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Inzest: Alles zu Hintergründen, Definition, Folgen und Strafen

Liebe unter Verwandten : Inzest: Was ist in Deutschland verboten?

Gesellschaftlich gilt Inzest oder Blutschande als Tabu und wird in den meisten Gesellschaften strafrechtlich sanktioniert. Hier erfahren Sie, worum es sich bei Inzest handelt, welche gesundheitlichen Risiken Inzest birgt und in welchen Ländern Inzest straffrei ist.

Inzest taucht zwar in zahlreichen Mythen auf, dennoch stellt es immer einen großen Verstoß der guten Sitten dar - so wie bei Ödipus, der unwissentlich seine Mutter heiratet und das Bett mit ihr teilt. Als er erkennt, was er getan hat, nimmt er sich aus Scham und Schuldgefühl das Augenlicht und lebt fortan im Exil. In der griechischen Tragödie "König Ödipus" von Sophokles zeigt sich wohl das berühmteste Beispiel von Inzest. Es verdeutlicht wie moralisch verwerflich der Sex mit Blutsverwandten ist.

Doch per se hat Inzest nicht nur etwas mit Moral zu tun. Es geht auch darum, dass durch inzestuösen Sex Nachkommen gezeugt werden können, die ein erhöhtes Risiko für genetisch bedingte Anomalien aufweisen. Zum Glück hat die Natur dem Menschen eine Art instinktive Inzest-Barriere in die Wiege gelegt, sodass der Fortbestand der Menschheit garantiert werden kann.

Was versteht man unter Inzest?

Als Inzest wird im Allgemeinen eine sexuelle Beziehung zwischen engen Verwandten verstanden. Inzest kann innerhalb einer Generation, also zwischen Geschwistern (Bruder-Schwester-Inzest), stattfinden. Gleichzeitig können inzestuöse Beziehungen verschiedene Generationen einschießen, wie bei Vater und Tochter beziehungsweise Mutter und Sohn. Mit Blick auf die sexuellen Aktivitäten versteht man aber nicht nur heterosexuellen Geschlechtsverkehr, sondern jegliche Form von sexuellen Handlungen unter Blutsverwandten.

Übrigens: Etymologisch leitet sich das Wort "Inzest" von lateinisch "incastus" ab und bedeutet unrein, unkeusch und unzüchtig.

Was sind die möglichen Folgen von Inzest?

In Deutschland ist der einvernehmliche Sex zwischen engen Verwandten strafrechtlich verboten. Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass in einer inzestuösen Beziehung ein geistig und körperlich behindertes Kind gezeugt wird. Gerade bei Verwandten ersten Grades, also wie bei einer Beziehung zwischen Vater und Tochter oder Bruder und Schwester, liegt die Gefahr einer schweren Behinderung zwischen 30 und 50 Prozent. Die Kinder leiden unter mentale Behinderungen und Erbkrankheiten. Auch das zentrale Nervensystem des Kindes weist in der Regel schwere Defekte auf. Weitere Auffälligkeiten sind Epilepsie, Muskelschwund und Schwerhörigkeit. Zudem kann eine genetisch veranlagte Stoffwechselstörung auftreten. Gleichwohl stellt sich bei inzestuös gezeugten Kindern eine deutlich reduzierte Lebenserwartung ein.

Wenn sich eng verwandte Familienmitglieder auf sexuelle Handlungen einlassen und gewollt oder unbeabsichtigt Kinder zeugen, handeln gegenüber ihren Nachwuchs grob fahrlässig. Denn medizinische Studien haben gezeigt, dass Kindern wegen ihrer Abstammung häufig diskriminiert werden und somit unter einer hohen psychischen Belastung stehen.

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In welchen Ländern ist Inzest erlaubt?

In einigen Ländern ist der einvernehmliche Sex unter Geschwistern und Eltern und erwachsenen Kindern legitim - zum Beispiel in Frankreich. Gleiches gilt auch in Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien. Auch Argentinien, Brasilien, China, Indien, Russland, die Türkei und einige Bundesstaaten der USA (Rhode Island und New Jersey) kennen kein Verbot. Und obwohl Inzest in diesen Ländern strafrechtlich gesehen keine Relevanz hat, heißt das nicht, dass sexuelle Beziehungen unter engen Verwandten von der Gesellschaft grundsätzlich toleriert werden. Schließlich regelt das Inzest-Verbot - allgemein formuliert - soziale und sexuelle Beziehungen innerhalb der Familie und strukturiert im übergeordneten Sinne die Gesellschaft.

In den meisten Ländern der Erde werden inzestuöse Handlungen jedoch als Straftat angesehen. In Deutschland ist es der Paragraf 173 des Strafgesetzbuches, der besagt, dass der Beischlaf zwischen Eltern und Kindern sowie Großeltern und Enkeln strafrechtlich verfolgt wird. Wer dagegen verstößt, riskiert entweder eine Geldstrafe oder muss mit einer zweijährigen Haftstrafe rechnen.

Warum ist Inzest in Deutschland verboten?

In vielen Gesellschaften ist Inzest tabu, gleichwohl mit Abstufungen. Kleopatra beispielsweise war mit ihrem Bruder verheiratet, und das wurde im alten Ägypten als ganz normal angesehen. Nichtsdestotrotz kommt man nicht umhin zu erwähnen, dass beinahe jedes Kind, das aus einem Inzest ersten Verwandtschaftsgrades hervorgegangen ist, unter physischen und psychischen Einschränkungen zu leiden hat. Allein vor diesem Hintergrund hat der Staat die Pflicht, die Ehe und Familie zu schützen. Die rechtliche Grundlage bildet in Deutschland der Paragraf 173 des Strafgesetzbuches. Danach werden leibliche Verwandte sowie leibliche Geschwister bestraft, "die miteinander den Beischlaf vollziehen". Das gilt übrigens auch für adoptierte Kinder.

Folgende Strafgründe kommen beim § 173 StGB zum Tragen:

  • Schutz der Ehe und Familie
  • Schutz möglicher zukünftiger Inzestkinder vor Diskriminierung
  • Vermeidung der Geburt von genetisch belasteter Nachkommen
  • Schutz der sexuellen Selbstbestimmung
  • Aufrechterhaltung eines gesellschaftlich bestehenden Tabus

Exkurs: Die Wurzeln des Verbots von sexuellen Handlungen zwischen Blutsverwandten reichen bis ins Altertum zurück. Bereits im "Kodex Hammurabi" aus dem Jahr 1800 v. Chr. finden sich Rechtssprüche, die sich auf inzestuöse Beziehungen (§§ 154 - 158) beziehen. Darin heißt es im § 154: Der Vater, der seine Tochter "erkennt", also den Beischlaf vollzieht, wird "aus dem Ort" vertrieben. Nach § 157 wird der Sohn, der nach dem Tod seines Vaters im Schoß seiner Mutter schläft, verbrannt. Gleiches gilt übrigens auch für die leibliche Mutter. Auch im Strafrechtskatalog der Constitutio Criminalis Carolina, der Peinlichen Halsgerichtsordnung Kaiser Karl V. aus dem Jahr 1532 wird Inzest behandelt. Dort steht im § 117 geschrieben, dass derjenige unter Strafe gestellt wird, der "mit nahen gesipten freunden" Inzest vollzog. Im Reichsstrafgesetzbuch von 1871 hieß das dann "Blutschande", die mit an die fünf Jahre Zuchthaus bestraft wurde.

Was ist der Unterschied zwischen Inzest und Inzucht?

Als Inzest bezeichnet man eine verbotene sexuelle Beziehung zwischen Verwandten wie Geschwistern oder Eltern und ihren Kindern. Interessanterweise gilt das Inzest-Verbot nur für vaginalen Geschlechtsverkehr, homosexuelle Handlungen fallen nicht darunter. Wer glaubt, dass Inzest nur in der Theorie vorkommt, der irrt. Denn inzestuöse Handlungen existieren im alltäglichen Leben und können ernsthafte Folgen für die Beteiligten haben. Im Falle einer gewollten oder ungewollten Schwangerschaft besteht nämlich das Risiko für geistige und körperliche Erkrankungen sowie für die Verbreitung von Erbkrankheiten. Somit kann man sagen, dass Inzucht als die sexuelle Fortpflanzung unter nahe miteinander verwandter Menschen verstanden wird.

Vorteile der genetischen Vielfalt

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die genetische Vielfalt eine Eigenschaft der Natur ist, die als selbstverständliche Grunderscheinung des Lebens angenommen werden muss. Das gilt bei der Fortpflanzung der Menschen umso mehr. Denn sollten genetische Durchmischungen durch Inzucht nicht mehr gewährleistet sein, so findet kaum noch eine genetische Auffrischung statt und der Verlust an genetischer Vielfalt führt letztlich zu rezessiv erbliche Krankheiten. Bereits die Jäger und Sammler der Steinzeit, die sich anfangs innerhalb ihrer eigenen Horde vermehrten, hatten die möglichen Gefahren von Inzucht erkannt und gingen irgendwann dazu über, Verbindungen mit Partnern außerhalb der Horde einzugehen. Dadurch konnte im Laufe der Jahrhunderte dafür Sorge getragen werden, dass eine genetische Auffrischung stattfand. Und das ist auch gut so, denn die genetischen Variationsmöglichkeiten von Menschen war wichtig, um sich an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen und auf der ganzen Welt auszubreiten.

Kurzum: Genetische Vielfalt verheißt Schutz vor auftretenden Schäden des Erbguts. Denn Inzucht birgt die Gefahr von verminderter Fruchtbarkeit, Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Wachstum der gleichen Art.

Das genetische Risiko bei Inzucht von Menschen - Erbkrankheiten

Nach der Entzifferung des menschlichen Erbguts wissen wir, dass der Mensch aus ungefähr 30.000 Gene besteht. Der überwiegende Teil aller Gene liegt in zwei Kopien im Erbgut des Menschen vor - nämlich eine väterliche und eine mütterliche Kopie. Und bei der Fortpflanzung geben wir wieder nur eine weiter. Dabei kann es vorkommen, dass die Eltern selbst nicht unter einer Erbkrankheit leiden, obwohl sie krankmachende Gene in sich tragen. Wenn aber Inzucht unter nahen Verwandten praktiziert wird, dann besteht die Gefahr, dass mutierte Gene aufeinandertreffen und eine Erbkrankheit hervorrufen.

Das Risiko für die Vererbung einer bestehenden Erbkrankheit:

  • 3 Prozent bei nicht-blutsverwandten Partnern
  • 4 Prozent bei blutsverwandten Partnern 2. Grades
  • 6 Prozent bei blutsverwandten Partnern 1. Grades (z.B. inzestuöse Beziehung zwischen Cousin und Cousine)
  • 13 Prozent bei blutsverwandten Partnern wie Onkel und Nichte, Tante und Neffe oder Großeltern und Enkelkind
  • 25 Prozent bei blutsverwandten Partnern wie Vater und Tochter, Mutter und Sohn oder Bruder und Schwester

Hier finden Sie weitere Informationen zu Sexualität & Liebe.

Wo gibt es im Tierreich Inzest?

Genauso wie die Menschen sind auch Tiere darum bemüht, Inzest zu vermeiden. Im Gegensatz zu den Menschen passiert dies aber eher unabsichtlich, indem sich Jungtiere von der Gruppe absondern oder von den Eltern nicht mehr in ihrer Nähe geduldet werden. Somit lässt sich sagen, dass Inzest unter Tieren eher zufällig als bewusst stattfindet. Ebenso können verwandtschaftliche Beziehungen entstehen, wenn den Tieren die Freiheit der Partnerwahl genommen wird und dazu veranlasst werden, das allseitige Inzestverbot zu durchbrechen. Das geschieht ein der Regel bei Tieren in der Gefangenschaft. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel, dass es in der Tierwelt trotz instinktiver Inzestvermeidung dennoch zu inzestuösen Beziehungen kommt, wie etwa bei Wachteln, Bonobos, Buntbarschen und Nacktmullen.

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