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Stiftung Warentest über hormonelle Verhütungsmittel: Pille nicht geeignet

Pille, Spirale, Pflaster und Co. : Stiftung Warentest hält mehr als die Hälfte aller Verhütungsmittel für ungeeignet

In einem Test von 141 Verhütungsmitteln hat die Stiftung Warentest weniger als die Hälfte für geeignet befunden. Das liegt nicht an der Wirksamkeit, sondern an der Verträglichkeit. Besonders von vielen Pillen wird abgeraten. Ein anderes Produkt schneidet dafür gut ab.

Seit die Antibabypille vor mehr als 60 Jahren auf den Markt gekommen ist, ist sie bis heute das am meisten genutzte Verhütungsmittel in Deutschland. Doch die Beliebtheit der Pille ist auf dem absteigenden Ast, immer mehr Frauen stehen hormonellen Verhütungsmethoden kritisch gegenüber. Grund ist ein erhöhtes Thrombose-Risiko, Kostenpflichtiger Inhalt das zuletzt auch im Vergleich mit dem Risiko des Corona-Impfstoffes Astrazeneca im Fokus stand und von Medizinern als ungleich höher bewertet wurde.

Das Problem mit der Pille

In dieselbe Kerbe schlägt nun auch ein Bericht der Stiftung Warentest, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. 141 Mittel zur Empfängnisverhütung wurden untersucht, darunter mehr als 100 Antibabypillen. Geeignet sind den Testern zufolge nicht mal die Hälfte aller Präparate. Der Grund: Bei fast allen hormonellen Verhütungsmitteln besteht ein erhöhtes Thromboserisiko für die Frau. Wenn man sich trotzdem für die Pille als Mittel der Wahl entscheidet, so raten die Experten zu einem Produkt mit möglichst niedrigem Östrogengehalt und den Gestagenen Levonorgestel, Norethisteron oder Norgestimat.

Bei diesen sogenannten Mini-Pillen sei das Risiko für eine Thrombose geringer als bei Antibabypillen mit anderen Gestagenen, erläutern die Tester. Allerdings brauchen Frauen bei dieser Art von Pille Disziplin: Die Einnahmen dürfen niemals länger als 27 Stunden auseinanderliegen, um einen stabilen Schutz zu gewährleisten. Einige Frauen berichten unter der Einnahme außerdem von depressiven Verstimmungen.

Spiralen sind besser geeignet

Neben mehr als hundert Pillen-Produkten hat die Stiftung Warentest auch mehrere Intrauterinpessare (kurz: IUP, umgangssprachlich: Spirale) untersucht. Das Ergebnis: Spiralen sind deutlich besser zur Verhütung geeignet. Es gibt sie mit Hormon oder Kupfer. Das Thrombose-Risiko erhöhen sie nicht, da sie direkt in die Gebärmutter eingesetzt werden und nicht in den Hormonhaushalt des Körpers eingreifen. Sie wirken bis zu fünf Jahren und werden vor allem Frauen empfohlen, die schon ein Kind geboren haben. Einzige Nebenwirkung: Die monatliche Blutung kann sich unter Verwendung einer Spirale verstärken. Preislich sind Spiralen zudem deutlich günstiger: Hormonspiralen kosten zwischen 130 und 210 Euro, Kupferspiralen gibt es bereits ab 21 Euro rezeptpflichtig in der Apotheke zu kaufen. Allerdings berechnen die meisten Gynäkologen zusätzlich noch eine Gebühr für das Einsetzen und die Lage-Kontrolle der Spirale.

Und was ist mit Spritze, Implantat, Pflaster und Ring?

Neben Pillen und Spiralen wurden noch weitere Verhütungsmethoden auf ihre Verträglichkeit hin von der Stiftung Warentest untersucht. Die Dreimonatsspritze empfehlen die Arzneimittelexperten grundsätzlich nicht als Standardmittel zur Empfängnisverhütung, da sie eine Reihe von schweren Nebenwirkungen provoziert. So verringert sie beispielsweise die Knochendichte. Bei Kinderwunsch kann es nach Absetzen der Spritze bis zu zweieinhalb Jahre dauern, bis eine Frau wieder schwanger werden kann.

Wenig geeignet sind demnach auch Implantat, Ring und Pflaster. Das Implantat lasse sich laut Experten nicht immer gut entfernen, kann sogar weite Strecken im Körper wandern und ist dann nicht mehr leicht aufzuspüren. Ring und Pflaster wirkten wie die Pille - es gebe aber Hinweise, dass das Thrombose-Risiko bei beiden Mitteln sogar noch höher ist als bei geeigneten Antibabypillen.

Die Qual der Wahl besprechen

Die Wahl der richtigen Verhütungsmethode ist stark von der jeweiligen Lebenssituation einer Frau abhängig. Die Tester raten daher dringen dazu, die Vor- und Nachteile der Produkte mit ihrem Gynäkologen zu besprechen. Wer trotz der Nebenwirkungen gerne die Pille nehmen möchte, sollte sich ein Präparat mit möglichst niedrigem Östrogen-Gehalt verschreiben lassen.

Dass bereits in den vergangenen zehn Jahren besonders junge Frauen immer seltener zur Pille greifen, wurde 2019 in einer wissenschaftlichen Studie der AOK festgestellt. Demnach haben sich 31 Prozent der gesetzlich versicherten Frauen bis 22 im Jahr 2019 die Pille verschreiben lassen. 2010 waren es noch 46 Prozent. „Das kann mit einem stärkeren Bewusstsein dafür zu tun haben, dass die Pille kein Lifestyle-Präparat ist, sondern in den Hormonhaushalt eingreift und auch Nebenwirkungen haben kann“, sagte Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbandes, dessen wissenschaftliches Institut die Untersuchung dazu in Auftrag gegeben hatte. Die nun veröffentlichten Bewertungen der Stiftung Warentest unterstreichen diese Einschätzung deutlich.

(mit Material von AFP)