Wann? Für wen? Wie lange? Das muss man zur telefonischen Krankschreibung wissen

Düsseldorf · Wenn der Patient der Praxis bekannt ist, kann er sich ab sofort auch telefonisch krank schreiben lassen - aber nur für fünf Tage. So haben es Kassen und Ärzte beschlossen. Für welche Krankheiten das gilt, wie die Krankschreibung funktioniert und wie lange sie gilt.

Ab jetzt gibt es die AU auch wieder telefonisch.

Ab jetzt gibt es die AU auch wieder telefonisch.

Foto: dpa/Jens Büttner

Patienten sollen sich bei leichten Erkrankungen wieder telefonisch krankschreiben lassen können. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (GBA) am Donnerstag beschlossen. Die Regelung gilt ab sofort, wie der GBA mitteilte. Die Ärzte begrüßen das. „Wer erkältet ist, gehört nach Hause. Er sollte nicht gezwungen werden, wegen eines einfachen Verwaltungsvorgangs eine Arztpraxis aufzusuchen und dort vielleicht noch andere Patienten anzustecken“, sagte Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, unserer Redaktion. Gerade in der Erkältungssaison helfe dies, Ansteckungen zu vermeiden und Praxen zu entlasten. Die Corona-bedingt möglich gemachte, telefonische Krankschreibung war am 1. April 2023 ausgelaufen.

Wie funktioniert die Krankschreibung?

Patienten müssen bei leichten Erkrankungen nicht mehr in die Praxis gehen, um dort eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zu erhalten. Sie können bei einem Telefonat mit dem Arzt ihre Symptome schildern, der dann eine AU erstellt. Der Arbeitgeber fragt die AU bei den Kassen ab, so ist es seit Jahresanfang grundsätzlich geregelt. Der Arbeitgeber hat keinen Anspruch mehr auf einen klassischen „gelben Schein“ aus Papier, manche Ärzte stellen ihn gleichwohl noch aus.

Wie wird Missbrauch verhindert?

Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände steht der Neuerung skeptisch gegenüber, weil sie Missbrauch fürchtet. Um den zu verhindern, wird eine Beschränkung eingeführt: Nur Patienten, die der Praxis persönlich bekannt sind, können die telefonische Krankschreibung nutzen. Voraussetzung ist auch, dass keine Videosprechstunde möglich ist. „Wir haben in der Pandemie die Erfahrung gemacht, dass Patienten und Ärzte sehr verantwortungsbewusst mit dieser Möglichkeit umgegangen sind“, betonte Reinhardt. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass sich das jetzt ändern würde. „Ärztinnen und Ärzte können selbst entscheiden, ob die Angaben ihrer Patienten für eine medizinisch fachgemäße Beratung ausreichend sind oder ob dafür eine persönliche Vorstellung oder ein Hausbesuch notwendig sind.“

Für welche Krankheiten gilt das?

Die telefonische Krankschreibung soll möglich sein für leichte Erkrankungen wie etwa Erkältungen, Menstruationsbeschwerden, Migräne oder auch Magen-Darm-Erkrankungen. In Hochzeiten der Pandemie konnte man sich auch für schwere Erkrankungen krank schreiben lassen.

Für wie lange kann man sich krank schreiben lassen?

Man kann sich einmalig für fünf Tage am Telefon krank schreiben lassen. In der Pandemie war dies für sieben Tage möglich. Ist man anschließend weiter krank, muss man die Praxis persönlich aufsuchen. Auch diese Regelung soll Missbrauch durch unwillige Arbeitnehmer verhindern.

Was ist mit Folgekrankschreibungen?

Wenn die ursprüngliche Krankschreibung auf Basis eines persönlichen Besuchs oder einer Untersuchung erfolgte und dann eine weitere Krankschreibung nötig ist, kann man diese auch telefonisch erhalten.

Was gilt für Videosprechstunden?

Patienten können sich schon jetzt und auch weiterhin per Videosprechstunde krank schreiben lassen. Allerdings müssen sie auch dafür in der Praxis persönlich bekannt sein, dann ist eine erstmalige Krankschreibung für bis zu sieben Tage möglich.

Braucht man die Versichertenkarte noch?

Ja. Es gilt weiterhin, dass man einmal im Quartal seine Gesundheitskarte vorlegen muss, damit man Dienstleistungen der Praxis nutzen und der Arzt diese abrechnen kann. Entweder hat man die Karte bereits vorgelegt, oder man holt das später nach.

Was ist mit Rezepten?

Die Entscheidung kann auch dem E-Rezept Schwung geben. „Wer telefonisch krank geschrieben wird, kann auch das elektronische Rezept auf diesem Weg erhalten“, sagt Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein. Er könne dann mit seiner Versichertenkarte direkt in die Apotheke gehen, ohne vorher die Praxis aufsuchen zu müssen.

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