Medizin: Risiko Eileiterschwangerschaft

Medizin : Risiko Eileiterschwangerschaft

Der Schwangerschaftstest ist positiv, die Regel bleibt aus - für viele ist das ein Grund zu größter Freude. Doch manchmal hält die Freude nur wenige Wochen. Kommt es zur Eileiterschwangerschaft, muss diese sofort abgebrochen werden. Sonst kann sie zur Lebensgefahr werden.

Manchmal läuft eine Schwangerschaft am falschen Ort ab. Dann schafft es die befruchtete Eizelle nicht innerhalb von vier bis fünf Tagen durch den Eileiter bis zur Gebärmutter, um sich dort einzunisten. In einem von hundert Fällen ist das so.

Dennoch scheint alles wie bei einer normalen Schwangerschaft: Die Regel bleibt aus, die Brüste beginnen zu spannen und der Schwangerschaftstest ist positiv. Der Grund: Der Spiegel des Schwangerschaftshormons (HCG-Wert) steigt in Blut und Urin an. Er gilt als frühester Marker einer Schwangerschaft.

Jähes Ende einer Schwangerschaft

Noch deutet äußerlich nichts darauf hin, dass mit der Schwangerschaft etwas nicht in Ordnung sein könnte. Dennoch ist schon in diesem frühen Stadium klar, dass der heranreifende Embryo niemals zum Fötus weiterreifen wird und zur Welt gebracht werden kann. Da er am falschen Ort wächst, wird es keine Chance geben, ihn in die Gebärmutter zu überführen.

Ektope Schwangerschaft ist der medizinische Fachbegriff für das, was die meisten als Eileiterschwangerschaft bezeichnen. Sie bedeutet nach dem Glücksgefühl, schwanger zu sein, meist einen seelischen Tiefpunkt für die betroffenen Frauen und deren Partner. Zwar ist bekannt, dass das Risiko, eine Schwangerschaft in den ersten zwölf Wochen zu verlieren, am höchsten ist, doch steckt jedes Paar eine solche Diagnose anders weg. Das weiß auch Tanja Fehm, Direktorin der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf. Vor allem für Paare, die die Schwangerschaft oft nach erheblichen Mühen über eine künstliche Befruchtung erreicht haben, sei die Diagnose schwer zu verkraften. "Auch Frauen über 30 bis 40 Jahre, die ihre "biologische Uhr" ticken hören, empfinden diese Situation als belastend", sagt Fehm.

Unerkannte Eileiterschwangerschaft bedeutet Lebensgefahr

Nur ein schwacher Trost scheint in einem solchen Moment die meist frühe Diagnose in der sechsten oder siebten Woche, also einem noch sehr frühen Schwangerschaftsstadium. Diese frühzeitige Diagnostik ist der Schwangerschafts-Vorsorge in Deutschland zu verdanken, sagt Fehm. In Deutschland wird die Eileiterschwangerschaft meist in einer der ersten Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. "In den USA sterben hingegen immer noch Frauen durch Eileiterschwangerschaften", sagt Birgit Seelbach-Göbel, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Dabei lässt sich bei einer Ultraschalluntersuchung relativ leicht feststellen, ob die Fruchthöhle in der Gebärmutter angekommen ist oder nicht. Liegt eine Eileiterschwangerschaft vor, hat die Eizelle den Eileiter in 95 Prozent der Fälle erst gar nicht verlassen.

Oft sind Störungen im Transport der befruchteten Eizelle oder Verwachsungen, Gewebewucherungen oder Beschädigungen des Eileiters der Grund dafür, sagt Seelbach-Göbel. Die Eizelle nistet sich dann an dessen Wand ein. Wächst nun der Embryo weiter, dehnt er den Eileiter gefährlich auf. Wird das nicht rechtzeitig erkannt, reißt er unter diesem Druck, und es kommt zu lebensgefährlichen inneren Blutungen. Ähnliche Komplikationen drohen auch, wenn sich das befruchtete Ei im Muttermund, in der Muskelwand der Gebärmutter, im Eierstock oder in der Bauchhöhle entwickelt.

Grundsätzlich kann zwar jede Frau eine Eileiterschwangerschaft erleiden, doch gibt es einige Voraussetzungen, die ein höheres Risiko dafür mit sich bringen. Dazu zählen:

Diese Warnsymptome sollten Sie ernst nehmen

"Ein bis zweimal im Jahr passiert es, dass Frauen ihre Schwangerschaft nicht bemerkt haben und wir eine fortgeschrittene Eileiterschwangerschaft akut notfallmäßig behandeln müssen", sagt Fehm. Eines der wichtigsten Symptome sind in einem solchen Fall heftige Unterbauchschmerzen. Daneben sind folgende Beschwerden Warnhinweise für eine Eileiterschwangerschaft:

Je früher die ektope Schwangerschaft erkannt wird, desto eher kann man den betroffenen Eileiter erhalten. Die wachsende Eizelle wird dann bei einer Bauchspiegelung minimalinvasiv durch einen kleinen Schnitt aus dem Eierstock entfernt.

Operation oder medikamentöse Behandlung

Abhängig davon, wie hoch der Schwangerschafts-Hormonwert ist, wo die Eileiterschwangerschaft genau sitzt und wie beschädigt der Eileiter ist, kann jedoch auch eine Entfernung nötig sein. Auch diese ist minimalinvasiv über drei kleine Schnitte möglich. Nach einer Operation ist es notwendig, über einen drei bis viermonatigen Zeitraum zu beobachten, ob der Wert des Schwangerschaftshormons konstant abfällt.

"Geschieht das nicht, kann es der Hinweis sein, dass sich irgendwo Zellreste befinden, die nicht sichtbar waren", sagt Tanja Fehm. Diese werden dann mit dem Zellgift Methotrexat medikamentös behandelt. Möglich ist eine solche Behandlung auch, wenn die Eileiterschwangerschaft noch sehr klein ist. Durch das auch bei Krebserkrankungen eingesetzte Chemotherapeutikum, das in der Regel in den Gesäßmuskel oder über eine Vene gegeben wird, sterben die den Embryo umgebenden Zellen ab und damit auch schließlich das embryonale Gewebe. Es wird dann vom Körper selbst abgebaut.

(wat)
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