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Plastische Chirurgie: Große Brüste für 24 Stunden - Trend aus den USA

Beauty-Trend aus den USA : Große Brüste für 24 Stunden

In den USA macht sich ein neuer Hype breit: Frauen lassen sich ihre Brust für einen Abend mit Kochsalzlösung größer spritzen. 24 Stunden hält der Traum, dann heißt es zurück zur Realität. Für manche beginnt dann allerdings das böse Erwachen, denn die gesundheitlichen Risiken sind nicht ohne.

Brustvergrößerungen sind in Deutschland die beliebteste Schönheitsoperation. Rund 25.000 Frauen entscheiden sich jedes Jahr nach Angaben der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) für voluminösere Brüste. Die große Mehrzahl — etwa 23.160 — wählen Implantate, um zum Traumbusen zu kommen. Etwa 1580 Patientinnen schlagen zwei Fliegen mit einer Klatsche und nutzen eigene zu arg geratene Wölbungen am Körper, um dort Fett absaugen und daraus eine Körbchengröße mehr aufspritzen zu lassen. Doch das Verfahren macht meist mehrere Eingriffe nötig, um eine ausreichende Größe zu erzielen.

Viel einfacher mutet da ein neuer Trend aus den USA an. Dort lassen sich Frauen mittels Kochsalzinfusion Party-Brüste für einen Abend verpassen, berichtet die New-York-Times und laufen so zum ersten Rendezvous, zum Cocktail-Abend oder Romantik-Dinner mit wassergefüllten Ballons auf.

Party-Brüste aus der Kanüle

Auf dem Rücken liegend lassen sie sich vom Schönheitschirurgen zwei Kanülen in die Brüste schieben, über die rund ein Viertelliter isotonischer Lösung hineinläuft. Für 24 bis 48 Stunden hält der Fake-Busen nach Einschätzung von Prof. Jutta Liebau, Präsidentin der DGPRÄC. In den USA legen Frauen dafür 3.500 Dollar auf den Tisch. Hierzulande hingegen ist diese Methode der zeitlich begrenzten Brustvergrößerung nicht zugelassen.

Entsprechend kategorisch ist das Urteil der Chefärztin der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie der Kaiserswerther Diakonie: "Ein Arzt, der so handelt, handelt unseriös." Angewandt wird das Verfahren jedoch auch hierzulande, um vor einem kosmetischen Eingriff zunächst für einen kurzen Zeitraum zu simulieren, wie es denn mit mehr Oberweite wäre. Anders als bei Computeranimationen soll das den Frauen die Möglichkeit geben, zu fühlen, wie sich das anfühlt. Untersucht oder wissenschaftlich gestützt ist auch dieses Verfahren nicht, sagt Liebau.

Großes Risiko für Hängebrüste

Das, was manche als Party-Gag nehmen, birgt jedoch jede Menge Gefahren und Nebenwirkungen: Denn dort, wo sich zunächst ein attraktiver Push-up-Effekt einstellt, kann nachdem das Kochsalz wieder vom Körper resorbiert und über die Nieren ausgeschieden wurde, ein kraftloser Hängebusen zurückbleiben. Der Grund: "Das Brust- und Stützgewebe wird stark gedehnt, um zunächst den gewünschten Effekt zu erzielen", sagt die Düsseldorfer Chirurgin, dann aber fehlt der pralle Inhalt und übrig bleibt übermäßig erschlaffte Haut. Ein weiterer optischer Patzer ergibt sich durch das unsachgerechte Einfüllen der Kochsalzlösung. Das kann statt zum gewünschten perfekten 24-Stunden-Busen zu hässlichen Dellen, Verformungen oder Asymmetrien führen.

Neben Blutergüssen, Druckgefühl, spannenden und schmerzenden Brüsten sind Hängebrüste ein unschöner, aber eher harmloser Nebeneffekt. Der Party-Spaß hört spätestens dann auf, wenn sich gefährliche Nebenwirkungen einstellen. "Es besteht die Möglichkeit, dass es zu dramatischen Entzündungen im Brustgewebe kommt, die bis zu Gewebeverlust — so genannten Nekrosen — reichen können", sagt Prof. Liebau.

In der einschlägigen Szene geht noch mehr

Doch das schreckt auch in Deutschland einige wenig. In der einschlägigen Erotik- und Porno-Szene greifen sie sogar selbst zu Nadel und Kochsalz, um sich neben Brüsten auch die Hodensäcke zu erotisierenden und angeblich gefühlsintensiveren Bällen aufzuspritzen. In Foren, Selbstberichten und Videos erzählen Menschen, die auf der Suche nach neuen sexuellen Erlebnissen sind, ihre Erfahrungen über die Haltbarkeit und die maximale Menge der Befüllbarkeit ihrer äußeren Geschlechtsorgane.

Ärzten, die um die Wiederherstellung von Brüsten und anderen Körperteilen nach schweren Unfällen oder Operationen bemüht sind, um menschliches Schicksal zu lindern, nimmt das schier den Atem. Selber mit dem Salzstreuer und Wasser aus dem Wasserhahn Kochsalzlösungen anzumischen, hält auch Prof. Liebau für unkalkulierbare Leichtsinnigkeit. Es sei weder eine einwandfreie Desinfektion sichergestellt, noch werde mit sterilen Lösungen gearbeitet. Kommt es durch das unsachgemäße Verwenden von Spritzen oder Infusionen dazu, dass Luft in die Blutbahn eindringt, kann das zu einem lebensgefährlichen Zustand führen.

Luftembolie nennen Mediziner diese Situation, in der Luft in die Blutbahn gerät und sich schließlich in der rechten Herzkammer mit Blut vermischt und es aufschäumt. Dadurch kann es nicht problemlos weiter in die Lunge gepumpt werden. Schnell kommt es zu einem gefährlichen Sauerstoffdefizit, das sich in blauer Haut, Lippen und Mundschleimhäuten zeigt. Schließlich bricht der Kreislauf zusammen.

Weder Erotik noch Feierlaune mag in Anbetracht der nüchternen medizinischen Tatsachen aufkommen. Allemal besser ist es da, sich mit dem zu begnügen, was die Natur gegeben hat, für den One-Night-Effekt mit einem Pust-up-BH nachzuhelfen oder im anderen Fall ernsthaft zu prüfen, ob nicht eine dauerhafte Brustvergrößerung dann doch das gewünschte Ziel ist. Ein Busen eben, dem nicht die Luft ausgeht.

(wat)