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Schwangerschaft, Geburt, Baby: Praktische Tipps von der Hebamme

Schöne Geburt, gesundes Baby : Die sieben besten Tipps von Hebamme Theresa

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger. Nun haben Sie tausend Fragezeichen im Kopf. Und das Internet ist voller Antworten. Aber wer hat nun recht? Hier gibt eine Praktikerin Antworten auf sieben drängende Fragen.

Hausmittel gegen Bauchweh bei Babys gibt es viele. Der eine schwört aufs Kirschkernkissen, die andere setzt auf entschäumende Medikamente. Wieder andere Eltern geben ihrem Baby Probiotika. Aber was hilft wirklich?

Diese und andere Fragen konnten Eltern loswerden beim „Frag mich alles!“ mit Theresa Ebbinghaus. Sie ist Hebamme in Düsseldorf. An der Universitätsklinik leistet sie seit vielen Jahren Geburtshilfe und betreut zudem Babys und Mütter in ganz Düsseldorf.

Im Livestream des Tiktok-Accounts der Rheinischen Post beantwortete sie mehr als eine Stunde die Fragen der Nutzerinnen und Nutzer. Wie sich herausstellte, hätte die Veranstaltung auch doppelt so lange dauern können – an Fragen herrschte kein Mangel. Die Highlights des Gesprächs veröffentlichen wir in unserem NRW-Podcast Aufwacher (siehe Infokasten). Die sieben besten Tipps von Hebamme Theresa gibt es jetzt hier.

  1. Wie finde ich auf den letzten Drücker eine Hebamme? „Seit einigen Jahren kommen die meisten Frauen sehr früh auf uns zu. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Manchmal rechne ich im Kopf nach, ob es überhaupt sein kann, dass jemand, der im Oktober oder November ein Kind bekommen soll, jetzt schon schwanger ist. Andererseits ist es gut, dass die Frauen so informiert sind. Offenbar weisen viele Frauenärzte darauf hin, dass es nicht ausreichend Hebammen gibt und man sich früh melden soll. Das Problem für Hebammen ist: Wir müssen sehr früh schon unser ganzes Jahr durchplanen. Ich muss zum Beispiel jetzt schon entschieden haben, wann ich in diesem Jahr in Urlaub fahre. Manche meiner Kolleginnen planen nicht so weit voraus - weil sie es nicht wollen oder nicht können. Es lohnt sich also, wenn man keine Hebamme gefunden hat, einige Wochen vor der Geburt noch mal nachzufragen. Denn viele Kolleginnen haben dann doch noch ein Plätzchen frei.“
  2. Sollte ich einen Geburtsplan mit in die Klinik bringen? „Mir liegt dieses Thema sehr am Herzen: Geburtspläne sind für uns sehr, sehr schwierig. In den meisten dieser Pläne stehen nämlich Dinge drin, die für uns absolut selbstverständlich sind. ‚Seien Sie bitte freundlich zu mir. Seien Sie bitte freundlich zu meinem Mann. Beziehen Sie mich bitte in alle wichtigen Entscheidungen mit ein.‘ Das machen wir natürlich sowieso! Und ein Geburtsplan suggeriert mir, dass mir das nicht zugetraut wird. Außerdem werden sehr viele Dinge, die im Krankenhaus nun mal Standard sind, in manchen Geburtsplänen in Frage gestellt. Wir legen zum Beispiel mit jeder Aufnahme im Krankenhaus einen venösen Zugang. Für uns ist das wichtig, damit wir im Notfall schnell reagieren und nicht erst eine Vene suchen müssen. Und ab einer bestimmten Weite des Muttermunds schauen wir mithilfe eines CTG, wie es dem Kind geht. Wer das nicht möchte, ist im Krankenhaus vielleicht gar nicht so gut aufgehoben und sollte eher in Richtung Hausgeburt denken. Ich rate Frauen, die mich fragen, immer: Statt ein Stück Papier mitzubringen, sprich lieber direkt mit uns. Denn ehrlich gesagt: Es ist schwierig, eine Geburt im Vorhinein zu planen. Ob ich eine PDA will oder nicht - das würde ich vielleicht doch eher im Moment entscheiden als im Vorhinein.“
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  3. Was sollte man auf jeden Fall zur Entbindung mitbringen? „Einen Strohhalm mit Knick! Dann ist das Trinken im Liegen einfacher.“
  4. Was hilft gegen Dreimonatskoliken? „Ehrlich gesagt: Das beste Mittel gegen die Koliken ist Durchhaltevermögen. Der Magen-Darm-Trakt beim Baby ist schlicht noch nicht so ausgereift, deswegen kommt es ein paar Wochen lang vermehrt zu Blähungen und Bauchschmerzen. Aber das geht vorbei - auch wenn es natürlich einfach ist, das als Außenstehende zu sagen. Wärme hilft oft, sanfte Bewegungen und Massagen. Aber vor allem helfen dem Baby Zuwendung und Nähe. Es in einer Trage oder einem Tuch zu haben, ist sehr gut, weil es dann meist mit etwas angezogenen Beinen an Mamas oder Papas warmer Brust entspannen kann.“
  5. Oh, oh, Baby bekommt Zähne. Kann ich trotzdem weiterstillen? „Für gewöhnlich ist das kein Problem. Das Kind umschließt die Zähne normalerweise mit Lippe und Zunge, so dass es nicht auf die Brustwarze beißt. Wenn es aber doch vermehrt passiert und dem Kind nicht abzugewöhnen ist, wäre das für mich ein ganz klarer Fall fürs Abstillen, denn das würde ich ehrlich gesagt nicht dauerhaft über mich ergehen lassen. Gefährlich ist es aber in der Regel nicht, wenn es mal piekst.“
  6. Viele Babys schlafen am liebsten im direkten Kontakt mit Mama oder Papa. Das widerspricht den Empfehlungen zur Vermeidung des plötzlichen Kindstods: auf dem Rücken, alleine im eigenen Bett, keine Decken oder Kissen. Wie löst man dieses Dilemma auf? „Ein schwieriges Thema! Wenn ich berate, dann informiere ich die Eltern zunächst immer ausführlich über die Sicherheitshinweise. Man muss aber ehrlich sein: Es ist in der Regel am Anfang für Babys sehr schwierig, alleine im Bett zu schlafen. Sie kommen halt gerade aus einer gemütlichen, 37 Grad warmen Umgebung mit dem permanenten Herzschlag der Mutter als Hintergrundgeräusch. Da kann man sich vorstellen, dass sie sich ungern in ein eigenes Bett oder gar ein eigenes Zimmer ablegen lassen. Kinder werden aber mit jeder Woche stabiler und selbstständiger. Nach acht bis zwölf Wochen klappt es meistens schon deutlich besser mit dem Schlafen im eigenen Bett. Und es gibt auch klare wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, dass das Risiko für Kinder im Elternbett, wenn nicht gerade ein Elternteil betrunken ist oder geraucht hat, relativ gering ist. Man sollte aber streng darauf achten, dass die Bettdecke dem Baby nicht zu nahe kommt. Heißt unter Umständen: Man kann sich nur bis zur Hüfte zudecken.“
  7. Was ist das meistunterschätzte Utensil für neue Eltern - und was steht überall rum und verstaubt nur? „Kram, der überall rumsteht - den gibt es massig. Ich rate immer dazu, nur das Nötigste anzuschaffen. Heutzutage kann man ja wirklich fast alles von einem Tag auf den anderen beschaffen. Unterschätzt wird gerne, irgendeine Tragevorrichtung zu besitzen - aber auch die kann man besorgen, wenn das Kind da ist, und sich dann ausführlich beraten lassen. Ein Wärmespender am Wickeltisch macht das Leben auch sehr viel leichter. Mein heißer Tipp: einfach einen kleinen Heizlüfter aufstellen. Der macht außerdem noch ein spannendes Geräusch! Und man muss keine neuen Löcher in die Wand bohren.“

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