Purpura-Schönlein-Hennoch: Erst Husten, dann rote Flecken — ab zum Arzt!

Gefäßentzündung Purpura-Schönlein-Henoch: Erst Husten, dann rote Flecken — ab zum Arzt!

Husten oder Magen-Darm – bei Kindern sind das normale Infekte. Bilden sich jedoch Tage darauf rote Flecken auf der Haut, sollte man an die häufigste Gefäßentzündung im Kindesalter denken: Purpura-Schönlein-Hennoch.

Husten oder Magen-Darm — bei Kindern sind das normale Infekte. Bilden sich jedoch Tage darauf rote Flecken auf der Haut, sollte man an die häufigste Gefäßentzündung im Kindesalter denken: Purpura-Schönlein-Hennoch.

Der Schock ist groß: Als die fünfjährige Anni sich am Abend aus ihrer Jeanshose pellt, um zu baden, sind ihre Unterschenkel voller rot-bläulicher Flecke.

Ihre Mutter ist verwundert, denn sie kann sich an keinen schwereren Sturz oder Rempler des Kinder erinnern. Bis Anni ins warme Bad steigen kann, sind es noch mehr geworden. Irgendetwas stimmt mit der Fünfjährigen nicht.

Seltsame Hautveränderungen

Von Unruhe getrieben zieht ihrer Mutter sie wieder an und fährt mit ihr in die Kinderklinik. Die beiden müssen nicht lange warten bis sie aufgerufen werden. Hand in Hand gehen sie ins Behandlungszimmer. Verstört starren sie auf die sich schnell ausbreitenden Flecken.

Nun sind die unheimlichen Einblutungen schon auf beiden Oberschenkeln zu sehen. "Mir schießt Leukämie durch den Kopf", sagt die Mutter des Mädchens. Wie sie später erfährt, ist das gar nicht so abwegig. Denn auch bei Blutvergiftungen oder bösartigen Erkrankungen wie Leukämie kann es durch die Verminderung der Blutplättchen zu Hautveränderungen kommen, die diesen phasenweise ähnlich sein können.

Gelenke schwellen an

Annis Knie schwellen an und beginnen zu schmerzen und auch die Fußgelenke tun ihr weh. Als sie sich zur Untersuchung hinstellen soll, kann sie das kaum. Die Ärztin nimmt ihr Blut ab, misst den Blutdruck, befühlt die Haut und schaut sich die teils kleinen roten Flecken und auch die größeren lila-blau gefärbten Flatschen genau an.

Nach einigen weiteren Untersuchungen steht die Diagnose: Purpura-Schönlein-Hennoch. Mutter und Kind werden stationär aufgenommen. Der Zustand des Kindes spitzt sich dramatisch zu. Anni kann nicht mehr selbst laufen.

Hinter der Erkrankung mit dem seltsamen Namen verbirgt sich die häufigste Gefäßentzündung im Kindesalter. "In Kinderarztpraxen und Kliniken sieht man sie regelmäßig", sagt Kathrin Siepermann Kinderärztin und —rheumatologin in den Helios-Kliniken Krefeld.

"Vor allem in der Zeit vom Herbst bis zum Frühjahr." Dennoch zählt sie zu den seltenen Erkrankungen. "Von 100.000 Kindern zwischen zwei und zehn Jahren bekommen jedes Jahr rund zehn bis 20 eine Purpura Schönlein-Hennoch", sagt Siepermann. Selten tritt die Erkrankung jedoch auch im Erwachsenenalter auf.

Diese Infekte können Auslöser einer Purpura sein

Die Ursache ist letztlich nicht bekannt. Meist geht der Erkrankung ein viraler oder bakterieller Infekt voraus. "Besonders häufig betrifft der die oberen Atemwege", sagt die Krefelder Fachärztin. Doch auch nach einer Magen-Darm-Grippe oder einem grippalen Infekt kann es zum Ausbruch der Erkrankung kommen. In einigen Fällen ist ein Auftreten auch in Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme, Insektenstichen, Kälteeinwirkung oder bestimmten Nahrungsmittelallergenen beobachtet worden.

Neben Haut auch andere Organe betroffen

Oft vergehen zwischen dem ursächlichen Infekt und dem Auftreten der Purpura-Schönlein-Hennoch nur einige Tage, manchmal jedoch auch Wochen. Dann zeigen sich plötzlich punktförmige Einblutung in Form von rötlichen Flecken oder Papeln.

Diese können in Folge auch dunkelrot oder lila werden und an einen blauen Fleck erinnern. Meist beginnen die sichtbaren Symptome an den Unterschenkeln — so wie auch bei Anni. Im weiteren Verlauf übersähen sie beide Beine bis zum Gesäß. Manchmal auch andere Körperteile wie die Arme. Betroffen ist jedoch nicht nur die Haut. Auch in anderen Organen wie den Nieren oder dem Darm können sich die kleinen Blutgefäße entzünden und bluten.

Diese Sorge ist groß, dass es auch bei der fünfjährigen Anni so sein könnte. Denn auch Bauchschmerzen gesellen sich zu ihren Symptomen hinzu. Diese werden durch die Entzündung von Gefäßen in der Darmwand ausgelöst. In 60 Prozent der Fälle ist das so. Im Verlauf kann das Bauchweh zu heftigen Koliken um den Nabel herum anwachsen, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein können.

Überwachung nötig

Doch die Familie hat Glück. Es passiert nicht. Dennoch kontrolliert das Krankenhauslabor regelmäßig Stuhl- und Urinproben, um Darm- und Nierenblutungen auszuschließen. "Neben Blut findet man im Urin eventuell auch Eiweiß", sagt Siepermann. Beides kann ein Hinweis auf Nierenschäden sein. Bei rund sieben Prozent der Betroffenen sind die Nieren beteiligt. Eine mögliche Folge dieser Komplikation ist ein Nierenversagen.

"Allerdings kommt es nur sehr selten dazu. Meist heil die Erkrankung folgenlos aus", sagt die Rheumatologin. In der akuten Phase allerdings machen auch die für die Purpura-Schönlein-Hennoch typisch schmerzenden und geschwollenen Gelenke jeden Toilettengang des Kindes zur unerwünschten Pflicht. Bei Anni sind es nur die Knie- und Fußgelenke, die in Mitleidenschaft gezogen sind. Es könnten auch Hand- und Ellbogen- oder Fingergelenke betroffen sein. Das bleibt dem Kind erspart, ebenso wie Fieber oder ein Rückfall im Genesungsverlauf.

Therapeutische Möglichkeiten sind eingeschränkt

Vier bis sechs Wochen heißt es allerdings sich in Geduld zu üben. So lange dauert der Heilungsprozess. Nur einen Teil der Zeit verbringen die meist kleinen Patienten im Krankenhaus. Neben der Gabe von schmerzstillenden und fiebersenkenden Mitteln sowie der Kontrolle von Blutdruck, Stuhl- und Urin kann man jedoch nicht viel tun. Nur bei schweren Verläufen mit Nieren- oder Darmbeteiligung sind Medikamente wie zum Beispiel Kortison erforderlich.

(wat)
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