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Rauchen, Infektionen und Co: Kinderlos — Wann es am Mann liegt

Rauchen, Infektionen und Co : Kinderlos — Wann es am Mann liegt

Wenn ein Paar ungewollt kinderlos bleibt, ist meist die Frau die erste, die sich auf Ursachenforschung begibt. Dabei liegt das Problem in der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein zu spät behandelter Hodenhochstand in der Kindheit kann ebenso dahinter stecken wie genetische Gründe. Was Mut macht: Einige Ursachen lassen sich einfacher beheben, als Mann denkt.

Unfruchtbar heißt nicht impotent zu sein. Nur in wenigen Fällen verursacht eine Erektionsstörung die Kinderlosigkeit. Meist sind es jedoch andere Ursachen, die den Wunsch vom eigenen Kind nicht in Erfüllung gehen lassen. In 30 Prozent der Fälle liegt das Problem bei der Frau, in 30 Prozent der Fälle beim Mann. In weiteren 30 Prozent liegt des Übels Wurzel bei beiden Partnern. Völlig im Dunkeln bleibt es bei zehn Prozent der Paare, so die Zahlen des MVZ PAN Instituts für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Köln.

Hodenverletzung, Fehlbildungen, Krankheiten wie Diabetes oder ein Hodenhochstand können ebenso Gründe für die ungewollte Kinderlosigkeit sein wie hormonelle Probleme oder der persönliche Lebensstil . "Häufig sind es aus der Kindheit rührende Veränderungen, wie zum Beispiel ein Hodenhochstand, der er mit sechs oder sieben Jahren behoben wurde", erklärt Prof. Sabine Kliesch, Chefärztin am Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie der Uniklinik Münster. Er ist die häufigste angeborene Anomalie. Mit einem operativen Eingriff kann man ihn früh beheben. Bis spätestens zum Ende des zweiten Lebensjahres sollte er erfolgt sein, rät sie. Nimmt man den Eingriff zu spät vor, nehmen die Samen dauerhaft Schaden. "Sie werden dann durch die höhere Umgebungstemperatur in der Leistengegend geschädigt", sagt die Andrologin.

Wie eine Impfung vor Zeugungsunfähigkeit schützen kann

Auch durch Infektionen nach der Pubertät kann es zu Problemen kommen, die sich später in einer Zeugungsunfähigkeit zeigen. Mumps gehört zu den gefürchteten Erkrankungen. Denn sie kann beim Jungen zu einer Hodenentzündung und in Folge dessen sogar zu Hodenschwund führen. Rund 42 Prozent der mumpskranken männlichen Teenager schlägt die Infektionskrankheit auf die Hoden. Verhindern kann man solche Zwischenfälle durch eine frühzeitige Schutzimpfung. Wenig problematisch und schnell zu beheben sind auch versteckte Infektionen beim Mann. "Da reicht manchmal eine Antibiotikatherapie aus, um dem Paar nachhaltig zu helfen", sagt die Andrologin.

Mit Krampfadern haben Männer wie Frauen häufig in den Beinen zu tun. Solche knotig erweiterten Venen können zudem im Hoden auftreten. "Dabei können wir nicht sagen, dass sogenannte Varicozele in jedem Fall problematisch sind. Manche Männer beeinträchtigen sie gar nicht, für andere hingegen sind sie die Ursache für die Zeugungsunfähigkeit", so die Andrologin aus Münster. Unter sieben operierten Patienten ist einem durch diesen Eingriff statistisch gesehen geholfen.

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Glimmstengel senkt Wahrscheinlichkeit um die Hälfte

Vollkommen unterschätzt wird hingegen der Einfluss, den Zigarettenkonsum in Sachen Kinderplanung hat. Bei starken Rauchern reduziert sich die Chance auf eine Befruchtung um 50 Prozent und das bei beiden Partnern. "Welcher Faktor genau dafür zuständig ist, können wir nicht sagen", so Prof. Kliesch. Auch können die Mediziner nicht genau sagen, wie lange es dauert, bis die volle Zeugungsfähigkeit wiederhergestellt ist. "Da aber beim Mann alle drei Monate eine neue Generation Spermien heranwächst, ist dieser Zeitraum immer ein Anhaltspunkt", äußert die Expertin.

Wie groß andere äußere Einflüsse sind, wird wissenschaftlich noch diskutiert. Für wahrscheinlich halten die Mediziner, dass Alkohol einen Einfluss auf den Hormonstoffwechsel haben kann. Unsicher ist sich die Forschung in Sachen Ernährung: Wie wahrscheinlich es ist, dass adipöse Männer bei der Zeugung Nachteile haben, ist unklar. "Wir wissen aber, dass sich bei solchen Patienten, dann wenn sie abnehmen, die Situation deutlich verbessert", sagt Prof. Sabine Kliesch. Eine der größten Hürden dabei: Die Situation ändert sich nicht von jetzt auf gleich. Bei vielen Paaren, die medizinisch Hilfe bei der Kinderplanung suchen, tickt aber die biologische Uhr und erzeugt zusätzlichen Stress.

Stress geht auf die Potenz

Genau das können Paare, die Kinder herbeisehnen, allerdings gar nicht gebrauchen: Stress, der den Hormonhaushalt durcheinanderbringt. Daueranspannung im Job oder Unruhe und Belastung in der Beziehung können mehr Einfluss auf die Zeugungsfähigkeit haben, als manchem bewusst ist. Besonders heftig wird es, wenn das Paar neben äußeren Belastungen zusätzlich in die Stressspirale rund um den Kinderwunsch gerät. Fragen von Familie und Freunden, die ans Eingemachte gehen, an intimsten Problemen rühren und das monatliche Hoffen und Bangen — auch unter einer Therapie in der Kinderwunschklinik fordern dem betroffenen Mann wie auch der Frau äußerstes ab.

Dennoch ist bislang wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt, wie groß der Einfluss von Dauerstrom ist. Der Grund: "Es gibt bisher nur sehr wenig qualitative Studien, die sich mit der Lebensqualität von Männern mit unerfülltem Kinderwunsch beschäftigen und erforschen", so das Universitätsklinikum Heidelberg, das sich in verschiedenen Studien mit den psychischen und psychosomatischen Begleiterscheinungen rund um ein Leben ohne Kind befasst hat. Während einige Wissenschaftler schätzen, ein unerfüllter Kinderwunsch unter 100 gehe auf das Konto von Stress, halten andere solche Einschätzungen für übertrieben.

Alte Spermien werden langsamer

Oft liegt hängt die wankende Familienplanung schlicht an der schlechten Qualität der Spermien. Der Mann produziert zu viele missgebildete Samenzellen oder einfach zu wenig Spermien. Einfluss darauf hat zum Beispiel in kleinem Umfang auch die Sexhäufigkeit. Spermien, die älter als 14 Tage sind, werden weniger beweglich. Bei Männern, die sehr häufig ejakulieren, ist die Zahl der Spermien in der Samenflüssigkeit etwas geringer.

Ohne medizinische Spurensuche sind die meisten Paare nicht in der Lage, die Ursache für die bedrückende Kinderlosigkeit aufzuspüren. Denn äußere Anzeichen gibt es nur für Störungen, die sich anhand körperlicher Symptome zeigen, wie zum Beispiel einer Riechstörung oder fehlender Schambehaarung beim so genannten Kallmann-Syndrom, einer Störung im Bereich des Hirn- oder Drüsensystems.

Helfen können dem Mann Urologen oder Andrologen bei der Ursachensuche. Sie untersuchen den Mann auf tastbare Fehbildungen der äußeren Geschlechtsorgane oder Verhärtungen und Entzündungen. "Leider werden Männer aber nicht regelhaft untersucht. Meist wird nur ein Spermiogramm gemacht", kritisiert Kliesch. Das aber gebe alleine Auskunft über die Qualität der Spermien und die Quantität der Samenflüssigkeit. Wie die Hormone ticken, bleibt oft im Dunkeln. Herausfinden könnten das die Mediziner jedoch leicht durch einen Bluttest und das Ermitteln des hormonellen Regelkreises. Zu einer umfassenden Untersuchung gehört auch die Kontrolle auf Krampfadern und genetische Veränderungen. Kliesch weiß aus ihrer Klinikerfahrung, dass auf diesem Wege vielen Paaren geholfen werden kann. "Pro Behandlungszyklus gehen 20 Prozent mit einem Kind nach Hause."

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(wat)