Beziehungsstreit - Was Paare in Konflikten falsch machen

Die sieben Todsünden im Beziehungsstreit : So streiten Paare richtig

Konfliktsituationen sind in Partnerschaften normal. Wichtig ist nur, richtig damit umzugehen. Sieben typische Fehler beim Beziehungsstreit und wie Sie es besser machen.

Zu viel Streit - das geben Paare häufig als Auslöser für eine Trennung an. Dabei kommt es weniger auf die Häufigkeit von Streit an, sondern darauf, wie man sich streitet, fand der amerikanische Beziehungsforscher John Gottman heraus. Er entwickelte sogar ein Verfahren, mit dem er anhand eines 15 Minuten langen Paarstreits mit 94-prozentiger Wahrscheinlichkeit prognostizieren kann, ob ein Paar sechs Jahre später noch liiert sein wird. Über einen Zeitraum von 40 Jahren beobachtete er rund 3000 Paare in Auseinandersetzungen und befragte sie.

Das ergab am Ende nicht nur eine Menge Daten, sondern auch die Erkenntnis: Wenn Paare sich im Streit einander zuwenden und non-verbal positive Signale senden, können sie den Konflikt gut beenden. Was aber sorgt dafür, dass Streit eskaliert? Wir haben Experten nach den sieben Todsünden im Streit gefragt:

  • Todsünde 1 - Pauschale Vorwürfe: Immer und nie… Immer lässt du deine Sachen herumliegen! Nie hörst du zu! – Das Problem solcher Aussagen: „Verallgemeinerungen lassen sich nicht in Beobachtungen fassen“, sagt Melanie Bieber Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation aus Alpen. Natürlich gibt es niemanden, der immer und zu jeder Zeit seine Sachen herumliegen lässt. Solche Pauschalisierungen können verletzen. „Oft rührt es daher, dass Menschen mit etwas unzufrieden sind, aber sich nicht genau überlegen, wie sie es konstruktiv auf den Punkt bringen“, sagt Diplom-Psychologin, Verhaltenstherapeutin und Schlagfertigkeitstrainerin Miriam Kegel aus Köln.

Tipp: Strukturieren Sie sich und machen Sie es so konkret wie eben möglich, raten die beiden Expertinnen. So vermeiden Sie, dass das Gespräch zum destruktiven Angriff wird und sich verläuft.

  • Todsünde 2 - Du-Botschaften: „Du hast wieder Zahnpasta auf den Waschbeckenrand geschmiert!“ Was bei Du-Botschaften passiert: Es wird eine Verhaltensweise des anderen problematisiert. Ich vermittele dem anderen damit, dass er etwas Falsches tut. Die andere Person kommt in eine Defensive. Das führt zu negativen Emotionen und dem Wunsch Widerstand zu leisten, sagt Kegel.

Gelingt es hingegen den Kritikpunkt so zu formulieren, dass die andere Person in die Position kommt, mir durch eine Verhaltensänderung eine Freude zu machen, ist laut Verhaltenstherapeutin Kegel die Wahrscheinlichkeit größer, dass die andere Person auf mich zukommt. Ich bringe die andere Person in die positive Situation des Gebers.

Die Kritik an der Schmiererei im Bad ließe sich laut Kommunikationstrainerin Bieber besser so formulieren: „Ich möchte mich gerne zu Hause wohl fühlen. Darum putze ich jeden Tag übers Waschbecken. Es frustriert mich, wenn ich sehe, dass da Zahnpasta klebt. Es wäre schön, wenn wir es gemeinsam sauber halten und ich brauche Unterstützung. Bist Du bereit, dass wir darüber sprechen, wie wir uns gegenseitig unterstützen können, um uns wohler zu fühlen?“

Tipp: Formulieren Sie Ich-Botschaften. Diese wirken weniger aggressiv, verletzend und verallgemeinern nicht. Sie bewerten nicht, sondern zeigen, welche Befindlichkeit sie in mir auslösen, sagen die Expertinnen. Hilfreich ist es zudem, eine Bitte um Unterstützung zu formulieren statt eines Vorwurfs.

  • Todsünde 3 - Gewinnen wollen: „Liebe und Macht passen nicht zusammen“, sagten bei einer Umfrage des Berliner Psychologen und Psychotherapeuten Wolfgang Krüger 82 Prozent der Paare. Dennoch läuft Streit oft nicht auf Augenhöhe ab. Streitigkeiten entstehen oft dadurch, dass es eigentlich gar nicht die Absicht eines oder beider Partner ist, den Bedürfnissen des anderen entgegenzukommen, sagt Kegel. In solchen Fällen fehlt beim Konfliktbeginn von Anfang an die Bereitschaft zu einer gemeinsamen Lösung. Der Streit hat dann oft den Zweck, die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen oder die eigenen negativen Emotionen herauszulassen, sagt die Paar- und Verhaltenstherapeutin. Der andere wird zum Blitzableiter für die eigenen unguten Emotionen.

Tipp: Um positiv streiten zu können, muss ich bereit sein, die Bedürfnisse des anderen als genauso wichtig zu erachten wie meine eigenen, sagt Kegel. Nur wenn ich diese Bereitschaft habe, kann ich Lösungen finden, die die Interessen beider Partner berücksichtigen.

  • Todsünde 4 - Zum Rundumschlag ausholen: Erst sind es nur die nicht weggewischten Krümel auf dem Küchentisch – eigentlich eine Kleinigkeit. Doch in Sekundenschnelle wächst daraus ein riesiges Grundsatzproblem. Das Geschirr war nämlich auf der Spülmaschine abgestellt statt eingeräumt. Und wenn man schon mal dabei ist: die ungebügelte Wäsche nervt schon lange und die Unordnung im Schlafzimmer auch. Konflikte, die zum Rundumschlag werden, sind oft ein Indiz dafür, dass das Bewusstsein darüber fehlt, wie ich etwas kommuniziere und welches Ziel ich erreichen möchte, sagt Kegel.

Tipp: Gehen Sie empathisch auf den anderen zu und formulieren Sie konkret und positiv, was Sie möchten, rät Melanie Bieber. Achten Sie dabei darauf, dass Sie die Anliegen und Empfindungen des anderen miteinbeziehen und nach seinen Beweggründen für ein bestimmtes Vorgehen fragen, statt alle Probleme auf einmal in den Topf zu werfen.

  • Todsünde 5 - Nicht den passenden Rahmen wählen: Vor Freunden zu explodieren oder mit dem Konfliktgespräch den anderen gleich nach Feierabend im Flur mit Kritik überfallen - das ist kein guter Auftakt für ein Gespräch. Das Problem: „Ich überschütte den anderen unerwartet mit einem Problem und weiß nicht einmal, ob er gerade bereit ist, darüber zu reden“, sagt Kegel. Oftmals steckt dahinter das Unvermögen, seine eigenen Emotionen zu beherrschen.

Tipp: Gehen Sie nicht ins Gespräch, wenn Sie bemerken, dass Sie Ihre Gefühle nicht gut steuern können, rät Kegel. Versuchen Sie nicht aus dem Affekt heraus zu streiten, sondern machen Sie sich zunächst selber klar, was Inhalt des Gesprächs mit Ihrem Partner sein soll. Besonders bei wichtigen Themen sollten Sie Ihren Partner zunächst fragen, wann er gesprächsbereit ist. Auf diese Weise den Gesprächsrahmen abzustecken ist eine Geste der Wertschätzung. Weil der Partner so die Chance hat, sich mental auf das Gespräch einzustellen, wird er laut Kegel meist wesentlich aufnahmebereiter sein.

  • Todsünde 6 - Rabattmarken kleben: „Menschen neigen dazu, Dinge zurückzuhalten“, sagt Bieber. Vergessen sind sie darum trotzdem nicht, sondern landen innerlich auf einer immer länger werdenden Rechnung. Dabei wird oft nur auf die eigenen Bedürfnisse geschaut und nicht auf das, was möglicherweise der Auslöser für das Verhalten des anderen war. Das Problem – wenn auch nur kurzfristig – unter den Teppich zu kehren ist keine Lösung. Am Ende wird man doch irgendwann wieder darüber stolpern. Vorsicht dann vor dem Rundumschlag!

Tipp: Versuchen Sie für ein Konfliktthema eine Lösung im Gespräch zu erarbeiten. Besprechen Sie nicht mehrere Themen in einem Gespräch. Dies führt laut Kegel schnell zu einer Überforderung beider Gesprächspartner und damit zu einer negativen Gesprächsatmosphäre, die zur Eskalation führt.

  • Todsünde 7 - Kritik diffus mitteilen Eine ganz alltägliche Äußerung wie „Der Mülleimer ist voll“ kann so zur Belastungsprobe werden. Während sie mit ihrer Bemerkung die unausgesprochene Bitte verbindet, er möge doch bitte diesmal den Mülleimer ausleeren, geht er über die Äußerung hinweg. Dafür kann es zwei Gründe geben.

1. Er hat die indirekte Aufforderung nicht verstanden.

2. Dass der Mülleimer voll bleibt und der andere ihn nicht leert, kann auch daran liegen, dass er diesen Wunsch nicht erfüllen möchte. Es bringt nichts, diesen dann zu wiederholen.

Viele Menschen vernachlässigen diesen Punkt, wenn sie sich fragen, warum es immer wieder zu Streitsituationen kommt sagt Kegel. Wenn ich selbst den Mülleimer nicht leeren will, werde ich weichere Formulierungen selbstverständlich auch überhören. Eine konkrete Ansprache oder Frage, die mit ja oder nein beantwortet werden kann, macht hier die wahren Bedürfnisse sichtbar. Oft ist eine sehr indirekte Kommunikation eines Wunsches oder einer Bitte auch der Versuch, sich einem klaren Nein des anderen zu entziehen. Denn, wenn ich gar nicht direkt frage, kann der andere auch nicht direkt nein sagen. Dies ist der Grund, warum viele Menschen so unklar in ihrer Kommunikation sind, sagt Diplom-Psychologin Miriam Kegel

Tipp: Üben Sie konkret und wertschätzend Kritik. Bitten Sie um Unterstützung, statt einfach eine Aussage in den Raum zu werfen. Ein Lösungsvorschlag: „Es ist so viel liegen geblieben in letzter Zeit. Jetzt sehe ich, dass der Mülleimer überquillt. Ich brauche Unterstützung. Würdest du ihn bitte leeren?“

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