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"Mann trifft Frau": Von Männern und Frauen und dem ewigen Unterschied

"Mann trifft Frau" : Von Männern und Frauen und dem ewigen Unterschied

Kaum etwas ist mit mehr Klischees verbunden als der berühmte Unterschied zwischen den Geschlechtern. Ganz ohne Stereotype kommt auch "Mann trifft Frau" nicht aus. Die Grafiken von Designerin Yang Liu sind in ihrer Schlichtheit jedoch so treffend wie humorvoll - und manche überraschend provokant.

Eigentlich gibt es sie doch heute gar nicht mehr, die klassische Rollenverteilung der Geschlechter: Er bleibt auch mal zuhause und kümmert sich um Haus und Kind, sie klettert auf der Karriereleiter stetig nach oben. Aber eigentlich ist immer noch vieles beim Alten: Legt sie den Hauptfokus auf ihre Karriere und nicht auf ihre Kinder, gilt sie als Rabenmutter; und als Chef wünschen sich beide Geschlechter doch lieber einen Mann als eine Frau.

Es hat sich also einiges geändert, aber vieles eben auch nicht. Genau das hat Yang Liu in ihrem Bildband "Mann trifft Frau" (Taschen-Verlag, 128 Seiten, 12 Euro) festgehalten. Im schlichten Piktogramm-Stil nimmt die Designerin Geschlechterrollen und Klischees auseinander, die trotz aller Debatten das gesellschaftliche Leben weiterhin prägen - und das sowohl auf der privaten als auch auf der beruflichen Ebene. "Als berufstätige Ehefrau und Mutter muss ich immer wieder feststellen, wie viele kleine und große Unterschiede zwischen Mann und Frau existieren, trotz der fortwährenden Debatte zu dieser Thematik und der ständigen Neudefinition der Rollen", schreibt Liu im Vorwort ihres neuen Werks.

"Bin ich wieder dick geworden"

Witzig und gleichzeitig traurig-wahr ist beispielsweise Yang Lius Gegenüberstellung der unterschiedlichen Selbstwahrnehmung von Mann und Frau: Wenn das männliche Piktogramm-Männchen in den Spiegel schaut, sieht es über seinen kleinen Bauchansatz einfach hinweg; das weibliche Pendant hingegen zaubert sich einige Kilogramm mehr auf die Hüften und plant bereits die nächste Diät.

Auf den letzten der 128 Seiten geht es etwas provokanter zu. Statt der üblichen Stereotypen thematisiert die Designerin hier Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die nur selten in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Das macht sie nicht weniger brisant. Schlägt ein Mann eine Frau, wird er als gewalttätig gebrandmarkt. Eine Frau, die ihren Partner ohrfeigt, gilt hingegen als temperamentvoll - was von vielen sogar als positive Charaktereigenschaft angesehen wird. Gleiches Spiel einige Seiten weiter: Eine Frau, die ihre Meinung durchsetzt, hat eine starke Persönlichkeit - ein Mann wiederum wird ganz schnell zum Macho.

Fazit

Humorvoll ist Yang Lius "Mann trifft Frau" allemal. Doch der Bildband eignet sich nicht nur zum schnellen Durchblättern. Er bietet Stoff zum Nachdenken, da die Künstlerin nicht nur alte Klischees bedient, sondern sich auch an gesellschaftlich Kontroverses heranwagt.

Sehen Sie einige Beispiele in unserer Bilderstrecke.

Die Künstlerin

Yang Liu wurde 1976 in Beijing geboren. Nach einem Studium an der Berliner Universität der Künste arbeitete sie in Singapur, London, Berlin und New York als Grafikerin. 2004 gründete sie ihr eigenes Designstudio. Für ihre Arbeiten, die in Museen und Sammlungen auf der ganzen Welt zu sehen sind, hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Yang Liu lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bildband: Mann trifft Frau