierstöcke.

Im Fachblatt „Science Translational Medicine“ beschreiben Forscher nun einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Fusobakterien und dem Auftreten von Endometriose-typischen Gewebeveränderungen. Fusobakterien kommen beim Menschen normalerweise im Mundraum und in der Darmflora vor. Normalerweise ist das Bakterium harmlos, es kann aber in seltenen Fällen Abszesse und schwere Entzündungen auch an Blutgefäßen verursachen. In biochemischen Tests endeckten die Wissenschaftler nun, dass Fusobakterien ein gewisses Signalmolekül in Zellen der Gebärmutterschleimhaut aktivieren. Dadurch wandelten sich Zellen des Bindegewebes (Fibroblasten) um in einen Zelltyp, der normalerweise bei der Wundheilung und Narbenbildung nach Verletzungen entsteht. Diese sogenannten Myofibroblasten können das Gewebe stark verändern.

In einem nächsten Schritt prüften sie die Ergebnisse an Mäusen: Nach einer Injektion mit Fusobakterien verschlimmerten sich deren Endometriose-typischen Gewebeveränderungen. Eine anschließende Antibiotikagabe wiederum ließ die Areale des veränderten Gewebes schrumpfen und verhinderte die Entstehung der Endometriose.

Antibiotika könnten demnach eine einfache Therapieoption bieten, so die Forschenden. Allerdings räumen sie ein, dass es weiterer Studien bedürfe, denn eine simple Übertragung des Mausmodells auf den Menschen sei nicht möglich. Unter anderem deshalb, weil Mäuse keinen Menstruationszyklus haben und nicht spontan eine Endometriose entwickeln.

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Foto: pixabay

Dennoch sind die Studienergebnisse interessant. Denn Beispiele für bakeriellen Befall als möglicher Auslöser von Erkrankungen gibt es bereits: Das Bakterium Helicobacter etwa kann Magen- und Darmkrebs verursachen. Das Humane Papillomavirus (HPV) wird mit Krebs des Gebärmutterhalses in Zusammenhang gebracht, und auch das Epstein-Barr-Virus gilt als potenzieller Beschleuniger von Krebserkrankungen.

Starke Schmerzen im Unterleib kurz vor oder während der Monatsblutung, können auf eine Endometriose hindeuten.

Starke Schmerzen im Unterleib kurz vor oder während der Monatsblutung, können auf eine Endometriose hindeuten.

Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik und Sprecher des Endometriosezentrums am Universitätsklinikum Erlangen, hält die Idee Fusobakterien könnten Endometriose mitverursachen, daher für einen „interessanten und wichtigen Gedanken“. Aber, so betont Beckmann auch, die Maus könne „definitiv nicht als ,typisch Frau’ angesehen werden“. Es bedürfe dringend weiterer Forschungen.

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