Künstliche Befruchtung Wie die Medizin ungewollt kinderlosen Paaren helfen kann

Die Biologie hat es so eingerichtet, dass eine Frau nur an wenigen Tagen im Monat überhaupt schwanger werden kann. Klappt dies nicht auf natürlichem Wege, können Ärzte und Ärztinnen versuchen, der Natur auf die Sprünge zu helfen.

 Der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind erfüllt sich nicht für jedes Paar.

Der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind erfüllt sich nicht für jedes Paar.

Foto: dpa-tmn/Eva Blanco

Wieviele Paare sind von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen?

Fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ist in Deutschland ungewollt kinderlos. So gibt es das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) an. Generell hat die Zahl der Kinderlosen in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen, Deutschland zählt in Europa zu den Spitzenreitern. Laut einer Befragung für das Bundesfamilienministerium ist in Deutschland etwa ein Viertel aller kinderlosen Frauen und Männer zwischen 20 und 50 ungewollt ohne Nachwuchs.

Welches sind die häufigsten Ursachen?

Bei der künstlichen Befruchtung werden Spermien in eine Eizelle injiziert.

Bei der künstlichen Befruchtung werden Spermien in eine Eizelle injiziert.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Die Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit sind vielfältig. Beim Mann ist dies meist eine gestörte Spermienbildung in den Hoden, welche Anzahl, Beweglichkeit und Funktionstüchtigkeit der Spermien einschränken kann. Bei der Frau sind es häufig hormonelle Störungen, die zum Beispiel zu einer verminderten Eizellreifung oder anderen Zykluseinschränkungen führen können. Auch können Entzündungen oder Verwachsungen die Eileiter direkt schädigen. Viele Frauen leiden zudem unter einer Endometriose. Bei ihnen wuchert die Schleimhaut außerhalb der Gebärmutter in die Bauchhöhle. Endometriose ist keine bösartige Erkrankung und macht nicht zwangsläufig unfruchtbar, aber sie kann die Fertilität deutlich vermindern. Der womöglich wichtigste Aspekt ist das Alter der Frau. Die biologischen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft sind ohnehin nur an wenigen Tagen im Monat gegeben. Mit zunehmendem Alter sinkt die Wahrscheinlichkeit erheblich. Mit 40 Jahren hat sich die Fruchtbarkeit im Vergleich zum Alter der höchsten Fruchtbarkeit zwischen 20 und 24 etwa halbiert (Quelle: Management of the Infertile Woman by Helen A. Carcio and The Fertility Sourcebook by M. Sara Rosenthal).

Warum ist das Alter der Frau so entscheidend?

Jede Frau wird mit einem Pool von Eizellen geboren, bei Einsetzen der ersten Periode sind es noch etwa 300.000 bis 400.000. Ab der Pubertät beginnen die Eizellen in einem monatlichen Zyklus zu reifen, wobei mit dem Alter die Qualität der Eizellen und die Häufigkeit des Eisprungs abnehmen. Die Eizellen altern also mit der Frau. Das bedeutet: Auch die genetische Qualität der Eizellen sinkt mit dem Alter. Bereits ab 35 steigt nicht nur das Risiko für Veränderungen im Erbgut, auch für die werdende Mutter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit möglicher Komplikationen während der Schwangerschaft. Beim Mann ist dies anders. Die Hoden bilden kontinuierlich neue Spermien.

Welche medizinischen Möglichkeiten der Hilfe gibt es?

Zyklus-Monitoring Der einfachste Ansatz ist eine gezielte Überwachung des monatlichen Zyklus, um den Zeitpunkt des Eisprungs möglichst exakt bestimmen zu können beziehungsweise um zu schauen, ob überhaupt ein Ei heranreift. Dabei kontrolliert der Facharzt beziehungsweise die Fachärztin regelmäßig die Steuerhormone im Blut. Parallel erfolgt die Überwachung per Ultraschall, um die Follikelreifung und den Zeitpunkt des Eisprungs exakt zu erfassen.

Insemination Dabei werden Spermien direkt in die Gebärmutterhöhle eingebracht. Auf diesem Weg wird also die natürliche Fruchtbarkeit wiederhergestellt. Die Erfolgsaussichten sind entsprechend altersabhängig.

In Vitro-Fertilisation (IVF) Dabei werden zuvor entnommene und aufbereitete Eizellen der Mutter im Labor mit männlichen Spermien kultiviert. Nach ein paar Tagen, wenn eine Befruchtung stattgefunden und sich ein Embryo bis zu einem bestimmten Zellstadium entwickelt hat, wird dieser in die mütterliche Gebärmutter eingebracht. Damit für die künstliche Befruchtung gesichert reife Eizellen vorliegen, muss sich die Frau manchmal einer Hormontherapie unterziehen. Viele Tausende Male pro Jahr führen Fachzentren in Deutschland einen solchen Eingriff durch.

Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) Dies ist eine spezielle Form der In-Vitro-Fertilisation. Dabei wird nur ein einzelnes Spermium direkt in das Zellinnere einer reifen Eizelle gespritzt.

Wie sind die Erfolgschancen der künstlichen Befruchtung?

Die erfolgreiche Befruchtung einer Eizelle bedeutet nicht unbedingt immer auch eine erfolgreiche Schwangerschaft. Außerdem klappt eine IVF beziehungsweise ICSI-Behandlung nicht immer beim ersten Versuch. Die Plattform Fertila schreibt hierzu: „Mehr als 30 Prozent aller Behandlungen mittels künstlicher Befruchtung führen zu einer Schwangerschaft. Die Erfolgschance steigt entsprechend, wenn eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion oder eine In-vitro-Fertilisation mehrmals durchgeführt wird. Bei der Insemination liegt die Erfolgschance bei etwa zehn Prozent.“

Ist in Deutschland die Eizellenspende erlaubt?

Nein. In Deutschland verbietet dies das Embryonenschutzgesetz, welches seit dem 1.1. 1991 in Kraft ist. In anderen Ländern wie etwa England, Spanien, Polen, Tschechien oder auch den USA dürfen Frauen Eizellen spenden – ebenso wie Männer Spermien. Auch eine Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten.

Wie sieht es mit Embryonenspenden aus?

Die gezielte Erzeugung eines Embryos aus einer gespendeten Eizelle und einem gespendeten Spermium ist in Deutschland verboten. Erlaubt sind hierzulande das Einfrieren, die Vernichtung oder aber auch die Spende von überzähligen Embryonen, die bei der künstlichen Befruchtung im Labor entstehen und die nach einer erfolgreichen Kinderwunschbehandlung nicht mehr benötigt werden. Die Vergabe dieser Embryonenspenden regelt in Deutschland übrigens nicht der Staat, sondern ein gemeinnütziger Verein (Netzwerk Embryonenspende.eV).