Zehn Dinge, die Sie bei einer Schwangerschaft wissen sollten

10 Schwangerschaftsmythen im Check: Dürfen Schwangere wirklich nicht mit Katzen kuscheln?

Keine Medikamente, Alkoholverzicht, bloß kein Sportwettkampf – Schwangere bekommen viele Verbote zu hören. Alles nur Mythos? Wir haben Experten nach den zehn gängigsten Verboten gefragt.

Flugreisen adé, Marathonlauf gestorben, Sex nicht zu wild – solche Empfehlungen über das, was in der Schwangerschaft schädlich sein soll, gibt es viele. Wir haben Experten nach zehn gängigen Verboten gefragt und erklären, was dran ist:

  • 1. Schadet Sport in der Schwangerschaft?

Sport ist Bewegung und die bleibt gesund – auch in der Schwangerschaft. Allerdings bergen einige Sportarten ein hohes Verletzungsrisiko oder sind sehr belastend für den Körper. Darum empfiehlt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover auf Leistungssport, Kampfsportarten, Mannschaftssport mit Körperkontakt, Sport mit dynamischen Bewegungsabläufen oder hohem Sturzrisiko zu verzichten. Auch Tauchen ist für werdende Mütter nicht das Richtige. Besonders in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft empfiehlt der Gynäkologe von Kraftsport und Bauchmuskeltraining abzusehen.

  • 2. Darf man nicht mehr mit der Katze kuscheln?

Das Kuscheln mit dem Schmusetiger an sich stellt kein Risiko für das Ungeborene dar. Der Kontakt der Schwangeren mit Katzenkot kann jedoch gefährlich für das ungeborene Baby sein. Durch das Reinigen des Katzenklos, aber auch durch den Kontakt zum Erdreich können sogenannte Toxoplasmen übertragen werden. Hat die Mutter durch eine frühere Infektion keine Antikörper dagegen, führt eine Ansteckung mit Toxoplasmen in 15 (1. Schwangerschaftsdrittel) bis 60 Prozent (3. Schwangerschaftsdrittel) zu einer Infektion des Embryos. Sie kann laut Albring zu schweren Fehlbildungen führen. Im Schnitt werden laut Studie in Deutschland 345 Neugeborene im Jahr mit klinischen Symptomen erfasst.

  • 3. Sind Salami, Roastbeef und Rohmilch wirklich gefährlich?

„Alle nicht erhitzten tierischen Produkte können Toxoplasmen enthalten“, sagt Albring. Einzige Ausnahme sei Rindfleisch. Aus diesem Grund raten Gynäkologen Schwangeren vom Verzehr von rohem oder nicht genug erhitzten Fleisch wie Salami, allen Räucherwaren und von Rohmilchprodukten ab. Erst beim Einfrieren unterhalb der minus 21 Grad-Grenze oder beim 20-minütigen Erhitzen auf über 50 Grad sterben die Erreger zuverlässig ab.

  • 4. Haare färben besser sein lassen?

In der Schwangerschaft – besonders aber in den ersten zwölf Wochen – sollte man aufs Haarefärben und auch auf Dauerwellen verzichten. Der Grund: Der Körper nimmt geringe Mengen der genutzten chemischen Substanzen auf. Was das auslösen kann, ist unbekannt. Wohl aber weiß man, dass in dieser Zeit die Organbildung des Embryos stattfindet. Albring rät vor Haarfärbemitteln – auch Naturfarben – aus dem außereuropäischen Ausland ab, da bei ihnen meist die Inhaltsstoffe unklar sind. Strähnchen sind am unproblematischsten, da sie nicht in Berührung mit der Kopfhaut kommen.

  • 5. Welches Risiko geht von Stress aus?

Unter Dauerstrom zu stehen tut niemandem gut. In der Schwangerschaft jedoch ist Stress doppelt dramatisch, denn er wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit der Mutter aus. Auch das Ungeborene kann laut neuerer Studien schweren Schaden für sein weiteres Leben davontragen. Forscher der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Jena fanden heraus, dass pränataler Stress die Hirnreifung beim Ungeborenen beschleunigt. Durch diese frühe fetale Programmierung steigt der Risikofaktor für Erkrankungen wie Depressionen, ADHS, einen zu hohen Blutdruck und Schlaganfälle.

„Das Gefühl, unter starkem Stress zu stehen, kann auch durch fehlende innere Stabilität einer Schwangeren entstehen“, sagt Albring. Ein Kind, das in einer solchen Umgebung aufwachse, könnte Defizite im Verarbeiten von Belastungen entwickeln und so die Gefahr für psychische Erkrankungen insgesamt erhöhen.

Zudem setzt Stress das Risiko eine Frühgeburt zu erleiden herauf. Laut einer Auswertung des wissenschaftlichen Programms Baby Care ist der Faktor Stress bei mehr als 20 Prozent aller Frühgeburten mit beteiligt.

  • 6. Sind E-Zigaretten ein Problem?

E-Zigaretten-Liquids enthalten Propylenglykol, Glyzerin, Aromastoffe und zumeist Nikotin in verschiedenen Konzentrationen. Diese Substanzen werden verdampft und eingeatmet und gelangen so in den Körper. Darum rät das Deutsche Krebsforschungszentrum in der Schwangerschaft auch vom Rauchen von E-Zigaretten in der Schwangerschaft ab.

  • 7. Ist Sex in der Schwangerschaft ein Problem?

Sex in der Schwangerschaft ist grundsätzlich kein Problem. Oftmals empfinden Frauen sogar durch die hormonelle Umstellung mehr Lust als sonst. Allerdings sollten Frauen mit vorangegangenen Fehlgeburten oder der Neigung zu vorzeitigen Wehen nach Einschätzung des Berufsverbandes der Frauenärzte Vorsicht walten lassen. Zudem sollten Paare bei Blutungen vom Sex absehen.

  • 8. Sind Flugreisen tabu?

„In der Schwangerschaft ist das Risiko für Thrombosen der Mutter stark erhöht“, sagt Albring. Dadurch besteht nicht nur bei Flugreisen, sondern auch langen Autoreisen die Gefahr, dass durch das lange Sitzen Thrombosen entstehen. Vorbeugen können Stützstrümpfe, ausreichend Pausen, in denen die Schwangere herumläuft und genug Flüssigkeitszufuhr. Aus Sorge vor frühzeitigen Geburten nehmen die meisten Fluggesellschaften Schwangere nur bis zur 36. Schwangerschaftswoche mit.

  • 9. Sind Konzertbesuche mit Baby im Bauch ein Problem?

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass das Baby im Bauch der Mutter vor lauten Umgebungsgeräuschen gut geschützt sei. „Die Bauchdecke dämpft den Schalldruck kaum, so dass 125 dB, die bei einem Rockkonzert gemessen werden können, fast ungemindert beim Baby ankommen“, sagt Albring. Für das Ungeborene bedeute das Angst und Stress. Das Innenohr beginnt sich ab der achten Woche auszubilden. Ab wann ein Embryo hörfähig ist, weiß man nicht genau. Man geht davon aus, dass dies ab der 22. Woche so ist. Aus Studien weiß man, dass Kinder von Müttern, die dauerhaft Lärm von über 75 dB ausgesetzt sind ein doppelt so hohes Risiko für Hörschäden hatten .

  • 10. Kann Schnarchen zur Gefahr werden?

Amerikanisch Forscher haben herausgefunden, dass schnarchende Mütter in der Schwangerschaft eher erhöhten Blutdruck entwickeln. Dieser gilt laut Albring als Risikofaktor für die Entwicklung einer Schwangerschaftsvergiftung. Generell aber ist Schnarchen harmlos, sofern es nicht aufgrund einer Schlafapnoe mit einer Sauerstoffunterversorgung einher geht.

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