Tipps rund um den Ranzen: Tornisterlast: Als Packesel zur Schule

Tipps rund um den Ranzen: Tornisterlast: Als Packesel zur Schule

Stuttgart (RPO). Hefte, Bücher, Stifte Mäppchen und das Pausenbrot – ein Tornister muss viel schlucken. Und ein Kinderrücken viel tragen. Richtet das Schäden am Rücken an? Wie schwer darf ein Tornister sein? Worauf kann man schon beim Kauf achten?

Stuttgart (RPO). Hefte, Bücher, Stifte Mäppchen und das Pausenbrot — ein Tornister muss viel schlucken. Und ein Kinderrücken viel tragen. Richtet das Schäden am Rücken an? Wie schwer darf ein Tornister sein? Worauf kann man schon beim Kauf achten?

Es ist die eierlegende Wollmilchsau, die beim Sondieren von Ranzen für den eigenen Spross gesucht wird. Nicht immer stimmen die Kriterien der Kinder mit denen der Erwachsenen überein. Neben der Frage nach dem Aussehen blicken die Erziehungsberechtigten oft schon vor dem Start in die Schule sorgenvoll auf das Gewicht des Tornisters.

Ranzen nicht blind kaufen

Jedes Jahr zum Schulbeginn kehrt sie wieder, die Warnung vor den schweren Schultornistern. Zahlreiche Gesundheitsorganisationen machen darauf aufmerksam, dass die Last, die Kinder und Jugendliche auf dem Rücken zur Schule tragen, zu schwer sei. Doch dann ist die Entscheidung für den Tornister schon gefallen. Statt eines Nachziehranzens ist es vielleicht der mit dem Lieblingsmotiv und den beiden praktischen Außentaschen geworden. In den passt prima der halbe Liter Trinkvorrat täglich, den Mama und Papa für den Spross in Zisch-Flaschen füllen. Mit dem Kauf lange vor dem Schulstart im September legen Erwachsene fest, woran sich das Kind in den nächsten Jahren abschleppt. Darum raten Experten das Transportmittel für die Schulsachen nicht blind zu kaufen oder schlicht nach dem Aussehen zu bestellen.

Immer mehr Kinder bekommen Physiotherapie

"Bereits bei der Schuleingangsuntersuchung werden bei vielen Kindern Haltungsschwächen und zum Teil auch Haltungsschäden diagnostiziert, darauf weist der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung hin. "Rückenschmerzen bei Kindern sind die vierthäufigste Schmerzursache", erklärt Prof. Dr. Thomas Wirth, Leiter der Orthopädischen Klinik Olgahospital in Stuttgart. Rund 4,7 Prozent aller Kinder in Deutschland im Alter bis 13 Jahren bekommen wegen Rückenschmerzen Physiotherapie verordnet, so steht es im aktuellen Heil- und Hilfsmittelreport der Krankenkasse Barmer GEK. Eine Umfrage der DAK unter den Kinderärzten hat ergeben, dass der Rückenschmerz beim Nachwuchs in den letzten zehn Jahren zugenommen hat. Los geht es mit der Rückenpein bereits in der Grundschule.

Ob einer der Auslöser für den Therapiebedarf des Rückens ein zu schwerer Tornister ist, steht nicht zweifelsfrei fest. "Es gibt eine Fülle von Untersuchungen dazu, wie sich das Schulranzen Gewicht auf den Rücken des Kindes auswirkt", erklärt Prof. Wirth. Sei er bei Grundschülern zu schwer, könne das sicher Rückenprobleme auslösen. Die Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung verweist in ihrem Flyer "Schulranzen — kinderleicht" auf die Gefahr von Verkrümmungen der Wirbelsäule oder Verformungen der Füße.

Faustformel fürs Gewicht nicht hilfreich

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Der Stuttgarter Klinikleiter empfiehlt, beim Kauf des Tornisters auf ein möglichst geringes Eigengewicht zu achten. Denn schnell potenziert sich dann das Gewicht durch den Inhalt, der beim Kauf noch fehlt. Als in der Realität schwer einzuhalten zeigt sich die Empfehlung, nicht mehr als zehn Prozent des eigenen Körpergewichts auf dem Kinderrücken zu tragen. Wiegt ein Erstklässler also 23 Kilo, sollte der Ranzen nach dieser Faustformel nicht schwerer als 2,3 sein. Das Leergewicht eines Durchschnittstornisters liegt aber schon bei rund 1,2 Kilo. Schnell steht nach dieser Rechnung fest, dass das Idealvorstellungen sind, die schnell überschritten sind. Nach Studien der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung liegt die kritische Grenze für das Gewicht auf dem Rücken bei 15 Prozent des eigenen Gewichts.

Prof. Wirth warnt bei aller Sorge aber vor einer übertriebenen Einschätzung. Lediglich bei einer dauerhaften Überbelastung oder Fehlhaltung durch das Tragen des Tornisters könnten sich möglicherweise Nachteile in der Haltung ergeben.

So sitzt ein Tornister optimal

Umso wichtiger ist da ein guter Sitz des Tornisters. Hängende Rucksäcke mögen zwar unter den Kids als cool gelten, belasten den Rücken aber zusätzlich. Beim Aufziehen des Tornis inklusive aller Schulutensilien beugt sich das Kind etwas nach vorne, um leichter tragen zu können. Dann aber stimmt die Statik der Wirbelsäule nicht mehr. Verstärkt wird die Schwerpunktverlagerung dadurch, dass die Last weit am Rücken herunter hängt, beschreibt der Orthopäde das Problem. Der Rumpf und die Brustwirbelsäule müssen dann noch weiter nach vorne genommen werden, um gegenzuhalten. "Das ist dann im Ergebnis eine Fehlhaltung, die man nicht gut finden kann", erklärt der Stuttgarter Experte. Die Eltern sollten darauf achten, dass der Ranzen mit den Zugriemen möglichst nah an den Rumpf gebracht wird, die Oberkante eine Linie zur Schulter bildet und das Gewicht möglichst hoch am Rücken liegt.

Trolleys für manche eine Alternative

Im Handel gibt es zudem Trolleys, auf denen sich das Schulgepäck nachziehen lässt. Ihnen wird entgegen gehalten, sie förderten die einseitige Haltung. Für Kinder, die besonders zierlich gebaut sind oder bei denen es bereits Grunderkrankungen oder Haltungsschäden gibt, hält Wirth die Nachziehtornister für eine gute Alternative. Um die beste Lösung für das eigene Kind zu finden, ist es nötig, den Fall ganz individuell zu bewerten. Nachhaltige Schäden wie O-Beine oder ein Hüftschaden seien durch das Tragen eines Ranzens nicht zu befürchten, wenn das Kind nicht grundsätzlich schon Probleme mit dem Haltungsapparat habe. "Ein Kind mit einem gesunden Rücken kann ohne Probleme einen Ranzen tragen, sagt Prof. Dr. Thomas Wirth.

Profitieren kann der Kinderrücken neben den richtigen Tragetechniken auch von regelmäßigem Sport. Vereinsschwimmen empfiehlt der Stuttgarter Orthopäde, Reiten, asiatische Kampfsportarten oder auch Klettern. Hier finden Sie alle Tipps rund um das Thema Auswahl, Kauf und Tragen des Tornisters im Überblick.

Hier geht es zur Infostrecke: Die besten Tipps rund um den Ranzenkauf

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