Beziehungskrise: Beflügelnde Phase oder der Anfang vom Ende?

Beziehungs-Ratgeber: Ist es nur eine Beziehungskrise oder schon das Ende?

Immer wieder dicke Luft in der Beziehung. Der Weg durch eine Partnerschaftskrise kann – gemeinsam gemeistert – beflügelnd sein. Manchmal ist eine Krise jedoch auch der Anfang vom Ende. Das sind die Signale, die ein Beziehungsaus ankündigen.

Als die Liebe noch frisch war, haben sie sich verabredet, jede Minute miteinander verbracht, es genossen zu reden und zu lachen. Da wollten sie sich nah sein, die Meinung des anderen hören. Dann kam der Alltag und irgendwann immer häufiger Stress. Streit darüber, dass er nie den Müll herunter bringt und Groll über ihre dauernden Verspätungen. - Miteinander zu streiten und sich auseinander zu setzen, das kommt in jeder Beziehung vor. Beunruhigend wird es erst dann, wenn nach dem Streit das Gefühl der Hoffnungslosigkeit in einem der Partner zurückbleibt.

Das sind Anzeichen, die Sie als Warnsignal sehen sollten:

  • Warnsignal 1: Die Beziehung besteht aus Kritik und Verletzung Dem anderen sagen zu können, was nicht rund läuft, ist die Basis einer gesunden Beziehung. Hagelt es aber fortwährend Kritik oder macht sich Dauernörgeln breit, schwächt das die Beziehung. Kommt es zu Verletzungen geraten Paare darüber häufig in ein Pingpong-Spiel aus Schuldzuweisungen. „Du hast aber gesagt… und nur darum habe ich…“, in solchen Streitgesprächen ist schwer, ein Ende zu finden. Sie führen nicht nur in eine Endlosschleife, sondern sind oftmals tief kränkend, respektlos, verletzend oder beschämend.
  • Warnsignal 2: Das Vertrauen ist verloren gegangen Einen einzelnen Seitensprung kann mancher vielleicht vergeben, doch dauerhaftes Fremdgehen, Lügen oder das Verschweigen wichtiger Dinge sorgen für einen Vertrauensverlust, der irgendwann irreparabel ist, sagt die Straelener Paartherapeutin Jennifer Matuschzyk. Auch dauernde Abwertung durch den anderen kann eine Ursache für einen Vertrauensverlust sein, sagt der Essener Diplom-Psychologe und Paartherapeut Rüdiger WackerWacker. Die Beziehung gerät in eine Abwärtsspirale, in der Unterstellungen ihren festen Platz finden. Bis zu einem gewissen Punkt kann man daran arbeiten, Vertrauen wiederherzustellen – wenn nötig auch mit psychologischer Unterstützung. Gelingt das nicht, fehlt die Basis für eine funktionierende Beziehung.
  • Warnsignal 3: Unterstellungen machen sich breit Hat mindestens einer in der Beziehung das Gefühl, der andere hat ein negatives Bild von ihm, das er nicht korrigieren kann, steht die Partnerschaft auf wackeligem Sockel. „Es ist Psychoterror, wenn der andere ständig meint, er können in meinen Kopf schauen und wisse besser über mich Bescheid als ich selbst“, sagt Wacker.
  • Warnsignal 4 Die persönliche Grenze wird überschritten Dreimal Training in der Woche, einmal Kino mit Freunden, Vereinsbesprechung und Fußballabend beim besten Kumpel. „Mancher fühlt sich selbst nur noch wie eine Freizeitaktivität seines Partners, wenn er in der Priorisierung immer häufiger auf einem der hinteren Ränge landet“, sagt Wacker. Alles, was im anderen das Gefühl erzeugt, nicht mehr wichtig zu sein, nicht ernst genommen und geliebt zu sein, führt zu Grenzüberschreitungen. Auch Situationen, in denen Beschimpfungen ausgesprochen werden oder es zu psychische Abwertungen kommt, können grenzüberschreitend sein. Auch grenzüberschreitend: Handgreiflichkeiten. – Ein No-Go in jeder Beziehung.
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  • Warnsignal 5: Keine Anteilnahme Sein Herz ausschütten zu können und vom anderen Anteilnahme und Verständnis entgegengebracht zu bekommen, gibt die Sicherheit angenommen zu sein. Aus seiner Beratungspraxis kennt Wacker Situationen, in denen Partner oder Partnerin mit Worten signalisieren, dass sie die Situation verstehen können. Zu wirklicher Anteilnahme jedoch gehört nicht nur rationales Verstehen, sondern laut Wacker auch die emotionale Anteilnahme. Erst dann kann sich das Gefühl einstellen, dass der andere es nicht nur so sagt.
  • Warnsignal 6: Angst, mit dem Partner Dinge zu besprechen: Sobald er oder sie den Raum betritt, setzt die Beklemmung ein. Denn es gibt Dinge, über die sie nicht reden können und wollen, weil es beispielsweise immer in einer Eskalation mündet. Unwohlsein macht sich auch dann breit, wenn sie es trotzdem versuchen. Immer bleibt das Gefühl, der einzige zu sein, der das gemeinsame Problem lösen will. Dem anderen hingegen scheint es egal zu sein. Egal, was Sie versuchen – ob wütend zu werden, den Raum zu verlassen, die Sache ruhig anzugehen, Ihre Sorge, dass es wieder so ablaufen könnte, lässt die Angst vor dem gemeinsamen Gespräch übermächtig werden. Es herrscht Daueranspannung. Keine gute Basis für eine Beziehung.

  • Warnsignal 7: Das Wir-Gefühl fehlt Kinder vom Kindergarten abholen, den Einkauf organisieren, Betten frisch beziehen – in solchen Dingen scheint es zu funktionieren. Doch sobald es nur noch um Sie geht, geht gar nichts mehr. Als Paar sind Sie nicht mehr existent: Kein gemeinsamer Restaurantbesuch mehr, keine lustigen Weinabende vor dem Fernseher mehr. Das Gefühl zusammen zu gehören und für die Partnerschaft Zeit zu haben ist Grundlage für einen richtigen Teamgedanken. „Fehlt das, herrscht irgendwann Leere“, sagt Wacker.
  • Warnsignal 8: Keine Lust mehr auf Nähe „Wenn ich das Gefühl habe geliebt zu werden, habe ich auch den Wunsch nach Sexualität“, sagt Matuschzyk. Von Allgemeinrezepten wie „mindestens zweimal Sex pro Woche“ halten jedoch die Paartherapeuten nichts. Jedes Paar definiere für sich selbst, wie viel Körperlichkeit für die eigene Beziehung gewünscht und richtig sei. In Dreiviertel der Beziehungen sei es so, dass einer etwas mehr und der andere etwas weniger Sexualität wünsche, sagt Wacker. Das an sich sei kein Grund zur Sorge. Bedrohlich für die Beziehung wird es erst dann, wenn langfristig das Gefühl entstehe qualitativ oder quantitativ zu wenig Körperlichkeit zu bekommen. Auch das Empfinden sich ständig zum Sex zwingen zu müssen, obwohl man es eigentlich nicht will, deute darauf hin, dass etwas nicht stimmt.

„Manchmal ist auf dem Beziehungskonto so wenig drauf, dass sich die Frage stellt: Warum sind Sie noch zusammen?“, sagt Wacker. Wenn sich diese Frage stellt, sei eine Beziehung an einem Punkt angelangt, wo es ohne externe Hilfe meist aussichtlos sei, sie noch retten zu können.

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