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OECD sieht Mängel in Deutschland: Trotz Familienförderung zu wenig Kinder

OECD sieht Mängel in Deutschland : Trotz Familienförderung zu wenig Kinder

Paris (RPO). Ob Elterngeld oder Ausbau von Kita-Plätzen - es wird viel getan für den Nachwuchs in Deutschland. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Studie der OECD. Doch wirklich profitieren kann die Bundesrepublik bisher nicht davon, wie es sich mancher Politiker erhofft hatte. Denn bei der Geburtenrate liegt Deutschland noch immer weit unter dem Durchschnitt der Mitgliedsländer.

Paris (RPO). Ob Elterngeld oder Ausbau von Kita-Plätzen - es wird viel getan für den Nachwuchs in Deutschland. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Studie der OECD. Doch wirklich profitieren kann die Bundesrepublik bisher nicht davon, wie es sich mancher Politiker erhofft hatte. Denn bei der Geburtenrate liegt Deutschland noch immer weit unter dem Durchschnitt der Mitgliedsländer.

Große Erwartungen hatten die Berliner Politiker - allen voran die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen - mit der Einführung des Elterngeldes verknüpft. Es sollte ein Schritt sein zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Frauen würde die Chance gegeben, wieder früher in den Beruf zurückzukehren, während auch die Männer ihre "Auszeit" nahmen.

Solche Bemühungen schätzt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durchaus, denn Deutschland belegt bei den OECD-Mitgliedsländern einen Spitzenplatz in der Familienförderung. Doch die Geburtenrate in der Bundesrepublik lässt nach wie vor zu wünschen übrig.

1,36 Kinder bekommt die deutsche Frau im statistischen Durchschnitt, der Mittelwert der Mitgliedsländer dagegen liegt bei 1,74 Kindern. Das ist der viertletzten Platz aller 34 Länder.

Erstes Kind im Alter von 30 Jahren

Die OECD nennt auch einen Grund für diese niedrigere Quote - und die heißt nach wie vor "Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Nach dem am Mittwoch veröffentlichten OECD-Bericht "Doing better for families" entscheiden sich in Deutschland noch immer viele Frauen gegen Kinder bzw. für Kinder zu einem späteren Zeitpunkt, weil Karriere oder finanzielle Sicherheit als wichtigere Faktoren gelten. Nach der Studie bekommen deutsche Frauen im Schnitt im Alter von 30 Jahren ihr erstes Kind - damit sind sie die zweitältesten innerhalb der OECD-Länder.

"In Deutschland und Österreich, wo jede Frau statistisch kaum anderthalb Kinder bekommt, konnte die Vielzahl der Fördermöglichkeiten den Trend zu weniger Nachwuchs jedenfalls nicht umkehren", lautet daher das OECD-Fazit.

Dennoch kann sich das Engagement der Bundesrepublik sehen lassen, denn die OECD setzt sich ebenfalls dafür ein, Kinder möglichst früh zu fördern. Und so wird die Bundesrepublik dafür gelobt, dass sie Anreize geschaffen hat, Väter an der Erziehung zu beteiligen. Und auch beim Blick auf den finanziellen Anteil, den Berlin in Ausbildung und Familienpolitik steckt, liegt Deutschland weit vorn.

146.000 Euro betragen im Schnitt die öffentlichen Ausgaben für ein Kind bis zur Volljährigkeit, der OECD-Schnitt liegt mit 124.000 Euro deutlich darunter. Dieser hohe Anteil trägt laut der Organisation auch dazu bei, dass die Kinderarmut im Vergleich mit den anderen Ländern mit 8,3 Prozent recht niedrig liegt.

Kinderbetreuung wichtiger als Geld

Doch Geld allein macht eben nicht glücklich - zu dieser Ansicht kommt auch die OECD. Erfolgreicher als Geldleistungen seien Investitionen in die Kinderbetreuung, heißt es in dem Bericht. Und das hat auch die Koalition in Berlin erkannt, die sich auferlegt hat, die Zahl der Betreuungsplätze massiv auszubauen. Demnach könnte das Fazit für Deutschland in den nächsten Jahren schon viel besser ausfallen - wenn denn der Ausbau wirklich so voranschreitet, wie es geplant ist.

Ähnlich verhält es sich bei der außerschulischen Betreuung. In dieser Hinsicht kritisierte die OECD, dass sie nur von zehn Prozent der Grundschüler besucht würden. Mit dem weiteren Ausbau der Ganztagsschulen könnte diese Zahl aber in den nächsten Jahren steigen.

Ob das alles allerdings Anreiz genug sein wird, um Frauen dazu zu bewegen, eher Kinder zu bekommen, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Denn das Geld spielt - wie oben bereits angemerkt - für viele eine wichtige Rolle. Und in dieser Hinsicht, so stellte auch die OECD fest, sind die deutschen Frauen noch immer stark benachteiligt. Der Unterschied zwischen dem Verdienst von Männern und Frauen beträgt im Schnitt 25 Prozent - das Mittel der anderen OECD-Länder liegt dagegen bei 16 Prozent.

(das/csi)