Beziehung: Zurück zum Ex – funktioniert das?

Es passiert bei Promis und im normalen Leben: Erst ist Schluss, doch nach einer Zeit der Trennung denken beide über einen neuen Beziehungsversuch nach. Kann das gelingen? Wir haben Experten gefragt.

Die Partnerschaften ist zwar vorbei, gemeinsame Berührungspunkte gibt es aber trotzdem noch: Gemeinsame Kinder, gemeinsame Freunde oder Hobbies, die einen verbinden. Vielleicht trifft man sich auch an einem schönen Nachmittag im Frühling und erinnert sich plötzlich an damals, als alles noch so schön war. Macht es Sinn, dann einen zweiten Versuch zu wagen.

„70 Prozent solcher sogenannten Bumerangbeziehungen bleiben laut Statistik im zweiten Anlauf stabil“, sagt Paartherapeutin Manuela Komorek. Sie selbst kam drei Jahre nach dem Beziehungsende erneut mit ihrem damaligen Partner zusammen. „Heute sind wir fast 20 Jahre verheiratet“, sagt die Berlinerin.

Dass sie damit keine Ausnahme ist, weiß auch der Duisburger Paartherapeut Norbert Schmitt. Auch er verurteilt aufgewärmte Beziehungen nicht zwingend zum Scheitern. Hier erklären die beiden Experten, wie ein Beziehungs-Revival gelingen kann und wann man besser die Finger davon lassen sollte.

  • Wann kann es mit dem Beziehungs-Neustart klappen?

Finanzielle Belastungen, die berufliche Karriere, kleine Kinder, gesundheitliche Probleme oder eine Fernbeziehung können eine Liebe nicht nur auf eine harte Probe stellen, sondern zum Scheitern führen, sagt Paartherapeut Norbert Schmitt.

Die Partnerschaft geht schleichend in die Brüche, obwohl die Chemie zwischen den Partner grundsätzlich gestimmt hat. Ändert sich etwas an der äußeren Situation, kann es auch mit der Beziehung wieder klappen, sagt Schmitt. Kommen also zum Beispiel die Kinder in den Kindergarten, ist der berufliche Karrieresprung geschafft oder ist eine räumliche Trennung etwa durch den Beruf vorbei, ergibt sich manchmal für Paare eine neue Basis, von der aus man trotz gescheiterter Beziehung nochmals anknüpfen kann.

  • Wie kann es dazu kommen, dass man sich doch wieder auf seinen Ex-Partner einlässt?

„Auch in langjährigen Beziehungen verlaufen Partnerschaften nie konstant. „Sie sind von Dynamik geprägt. Es ist normal, dass sich Paare voneinander entfernen, um später wieder näher zusammen zu sein“, sagt Komorek. Auf eine gescheiterte Beziehung übertragen heißt das: Ein Beziehungsende schließt das spätere Zusammenrücken nicht aus.

„Manchmal entwickelt sich auch der Blick für den anderen erst im Nachgang“, sagt Schmitt. Ist der Partner nicht mehr da, weiß man plötzlich, was man eigentlich an ihm hatte. Zu einem solchen Aha-Erlebnis kann es auch kommen, wenn auf die gescheiterte erste Beziehung andere folgen. „Manchmal erlebt man, dass nachfolgende Beziehungen nur von kurzer Dauer sind“, sagt Komorek. Ein möglicher Grund dafür: Sie halten der beendeten Beziehung im Vergleich nicht stand, weil die alte Liebe eigentlich doch die passendere war.

  • Was sind schlechte Voraussetzungen für einen Neuanfang?

Abhängigkeit von Alkohol, Tabletten oder Drogen machen einen Neustart schwierig. Oft befänden sich Partner in einer Co-Abhängigkeit, sagt Komorek. Sie entschuldigen das Verhalten des süchtigen Partners und fördern es somit durch ihr Handeln. „Es ist ungeheuer schwer, aus solchen Mustern auszubrechen und den Neustart stabil hinzubekommen“, sagt Komorek. Schwierig ist es auch, wenn es zu körperlicher Gewalt in der Beziehung gekommen ist.

Schlechte Chancen für einen Neustart haben auch Paare, bei denen einer der Partner untreu war. Der Grund: Wer fremd geht, verliert das Vertrauen des anderen. „Nur zehn bis 20 Prozent der Paare gelingt es aus dieser Situation wieder heraus zu kommen und das Vertrauen wiederzufinden“, sagt Schmitt.

So ist es mit allen Verletzungen, die dazu führen, dass man nicht mehr lieben kann, sagt Schmitt. In jeder Beziehung gebe es einen Punkt, an dem die Chance darauf unumkehrbar verloren gehen könne.

  • Welche Fehler machen die meisten Paare beim Liebes-Comeback?

Oft ist Paaren nicht bewusst, warum sie es eigentlich nochmals miteinander versuchen wollen, sagt Komorek. Sie rät darum dazu, nach einer Trennung rund ein Jahr bewusst den Kontakt zueinander ruhen zu lassen und den Zeitraum zu nutzen, um zu schauen, wo man selbst steht und was man selbst möchte.

Vor einem Neustart sei es wichtig, sich darüber bewusst zu werden, was zur Trennung geführt habt. Wer das nicht tut, läuft Gefahr, erneut in alte Verletzungsmuster zu fallen und mit bekannten Vorwürfen den Neuanfang zunichte zu machen.

Gar nicht hilfreich: So zu tun, als wäre nichts gewesen, sagt Komorek. In solchen Momenten bleiben Verletzungen unausgesprochen. Über diese Hürden stolpern Paare früher oder später auch ein zweites Mal.

  • Wie kann man die alte Liebe wiederbeleben?

Besonders Beziehungen mit Kindern haben im zweiten Anlauf eine gute Chance, dauerhaft zu funktionieren, sagen die beiden Experten. Voraussetzung allerdings: man verspürt noch Zuneigung zum ehemaligen Partner und versucht es nicht nur wegen der Kinder wieder miteinander.

„Stellen Sie sich selbst die Frage: Was muss ich tun, damit es diesmal klappt“, sagt Schmitt. Man könne den Partner nur so lieben wie er sei und nicht, so wie man ihn gerne hätte.

Komoreks Rat: „Tun Sie etwas, was Sie vorher nicht getan haben. Wir haben zum Beispiel geheiratet.“

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